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Dessau und Leipzig, um deren Lehrmethoden kennen zu lernen.

In Schnepfenthal war nun Bechstein ganz im erwünschten Wirkungskreise, begann seine schriftstellerische Thätigkeit, sah sich durch den Coadjutor von Dalberg aufgemuntert, wurde von der Fürstin Juliane zu Schaumburg-Lippe mit dem Titel eines Bergrath beehrt, empfing Ehrendiplome gelehrter Gesellschaften, schloß den Bund des Herzens mit einer jungen Erzieherin am Institut, und faßte, da seine Neigung für das Forstwesen überhaupt und die Forst- und Jagdnaturgeschichte am lebendigsten in ihm vorherrschte, den Entschluß, eine Forstlehranstalt zu begründen, zu welchem Zweck er ein Schnepfenthal sehr nahe und dicht bei Waltershausen gelegenes Freigut, die Kemnote, käuflich an sich brachte und Schnepfenthal verließ. Die Ankündigungen der neuen Anstalt hatten den günstigsten Erfolg; es kamen zahlreiche Zöglinge, und am 10. Mai 1795 erfolgte die Eröffnung dieses Privatinstituts, das eines der ersten dieser Art in Deutschland war und später durch den Herzog zu Sachsen Gotha zu einer öffentlichen Lehranstalt der Forst- und Jagdkunde erhoben wurde, ohne daß aber der Begründer aus herzoglichen oder aus Landesmitteln nur die mindeste Unterstützung empfing.

Um in steter Anregung zu bleiben und die junge Wissenschaft, zu deren Mitpfleger er sich geweiht, auch in weiten Kreisen fördern zu helfen, gründete Bechstein die Societät der Forst-und Jagdkunde, der er zahlreiche Mitglieder gewann und für die er eine besondere Vereinsschrift, Diana, ins Leben rief. Ein äußerst lebhafter Briefwechsel mit Jagdfreunden, Naturkundigen, Ornithologen etc. wurde von Bechstein fortwährend geführt und neben dem Eifer für seine Anstalt eine außerordentliche literarische Thätigkeit entwickelt. Fleiß und Berufstreue waren die Sterne seines Lebens, sie leiteten ihn sicher zum Ziele. Schon hatten seine »gemeinnützige Naturgeschichte Deutschlands«, die des »In- und Auslandes« und die »Naturgeschichte der Stubenvögel« ihm einen geachteten Namen gemacht, denn seine Schriften vereinten volksthümliche Allgemeinverständlichkeit mit Gründlichkeit, die in eigener scharfsichtiger Beobachtung ihren Boden fand; an diese eigenen Schriften reihten sich gediegene Uebersetzungen englischer und französischer naturgeschichtlicher Werke, Latham, La Capede u. a.

Indessen brachten Hemmungen statt Förderungen und manche sonstige unangenehme Erfahrung Bechstein dahin, seine Anstalt aufzugeben und in die Dienste des Herzog Georg zu Sachsen Meiningen zu treten, welcher den Werth den Mannes erkannte und geneigt war, seinem Lande eine Forstlehranstalt zu geben.

Herzog Geog ernannte Bechstein im Jahre 1789 zum Kammer- und Forstrath mit Sitz und Stimme in der herzoglichen Kammer, und begründete die nachher so berühmt gewordene Forstacademie zu Dreißigacker, vorerst nur, und bis 1803, unter dem Namen einer öffentlichen Lehranstalt der Forst- und Jagdkunde.

Mit Beibehaltung seines Besitzthums bei Waltershausen übersiedelte nun Bechstein an den Ort seiner neuen Bestimmung und weihte der seiner Leitung anvertrauten Anstalt allen Eifer und alle Liebe, die ihn für dieselbe beseelte, durch dreiundzwanzig Jahre, durch gute und schlimme Zeiten, durch gute Gerüchte und böse Gerüchte, streute eine reiche Saat der forstmännischen Lehre und Bildung in die Seelen fähiger Jünglinge aus, von denen viele noch lebende in hoher ehrenvoller Stellung sein Andenken segnen, und vermehrte seinen Ruhm durch stets fortgesetztes unermüdliches literarisches schaffen: dahin gehört, kleinere Schriften ungerechnet, sein »ornithologisches Taschenbuch von und für Deutschland«, die »vollständige Naturgeschichte der schädlichen Forstinsekten«, in Gemeinschaft mit dem Pfarrer Scharfenberg die »Forstbotanik oder vollständige Naturgeschichte der deutschen Holzarten etc.« und endlich das vorzügliche, noch heute geschätzte von ihm ins Leben gerufene Hauptwerk: »die Forst- und Jagdwissenschaft nach allen ihren Theilen«, darin Bechstein die dritte Auflage seiner »Forstbotanik«, die »Waldbenutzung für Forstmänner«, die »Jagdzoologie«, die »Jagdtechnologie«, die »Wildjagd und Wildbenutzung« gehören. Letzteres Buch gab ein treu bewährter Freund, Laurop, nach des thätigen Verfassers Tode heraus. Diesen selbst beugte im Jahre 1810 der Tod des hoffnungsvollen einzigen Sohnes tief da- nieder, doch trug er männlich seinen Schmerz und lebte in redlicher Pflichterfüllung, geschätzt und geliebt von allen, die ihm nahe standen, unausgesetzt thätig fort. Der Kreis seiner Thätigkeiten war sehr umfassend: neben dem Lehramt, neben dem wirken als Schriftsteller mußte er wöchentlich 3 mal von Dreißigacker nach der Stadt, um den Kammersitzungen beizuwohnen und zahlreiche cameralistische Ausarbeitungen besorgen. Gegen 1818 hin begann seine Gesundheit zu wanken, doch erhielt er sich noch bis zum 65. Lebensjahre. Sein hinscheiden wurde beklagt in Nähe und Ferne. Vielen hatte er Wohlthaten erzeigt, andere durch Empfehlungen gefördert, viele ehrten und liebten in ihm den treuen Freund, den lebhaften, muntern Gesellschafter; vielfach wurde er zu Rath gezogen, seine Freude und Liebhaberei an den gefiederten Sängern der Haine, seine Herzensgüte und Freundlichkeit leben noch in bester Erinnerung, und sein Name ist würdigen Priestern seiner Zeit im Tempel der alma maler würdig zugesellt.