Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/73

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die ganze Größe des Werkes und Leidens JEsu vor die Augen aller, es konnte nicht feierlicher und herrlicher die Frucht der Versöhnung im Paradiese verkündigt werden, als durch das Einhertreten einer geheiligten Verbrecherseele neben der gottverlobten Majestät der Seele JEsu. Und was muß das alles, diese ganze selige Erfahrung auf den Schächer für einen Eindruck gemacht haben und wie muß er in der Erfüllung der Verheißung JEsu Christi am Kreuze seine kühnsten Wünsche unendlich übertroffen und alles, was er selbst gebetet hatte, versiegelt und verpfändet gesehen haben!

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 Entschuldiget mich, meine lieben Brüder, daß ich Euch die Fülle des dritten Wortes JEsu durch eine Vergegenwärtigung alles deßen vorzulegen suchte, was der Charfreitagabend gemäß den Worten unseres HErrn gebracht hat. Der Schächer am Kreuze hat vielleicht dies alles nicht so vermuthen können, wie wir es aus dem ganzen Zusammenhang des göttlichen Wortes schließen. Der HErr aber hat gewußt, was Er versprach, und wenn Er Sein Wort an den Schächer mit der eidlichen Versicherung: „Amen, ich sage dir,“ einleitet, so liegt darin nicht allein ein Hervorleuchten des großen Bewußtseins JEsu von Seiner Kraft und Allmacht, sondern auch eine so hohe Meinung von den Freuden des Paradieses ausgesprochen, daß ein armer Schächer die Verheißung derselben nur unter dem Schwure seines Erlösers sollte glauben können. Zugleich aber liegt in dem Ganzen deßen, was wir gelesen und was ich Euch gesagt habe, eine Freude und Heimweh erweckende Macht, und es muß uns allen das Herz innerlichst beben, unser Dank aus den Augen rinnen und das Opfer der Anbetung zum HErrn aufsteigen dafür, daß wir