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Toller – Tornister


Toller, Ernst, revolut. Dramatiker, * 1893; „Die Wandlung“, „Hinkemann“.

Tollkirsche (Atropa belladonna), Nachtschattengewächs, sehr giftige Staude, bis 1,50 m, in schattigen Bergwäldern, liefert Atropin. ↑ Taf. Sp. 73.

Tollwut, anscheinend für alle Säugetiere, selbst für Vögel, bes. auch für den Menschen gefährl., v. Hund ausgehende Infektionskrankheit. Übertragung dch. Hundebiß. Ausbruch meist 3–6 Wochen nach dem Biß, aber bis zu 5 Monaten verzögert. Der Hund wird scheu, (nicht immer) wasserscheu; Stimmveränderung (Bellgeheul), Umherschweifen, Beißsucht, schließlich Lähmung u. Tod. Beim Menschen sofort Anwendung der Pasteurschen Schutzimpfung (in Deutschl.: in Berlin u. Breslau).

Tolmein, Ort in Görz und Gradisca, 4600 E. Der Durchbruch der dt. 14. Armee 24. 10. 1917 leitete die 12. Isonzo⚔ ein.

Tolstoj, Leo, Graf, russ. Dichter, 1828–1910; Offiz. (Krimkrieg); seit 1861 suchte er auf seinem Gut Jasnaja Poljana (Tula) einen „besten Staat“ im kleinen zu verwirklichen, wandte sich später relig. Problemen zu; Romane: „Krieg u. Frieden“ (Rußl. in der Zeit Napoleons) u. „Anna Karenina“ (strenge Gesellschaftskritik). Bauerntragödie „Die Macht der Finsternis“, realist. Novelle „Der Tod des Iwan Iljitsch“ u. zahllose kl. Volkserz.; Roman: „Auferstehung“; Dramen: „Der leb. Leichnam“, „Und das Licht leuchtet in der Finsternis“; Traktate: „Was sollen wir denn tun?“, „Das Reich Gottes ist in uns“, „Die Sklaverei unserer Zeit“. In der tät. Nächstenliebe sah er die Erlösung; er predigte Kampf gegen das Böse ohne Gewalt, Abkehr v. allen Errungenschaften der Zivilisation. Einer der größten Psychologen der Weltliteratur, noch bedeutungsvoller als relig. Mahner. Lit.: K. Nötzel, T. (1915–18).

Tolteken, sagenhaftes Kulturvolk Altmexikos.

Toluol, aus Steinkohlenteer gewonnene Benzolverb., entzündl. Flüssigkeit, siedet b. 110°, zu Färb-, Sprengstoffen, Sacharin.

Tomahawk, sichelförmige Kriegskeule der nordamer. Indianer, später mit europ. Beilklinge; z. T. zur Tabakspfeife ausgestaltet.

Toman, Münze, ↑ Übers. Sp. 416.

Tomate, Nachtschattengewächs aus Peru, gelbe Blüten, rote Früchte, in zahlreichen Sorten angebaut.

Tombak, Kupfer-Zink-Legierungen, goldgelb, rötlich bis rotbraun.

Tombigbee, Fl. in Alabama (USA), 730 km.

Tombola, Lottospiel mit Losziehung aus einer Trommel, beliebt für Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Tommy (Atkins), volkstüml. Name des engl. Soldaten.

Tomsk, westsibir. St., 92 000 E; Zündholzind.

Tom-tom, Jazz-Schlag-Instr.: 1) Holz-T., ausgehöhlter Holzblock, durchdringend heller Klang; 2) chines. Fell-T., dumpf u. melancholisch. Abb. ↑ Schlagzeug.

Ton dient in d. Mus. zur Bez. jedes Klanges, dessen Höhen- u. Tiefenverhältnis bestimmt ist. Die Höhe u. Tiefe eines T. in der Mus. (T.höhe) wird v. einem genau fixierten Stimm- od. Normal-T. aus errechnet. Der gesamte in der Mus. gebräuchl. T.umfang (↑ Taf. Sp. 424) umfaßt 8 Oktaven. T.-art. Bestimmung des T.geschlechts (Dur u. Moll) u. der T.-stufe. Für eine Dur-T.art ist wesentlich der über dem Grund-T. errichtete konsonante Dreiklang mit großer Terz, z. B. für C-Dur: c e g; die Moll-T.art hat kleine Terz, z.B. A-Moll: a c e. Sämtl. andern Dur- u. Moll-T.arten (↑ Taf., 5, Sp. 424) sind nur Transpositionen v. C-Dur bzw. A-Moll, haben Bild_BL_Ton1 Vorzeichen (Kreuz-T.art) bzw. Bild_BL_Ton2 Vorzeichen (Be-T.-art) u. stehen untereinander in Quint- oder Dominantbeziehung. Jede Moll-T.art hat gleiche Vorzeichen wie die um kl. Terz höhere Dur-T.art (A-Moll notiert wie C-Dur).

Ton, tonerdereiches, plast. Gestein, vorwiegend Aluminiumsilikat; fetter T., wenn wenig, magerer T., wenn viel Sand beigemischt. ↑ Mergel.

Tonalität, Bezogenheit einer Klangfolge auf einen „logischen Mittelpunkt“ (Tonika).

Tonätzung = Autotypie.

Tondern, (seit 1920) dän. St., in N-Schleswig, 6000 E.

Tonerde ↑ Aluminium.

Tonfilm ↑ Kino.

