Spruner-Menke Handatlas 1880 Karte 76

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Theodor Menke, Karl Spruner von Merz u. A.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Oströmisches Reich zu Justinian’s Zeit
Untertitel:
aus: Hand-Atlas für die Geschichte des Mittelalters und der neueren Zeit
Herausgeber:
Auflage: 3. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Justus Perthes
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Gotha
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


Spruner-Menke Handatlas 1880 Karte 76.jpg

[1]

Orient: No. I. Oströmisches Reich zu Justinian’s Zeit. Von Th. Menke. – Nebenkarten: 1. Karthago, Justinianea. 2. Rom. 3. Constantinopel. 4. Umgegend von Neapel. 5. Westliche Fortsetzung der Hauptkarte. Von Th. Menke.

Eine glänzende Machtstellung hatte das oströmische Reich zu Justinian’s Zeit. Die germanische Völkerwanderung hatte sich gegen Westen gewendet, und zwei der durch sie gestifteten Reiche, das ostgothische und vandalische, wurden von Belisar unterworfen. Die slavische Völkerwanderung hatte noch nicht zum Abfall der binnenländischen Landschaften der Hämushalbinsel von Byzanz geführt, und die Araber waren noch nicht durch Muhammed ein welteroberndes Volk geworden.

Die Provincialeintheilung, wie Hierocles im Anfange der Regierung sie darstellte, ist im Wesentlichen dieselbe, wie die im spätesten Alterthum. Justinian änderte sie nach Abfassung des Synecdemus des Hierocles in einigen Stücken. Auch die Eintheilung in Diöcesen bestand noch, wie wir aus Justinian’s Codex und Novellen sehen.

In Betreff der Diöcese Dacia war indessen eine Veränderung eingetreten. Im Anfange des fünften Jahrhunderts hatte der praefectus praetorio Illyrici die beiden Diöcesen Dacia und Macedonia unter sich (Not. dign. or. 3), und zwar erstere unmittelbar, während letzterer ein Vicarius vorgesetzt war (ib. 1). Die Unruhe der Zeit des Attila scheint die Diöcesaneintheilung des ihm unterworfenen Ländercomplexes vernichtet zu haben. Der Präfectus verlegte seinen Sitz von Sirmium nach Thessalonice, der Residenz seines Vicars, und der Episcopus dieser Stadt gewann in einem Theile der Diöcese Dacia, in einem anderen Theile derselben mit der Stadt Aquae ein thracischer Bischof (Meridianus, d. i. der von Mesembria) bischöfliche Rechte (Iustinian, Nov. II). Diese kirchenrechtliche Verbindung hob zwar Justinian wieder auf, indem er ein eigenes Erzbisthum in der neuen Stadt Prima Justinianea errichtete und ihm die Bischöfe der Provinzen Dacia mediterranea, Dacia ripensis, Prevalis, Dardania, Mysia superior und Pannonia unterordnete (Nov. 11. 131). Staatsrechtlich aber erstanden die Diöcesen Dacia und Macedonia gar nicht wieder, und bei Aufzählungen der Diöcesen in den Gesetzen der Justinianischen Sammlung werden sie unter dem gemeinschaftlichen Namen omne Illyricum aufgeführt (L. 5. Cod. Iustin. 7, 63 vom Jahre 529). Ebenso bezeichnen Procop (Goth. 3, 33. 3, 38. 4, 3) und Cedren (1, 651) die europäischen Diöcesen mit dem Namen Ίλλυριούζ τε καί Θρᾷκας. Im engeren Sinne scheint der Name Illyricum Thessalia, Hellas, Creta und die beiden Epirus nicht mit umfasst zu haben (Procop. Pers. 2, 4. Goth. 3, 29. aed. 4, 2), wohl aber die beiden Provinzen Macedonia (Chron. Pasch. 1, 630), die mit den genannten Provinzen die Diöcese Macedonia gebildet hatten.

Die Provinz Macedonia II reichte nach Hierocles im Südwesten bis zum orestischen Argos und umfasste Pelagonia (Heraclea Pelagoniae Acta conc. III, 51 vom Jahre 553), das aber nicht, wie Forbiger thut, mit Heraclea laccu in Macedonia I zu verwechseln ist.

Die Ortschaften in Dardania sind nach v. Hahn Reise von Belgrad nach Salonik angesetzt.

Die Diöcese Pontice umfasste auch die armenischen Provinzen (Iustinian. Edict. 8); doch wird Armenien auch neben Pontice genannt (Procop. Goth. 4, 13 Ποντικούς τε καὶ Άρμενίους). Justinian traf hier verschiedene Aenderungen in der Provincialabtheilung. Er vereinigte Helenopontus und Pontus Polemoniacus zu Einer Provinz, die den Namen Helenopontus erhielt (Nov. 28, cf. Nov. 20 praef. Nov. 31, 1) und Honorias mit der Provinz Paphlagonia (Nov. 29). Endlich aber theilte er die armenischen Provinzen unter Zuziehung eines Theils der neuen Provinz Helenopontus neu ein (Nov. 31).

