Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/32

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flehend oder helfend zusammenschlagen, denn auch sie sind angenagelt; überhaupt ist Er macht- und kraftlos dem leiblichen Gefühle nach; Seines Leibes Vermögen verrinnt mit Seinem Blute; aber das alles ist Ihm ganz recht, dadurch eben wird er ja der Vertreter. Er hat die Hand nicht an Sich gelegt; die Verräther und Mörder habens gethan; aber weils nun so ist, und Er auf dem Todeswege untadelich steht, so macht Er das Sterben zu einer Hinopferung und Aufopferung des Lammes Gottes, das Er selbst ist; in der Kraft Seines Leidens und beginnenden Sterbens hebt er Sein Auge auf und ruft das rettende Wort, den Menschen vernehmlich, Seinem himmlischen Vater also zu, daß die Wolken des Zornes zertheilt werden. Einem solchen Vertreter und Beter kann auch die allmächtige Gerechtigkeit nichts abschlagen. Er hüllt sich selbst in die Wolken des Zornes und nimmt die flammenden Blitze, die den Verräthern und Mördern gemeint sind, in Seinen Schoos; in der Kraft Seiner Leiden, in der Umwandelung der Hinrichtung zu einem allerheiligsten Opfer für alle Welt wird Er, der Todesmüde, stark, daß Seine von grimmigem Weh durchzuckten Arme, ja der Hauch Seiner bebenden Lippen mächtig wird, Israel zu schützen und seine Helfershelfer, daß sie nicht vergehen im schnellen Zorngerichte des HErrn. Judas ist dahingefahren an seinen Ort und JEsus ist doch der Erlöser der Welt geworden, ohne das verlorene Kind; so hätte Er auch der Erlöser der Welt und aller Geschlechter sein können, wenn gleich das damalige Geschlecht dem Zorne Gottes rettungslos erlegen wäre. Aber das will Er nicht; auch die sollen leben, auch sie faßt er ein in die Absicht seines Opfers und spricht für sie am Kreuze, am Anfang der sechs bittern Stunden ein hohenpriesterliches