Tongainseln, brit. Inselgruppe, südl. der Samoa-Inseln, 27 000 E.

Tongking, franz. Schutzstaat, im nordö. Hinterindien, 105 000 qkm, 7,4 Mill. E; Hptst. Hanoi.

Tonika, der Ton, nach dem die Tonart heißt; sodann Hauptakkord dieser Tonart.

Tonika-Do-Methode, musikpädagog. System, das Gehörbildung, musikal. Elementarlehre u. bes. Erziehung zum Tondenken mit Hilfe einer Buchstabenschrift betreibt.

Tonleiter, stufenweise Folge v. Tönen innerhalb einer Oktave. Man unterscheidet: 1) Diatonische T., bestehend aus 5 Ganz- u. 2 Halbtönen ; 2) Chromatische T., eine Vermischung der diaton. T. mit Halbtönen.

Tonnage, Raumgehalt eines Schiffes.

Tonne, Handelsgewicht, in Deutschland = 1000 kg, in Großbritannien (Ton) = 1016,06 kg. Auch (T., Tönde) skandinav. Flächen- sowie Körpermaß. ↑ Registertonne; ↑ Seezeichen.

Tonnengehalt = Tonnage.

Tonnengeld, nach dem Tonnengehalt (Tragkraft) bemessene, v. Seeschiffen beim Einlaufen in Häfen erhobene Abgabe.

Tönnies, Ferdinand, Soziolog, * 1855, Prof. Kiel; neben Simmel u. Max Weber bahnbrechend für Entwicklung der neuem Soziologie in Deutschland.

Tonschiefer, festes, geschiefertes Tongestein.

Tonsillen, die (Gaumen- u. Rachen-) Mandeln.

Tonsur, kahlgeschorene Stelle auf dem Kopf der kath. Kleriker.

Tontauben ↑ Taubenschießen.

Tontine, auf neapol. Arzt Tonti (* um 1630) zurückgehende Art der Rentenanleihe. Mehrere, meist gleichaltrige Kapitalisten gewähren dem Staat Kredit; dieser zahlt der T.ngesellschaft eine Rente, die schließlich dem letzten Überlebenden allein zufällt.

Tonus, ständiger, schwacher, v. Nervensystem abhängiger Kontraktionszustand der Muskeln.

Tonwaren, aus ↑ Ton geformte u. gebrannte, oft glasierte Gegenstände. ↑ Keramik. Ton ist bildsam (plastisch), brennbar u. wasserbindend u. deshalb geeignet zur T.herstellung; am reinsten als ↑ Kaolin; unter Beimengung v. Eisen, Kalk u. a. als sog. Töpferton. Das Formen erfolgt aus freier Hand, mittels Form, durch Gießen od. mittels Töpferscheibe; Die untere Scheibe (c) wird mit den Füßen od. maschinell bewegt, dient der obern (d) als Antrieb; auf diese setzt der Töpfer ein Stück Ton u. formt es mit Hand oder Schablone. Es folgen Trocknen, Brennen, Glasieren und Verzieren.

Topas, Mineral, fluorhalt. Aluminiumsilikat, Edelstein, meist gelb, auch blau, selten rot.

Topelius, Zacharias, finn.-schwed. Dichter, 1818–98.

Töpferscheibe ↑ Tonwaren.

Töpfervögel, Sperlingsvögel, S-Amerika, drosselartig, bauen auf waagrechten Zweigen backofenförmige Lehmnester.

Topinambur, Sonnenrosenart aus N-Amerika, 3½ m hoch, Viehfutter.

Topographie, Ortsbeschreibung.

Topographische Aufnahme, die Anfertigung eines schemat. Bildes v. einem verhältnismäßig eng begrenzten Teil der Erdoberfläche.

Topp, oberstes Ende eines Mastes od. einer Stenge.

Tora (Thora, „Lehre“), das im Pentateuch enthaltene mosaische Gesetz, in der Synagoge vorgelesen.

Toreador, Stierkämpfer zu Pferd.

Tordieren, eine ↑ Torsion ausüben.

Torelli, Giuseppe, ital. Violinist u. Komponist, * um 1660, † 1708.

Torero, Stierkämpfer zu Fuß.

Torf, verfilzte kohlenstoffreiche Pflanzenreste; Heizmaterial, liefert auch T.streu, T.mull, T.gas.

Torfmoos (Sphagnum), Moosgattung, weißl., bräunl., od. rötl., schwammige Polster bildende Moose; Stengel sterben unten ab u. wachsen oben dauernd weiter; besonders in Mooren, bilden Torf.

Torgau, St., an der mittlern Elbe, 13 000 E.

Torii, Tore vor japan. Tempeln; Abb. ↑ Japanische Kunst.

Tornado, verheerender Wirbelsturm (N-Amerika).

Torneelf, finn. Hafenst., am Nordende des Bottn. Meerbusens, 2300 E.

Tornister, Fell- od. Segeltuchranzen des Soldaten, auf dem Rücken getragen.

Bild: Tonwaren: Töpferscheibe,

Bild: Ferdinand Tönnies.

Bild: Leo Tolstoj.

Bild: Tonwaren: Am Porzellanbrennofen. Das Gut wird in Schamottekapseln in den Ofen eingesetzt.

Empfohlene Zitierweise:
Meyers Blitz-Lexikon. Die Schnellauskunft für jedermann in Wort und Bild., Leipzig 1932, Spalten 659–660. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LA2-Blitz-0385.jpg&oldid=2965954 (Version vom 20.12.2016)