Unter den pontischen Städten ist Colonia Karahissar und nicht Koiluhissar, wie Mordtmann (Ausland 1863, p. 478) annimmt. Es stand nämlich unter Einem Bischofe mit Nicopolis (S. Basilius, citiert von Wesseling zum Hierocles) und lag da, wo die Wege von Docea nach Theodosiopolis (Iohann. Curopal. p. 702) und von Sebastea nach Theodosiopolis (Michael Attaliota p. 147. 168) zusammentrafen. – Die Identität von Nicopolis und Enderes erhellt aus den Acta XLV. martyrum Acta SS. Iuli III. p. 46, wonach es 6 Millien von Lycus entfernt war. Die Angaben bei Forbiger sind nicht ganz richtig. – Euchaita ist an der Stelle von Tschorum angesetzt. Die Stadt gehörte zu Kaiser Anastasius’ Zeit – in dieser wurde nämlich das in der Révue archéol. X (1864), p. 108 ff. abgedruckte Pilgerbuch verfasst – zur Provinz Galatia, später zu Helenopontus. Sie war eine Tagereise von Amasea entfernt (Vita S. Theodori Tironis Acta SS. Iuni I. p. 595) und lag westlich von Gangra; denn der H. Macedonius flüchtete 516 von ihr dahin vor den durch die caspischen Pforten in Kleinasien einbrechenden sabirischen Hunnen (Cedren. 1, 633. Histor. misc. p. 102 Muratori).

Der Diöcese Asiana gehört die Stadt Sozopolis in Pisidia an. Sie lag bei Apollonias, dem heutigen Oloburlu (Menol. Gr. Iuni 19 bei Canisii Monum. III. 1. p. 442. Vita S. Zosimi in Acta SS. Iuni III. p. 813). Vielleicht gehört der Name ursprünglich der Acropole von Apollonias, deren Ruinen noch gegenwärtig hoch über Oloburlu liegen (Ritter XIX, 474), und ging später auf die Stadt über. Jedenfalls verschwindet die Stadt Apollonias aus der Geschichte mit dem Auftreten von Sozopolis. Auch in Thracia findet sich in christlicher Zeit eine Stadt Sozopolis, die früher Apollonia hiess, und dasselbe ist in Palästina und in Cyrenaica der Fall. [2] In der Diöcese Oriens richtete Justinian die Provinz Theodorias ein, die Hierocles noch nicht kennt; sie bestand bereits im Jahre 553 (Acta conc. II, 52 Hard.).

Palästina III erstreckte sich zu Hierocles’ Zeit nicht bis Aila. Justinian aber erwarb nicht bloss Aila wieder, sondern auch die Insel Iotabe (Proc. Pers. 1, 19), und im Jahre 536 wird Aila in Palästina III genannt (Acta conc. II, 1419 Hard.). Das Gebirge Sina und Raithu aber blieben ausserhalb des Reichs (Acta conc. II, 1197).

In der Diöcese Aegyptus lässt sich die neue Provinz Augusta II meines Wissens zuerst im Jahre 553 nachweisen (Acta conc. III, 52).

Ueber die arabischen Vasallenkönige vergl. zu No. II.

In Lazice ist unter dem Phasis bei Procop, wie schon bei Strabo, der untere Rion und die Quirila zu verstehen; Rheon (Proc. Goth. 4, 13. 14) ist nur der obere Rion, Hippis (Proc. Goth. 4, 1) der Zcheniszchal (d. h. Pferdefluss). Archaeopolis ist Nakolakewi (Dubois de Montpéreux Vol. III).

Was die Grenze zwischen den Gepiden und Sclavenen anbetrifft, so wohnten die Letzteren nach Procop (aed. 4, 7) im Norden des Ister, Moesia II und Scythia gegenüber, nach Iordanes (Get. 5), wenn wir dem Texte bei Closs folgen: a civitate Novietunense et lacu qui appellatur Mursianus usque ad Danastrum. Für a civitate Novietunense haben die Handschriften auch a civitate novi et unense (avense etc. cf. Closs p. 27). Zeuss p. 594 und Closs glauben, dass zu ändern sei „a civitate Noviodunense“, erstrecken somit die Sitze der Gepiden (denn Noviodunum ist = Isaktschi) fast bis zur Mündung der Donau. Die richtige Lesart ist aber wohl a Civitate nova et Utense. Letzteres ist das auch bei Procop (aed. 4, 6) erwähnte Utos oder Utus, Civitas nova aber = Novae (j. Szistova), s. Forbiger III, 1096. Der an der Westgrenze der Sclavenen gelegene lacus Mursianus würde dann den zwischen Nicopolis (j. Nicopoli) und Novae im Norden der Donau gelegenen Sümpfen entsprechen, und die Vermuthung von Closs, dass bei Iordanes an der angeführten Stelle die Gepiden nach richtiger Lesart „ab eoo fluvius Aluta dissecat“, die zu der sachlichen Erklärung desselben gar nicht passt, eine neue Stütze erhalten. Iordanes scheint sich übrigens die walachische Ebene gleich im Osten der Aluta geschlossen und die Aluta einem östlichen Puncte von Moesia II gegenüber mündend vorzustellen. Er bemerkt nämlich, dass die Gepiden die ganze Ebene inne haben und Moesia gegenüber wohnen (l. l. u. 12).