Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/55

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läßt, ist der Trennungsschnitt von den Seinen geschehen und Er ist fertig, und hat damit erfahren, was Sterben und Tod heißt, noch ehe Ihm die Augen brechen. Ach! es ist eine grausige Leidensstufe in den Worten an die Mutter und an Johannes, und ich kann mich nicht erwehren, zu denken, Maria müße das gefühlt und um so mehr vom eignen Weh durchbebt worden sein, weil sie das ungeheure Weh des Abschieds in Seiner Seele merkte. O es ist groß, wenn Er in Cana spricht:. „Was habe ich mit dir zu schaffen“; aber wie groß ist es, daß Er nun am Kreuze, wo Ihm doch der Trost so süß gewesen sein muß, als in Gethsemane, wo Er die Jünger darum bat, mit der Mutter nichts mehr zu schaffen haben will, sondern in den Krieg und die Schlacht, die nun bevorsteht, allein hineingehen will. Es ist groß, wenn Er auf dem Todeswege das Mitleid der Weiber Jerusalems von sich abwendet, aber was ist das, daß Er sich nun so vereinsamt auch von der Mutterliebe, wie Er thut? – Herr Gott, mir ist, wie wenn Er nun dran wäre, durch diese Entsagung die Sünden des vierten Gebotes zu büßen, wie wenn Er die Sünden der verkehrten Mutterliebe, ich sage nicht der heiligen Liebe Marien, der Mutter Gottes, wie wenn er die Sünden der verkehrten Vaterliebe, der verkehrten Kinderliebe, sammt allem Mangel an Liebe zwischen Eltern und Kindern, auf sich genommen hätte und büßte. So mußt Du verarmen, vereinsamen und Dich verabschieden, Du Sohn ohne Gleichen von einer Mutter und einem Freunde ohne Gleichen, weil ich und meine Brüder und Schwestern gegen unsere Eltern und Kinder und, daß ichs nicht vergeße, auch gegen unsere Freunde, ja auch gegen unsere Freunde, so gar das Gegentheil von Dir gewesen sind. Um