Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/87

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der Furth Jabok gerufen hat: „ich laße Dich nicht, Du segnest mich denn,“ so läßt auch Er nicht, auch nicht in der Qual der Hölle Denjenigen, welcher, – wer kann es begreifen? – Ihn verläßt anstatt unser und Ihm statt unser die Hölle gibt, eine Hölle, die Er fühlen muß, und die doch, an Ihm persönlich nichts Verwandtes findet, in der Er unverschuldet hängt und die Ihn schon deshalb nicht behalten kann, denn wie kann ein reines Herz in der Hölle bleiben. – Ich habe mich bei dieser Reihe von Gedanken nicht bloß aus Schwachheit, sondern auch aus Vorsatz vor allem gemütlichen Beschreiben des Zustandes der Gottverlaßenheit gehütet; ich kann und will nicht tiefer und nicht mehr auf dieses Thema eingehen; ach ich will gar nicht mehr lernen, was Gottverlaßenheit sei; ich will am allerliebsten vor diesem Worte schauernd und das Gegenteil suchend wie vor einer dunklen Pforte der Verdammnis vorübergehen. Ich habe genug von dem Zustand gesagt, obwol ich im Grunde nichts gewußt habe. Das ist und sei der Unterschied zwischen Christo und mir, daß ich nicht einmal zu wißen, geschweige zu erfahren brauche, was auf Ihm lastet. Was weiß ich im Grunde mehr als die Soldaten, die sein Geschrei: Eli, Eli, für eine Anrufung des Elias gehalten haben? Ich bin gerne unwißend und will ewig nicht wißen, was Gottverlaßenheit sei. Es ist genug für mich, zu erkennen, daß JEsus stundenlang getragen hat, was mich in einer einzigen Sekunde unheilbar und ohne alle Rettung treffen würde. Wollt ihr mehr wißen, so suchts euch, ich aber bin gerne ein Stümper, und eile, wie zu einem rettenden Asyle, zu meinem zweiten Theile.