Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/71

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den Tag Christi harren; so wie die Höllenfahrt aufs Gefängnis, so wird ohne Zweifel die Paradiesesfahrt des HErrn auf das Paradies einen wunderbaren Einfluß ausgeübt und eine mächtige Veränderung hervorgebracht haben, eine Veränderung, die uns über ein Kleines, wenn wir selber heimfahren, klar und offenbar werden wird. Aber auch schon im alten Testamente und am Charfreitag muß dieß Paradies ein überaus lieblicher, seliger, lockender Ort gewesen sein, und die Verheißung, dorthin zu kommen, muß für einen Menschen in Kreuzespein eine große Trostkraft ausgeübt haben. Der HErr Selbst am Kreuze tröstete Sich wol in Seinen bittern Leiden und heißen Schmerzen mit der stillen freudenvollen Ruhe des Paradieses, und obwol Er in dasselbe nicht fahren konnte, ohne die Erniedrigung und Schmach des Todes zu erdulden, so war Ihm doch ohne Zweifel das Ausruhen von so hartem Kampfe, in dem Er war, und welcher Ihm noch bevorstand, eine kühlende Luft aus der Ewigkeit, und dieselbe haucht Er nun auch mit Seinem Worte der Verheißung dem armen Schächer hin. Die Verheißung des HErrn ist damit für den Schächer eine Verheißung aller Seiner Gnade, eine Gewisheit, daß er nicht ins Gefängnis komme, nicht verloren und verdammt sein, sondern getröstet werden, aus der Gesellschaft der Räuber genommen und in die ewige Gemeinschaft der vollendeten heiligen Seelen gebracht werden solle. Sie ist aber auch noch mehr.

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 Ihr erinnert euch, meine lieben Brüder, an jene wunderbare prophetische Stelle, welche an Großartigkeit und Grausen zugleich wenige ihresgleichen hat; ich meine die, in welcher die Ankunft des Königs von Babel in der Unterwelt dargestellt wird, wie ihm die Böcke der Welt entgegenjauchzen: „so bist auch du