Seite:Ferdinand Wilhelm Weber - Kurzgefaßte Einleitung in die heiligen Schriften (11. Auflage).pdf/290

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Augustinus sträubte sich gegen ihre Annahme. Erst durch Gregor des Großen Ansehen drang sie durch. Über ihr weiteres Schicksal siehe oben § 19. – Außerdem haben wir eine angelsächsische, von den Missionaren Gregors des Großen aus der alten Vulgata gefertigte, eine gotische von Bischof Ulfilas herstammende, und eine slavische von Cyrillus und Methodius (9. Jahrh.) herrührende Übersetzung des N. Testaments.


§ 67.

 Im Mittelalter entstanden Übersetzungen des N. Testaments teils durch das Bestreben der Sekten nach einem biblischen Christentum – vgl. die romanischen Waldenser-Übersetzungen –, teils ging aus der Kirche selbst schon vor der Reformation eine nicht unbedeutende Menge von Übersetzungen hervor. Sie alle werden übertroffen durch die lutherische. Ihr Erscheinen hat so mächtig gewirkt, daß nicht bloß alle übrigen protestantischen Kirchen, sondern auch die römische Kirche sich beeiferten, für ihre Kreise entsprechende Übersetzungen herzustellen.

 In neuester Zeit sind mit jeder neuen Kirchenbildung durch die Heidenmission auch neue Bibelübersetzungen entstanden, indem besonders die Britische Bibelgesellschaft sich die Aufgabe gestellt hat, alle Völker mit Übersetzungen der heil. Schriften zu versorgen. – Für den Gebrauch der mit der hebräischen Sprache noch vertrauten Juden sind neuerdings hebräische Übersetzungen entstanden, erst eine von der Londoner Judenmissions-Gesellschaft, nunmehr 1877 eine viel korrektere durch Professor Franz Delitzsch, welche die Britische und ausländische Bibelgesellschaft in London herausgegeben hat.




Kap. 5.
Von der Auslegung des N. Testaments.

§ 68.

 Was bereits bei Gelegenheit der Auslegung des A. Testaments über die drei verschiedenen Stufen der Auslegung, die grammatische, historische und theologische, gesagt wurde, gilt selbstverständlich auch für das N. Testament. Nur bei gleichmäßiger Rücksicht auf jedes