Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/25

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ja die Anbetung aller derjenigen, die lesen und lesen können, herausfordert, wenn man diesen auf der Schädelstätte, auf dem Richtplatz sieht. Anbeten soll man Ihn, dazu ewig danken, weil Er ein Wolthäter aller ist, sonderlich Seiner Zeitgenoßen: und was geschieht? Rohe Hände entkleiden den Menschensohn. Sie werfen Ihn nieder wie ein Lamm, das geschlachtet werden soll, aufs Kreuz. Man zieht Ihm die Arme, die Hände auseinander und die Füße straff zusammen abwärts. Große Nägel setzt man an, Hammerschläge dröhnen, die Gebeine knirschen, das heilige Blut spritzt davon: angenagelt ist Er. Da zieht man das Kreuz empor, da fällt es hinein in seine Grube, da reißen die Wunden größer, mächtiger strömt das Blut, und da hängt, der alle Welt gemacht hat, und deßen Füße allen Elenden zu Hilfe gekommen sind, als ein Bild der schmählichsten Ohnmacht, gelähmt, unfähig jeder Regung, in höchster Verlegenheit eines Daseins voller Schmerzen. Das heißt, Er ist gekreuzigt. Dazu kommen nun herzu zwei Mörder, Aufrührer, vom Abschaum der Menschheit genommen, wild, ohne Zweifel widerstrebend, abscheulich anzusehen, sie seien voll Todesfurcht oder voll Todesverachtung; die zwingt man auch zum Kreuze, bindet und würgt sie, bis sie liegen, bis sie halten, bis die Hämmer und Nägel auch an ihnen gedient haben, wozu sie sollten, bis die Kreuze in die Löcher gestoßen sind, bis sie fest geschlagen und gemacht sind. Das ist die Gesellschaft, die man ihm gibt. Obwol die Schächer zu Seiner Seite hängen, ist doch vorgesorgt, daß sie JEsum und einander sehen, gegenseitig Zeugen ihres Elends sein, mit einander reden können. Was für eine Gesellschaft – diese drei! Wer den Menschensohn schilt, ist ein Lästerer. Lästerung ist ein Name für den Gipfel