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„Treu Liebchen, schau hin und fürchte nicht
     Wohlauf!
Dort drüben im Walde, dort glänzt ein Licht.

10
     Wohlauf!

Wir ziehen ein ins kleine Haus,
Und ruhen und schlafen bis morgen aus.“

„Geliebter, o lass uns nicht gehn ins Haus.
     Wohlauf!

15
Noch mag ich nicht ruhen und schlafen aus.

     Wohlauf!
Die hellen Sternlein funkeln schön,
Wir wollen weiter und weiter gehn.“

„Wir dürfen nicht gehen für und für,

20
     Wohlauf!

Treu Liebchen, sey willig und folge mir.
     Wohlauf!
Ich bin ja müd, verlang nach Ruh,
Komm Liebchen, sing mir die Augen zu!“

25
Er geht voran auf dunkelm Weg,

     Wohlauf!
Und müde betritt er den schmalen Steg.
     Wohlauf!
Er wankt und schwankt und sinkt hinab,

30
Im Strom tief unten da ist sein Grab.


Und Liebchen sitzt still im Ufergras,
     Wohlauf!
Es treibet und jagt sie, sie weiss nicht was.
     Wohlauf!

35
Sie hört das Rauschen tief und hohl.

Da wird ihr plötzlich so leicht, so wohl.

Sie schliesset die schönen Augen zu.
     Wohlauf!
Sie folget dem Lieben hinab zur Ruh.

40
     Wohlauf!

Da liegen sie im kühlen Haus
Und ruh’n und schlafen bis morgen aus.

Von der Autorschaft Sophie Brentanos, als der sich nie verläugnenden Schülerin Schillers, uns zu überzeugen, genüge der Hinweis auf ihre an Klang und Versmass gleiche „Klage“ in Bernhard Vermehrens Musen-Almanach für 1803, S. 30, zu der ich in dem Buche „Arnim und Brentano“ S. 83 eine etwas abweichende Gestaltung mitteilen konnte; wie auch ihre Schwester Henriette Schubart in derselben Manier einen Scherz an den aus Jena scheidenden Zacharias Werner, den „Liebesgesellen“,

Empfohlene Zitierweise:
Reinhold Steig: Frau Auguste Pattberg geb. von Kettner. Koester, Heidelberg 1896, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Steig_Frau_Auguste_Pattberg.djvu/11&oldid=3392372 (Version vom 1.8.2018)