Testament des Adam

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Titel: Testament des Adam
Untertitel:
aus: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel S. 1084–1090, S. 1332
Herausgeber: Paul Rießler
Auflage:
Entstehungsdatum: 4. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Dr. B. Filser
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Erscheinungsort: Augsburg
Übersetzer: Paul Rießler
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
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55. Testament des Adam


Das Testament unseres ersten Vaters Adam


1. Kapitel: Stunden der Nacht
1
Erste Stunde der Nacht.

Dies ist für die Dämonen die Stunde der Anbetung.
Während der ganzen Zeit währt ihre Anbetung;
sie hören auf, Böses zu tun und den Menschen zu schaden,
weil die verborgene Kraft des Weltenschöpfers sie daran hindert.

2
Zweite Stunde.

Dies ist für die Fische die Stunde der Anbetung
und für alle Reptile, die in dem Meer sind.

3
Dritte Stunde.

Anbetung für die unteren Abgründe
und für das Licht, das in den Abgründen ist,
und für das untere Licht, das der Mensch nicht erforschen kann.

4
Vierte Stunde.

Das Dreimalheilig der Seraphim.
Vor meinem Sündenfall hörte ich, mein Sohn, zu dieser Stunde
das Getöse ihrer Flügel im Paradies;
denn die Seraphim hatten die Gepflogenheit,
mit den Flügeln zu schlagen,
wobei sich ein harmonischer Ton
in dem ihrer Verehrung geweihten Tempel ergab.
Aber nachdem ich gesündigt
und Gottes Gebot übertreten hatte,
konnte ich sie nicht mehr sehen, noch ihr Getöse vernehmen,
so wie es gerecht war.

5
Fünfte Stunde.

Anbetung für die Gewässer oberhalb der Himmel.
In dieser Stunde, mein Sohn Seth, hörten wir, ich und die Engel,
das Getöse der großen Wogen,
die ihre Stimme erhoben, um Gott zu verherrlichen
wegen des verborgenen Zeichens Gottes, der sie bewegt.

6
Sechste Stunde.

Ansammlung von Wolken
und ein großer heiliger Schrecken,
der die Mitte der Nacht anzeigt.

7
Siebte Stunde.

Ruhe für die Mächte und alle Geschöpfe,
indessen die Gewässer schlafen.
Nimmt man zu dieser Stunde Wasser,
das der Priester Gottes mit heiligem Öl mischt,
und salbt man mit diesem Öl die Leidenden und Schlaflosen,
dann werden sie geheilt.

8
Achte Stunde.

Danksagungen, Gott dargebracht
für das Wachstum der Kräuter und Samen,
in dem Augenblick, wo der Himmelstau auf sie fällt.

9
Neunte Stunde.

Dienst der Engel, die vor dem Thron der Majestät stehen.

10
Zehnte Stunde.

Anbetung für die Menschen.
Die Himmelspforte öffnet sich,
um die Gebete aller Lebenden einzulassen.
Diese werfen sich nieder;
dann gehen sie weg.
In dieser Stunde wird alles, was der Mensch von Gott erfleht,
ihm gewährt,
in dem Augenblick, wo die Seraphim mit den Flügeln schlagen
und wo der Hahn kräht.

11
Elfte Stunde.

Große Freude auf der ganzen Erde
in dem Augenblick,
wo die Sonne aus dem Paradies des lebendigen Gottes
über die Schöpfung aufgeht und sich über das Weltall erhebt.

12
Zwölfte Stunde.

Gespanntes und tiefes Schweigen
bei allen Ordnungen der Lichter und Geister,
bis die Priester Wohlgerüche vor Gott gebracht haben;
hernach trennen sich alle Ordnungen und alle Mächte des Himmels.
Dies gilt für die Stunden der Nacht.


2. Kapitel: Stunden des Tags
1
Erste Stunde des Tages.

Gebet der himmlischen Wesen.

2
Zweite Stunde.

Gebet der Engel.

3
Dritte Stunde.

Anbetung der Vögel.

4
Vierte Stunde.

Anbetung der irdischen Tiere.

5
Fünfte Stunde.

Anbetung der Wesen oberhalb der Himmel.

6
Sechste Stunde.

Anbetung der Cherubim,
die für die Sünden der Menschen beten.

7
Siebte Stunde.

Eintritt und Abgang vor Gott.
Die Gebete aller Lebewesen treten ein,
werfen sich nieder und gehen weg.

8
Achte Stunde.

Anbetung des Lichtes und der Gewässer.

9
Neunte Stunde.

Gebet der Engel,
die vor dem Thron der Majestät stehen.

10
Zehnte Stunde.

Besichtigung der Gewässer.
Der Heilige Geist steigt herab
und schwebt über den Gewässern und den Quellen.
Und wenn der Geist des Herrn nicht herabstiege
und nicht so über den Gewässern und Quellen schwebte,
dann wäre das Menschengeschlecht verloren
und die Dämonen würden in einem Augenblick
alle, die sie wollten, vernichten.
Und wenn man zu dieser Stunde Wasser nimmt
und wenn es der Priester Gottes mit heiligen Öl mischt
und wenn man damit die Kranken salbt,
dann erlangen diese augenblicklich die Gesundheit.

11
Elfte Stunde.

Freude und Verzückung der Gerechten

12
Zwölfte Stunde oder Abendstunde.

Gebet der Menschen zu dem gütigen Willen
der vor Gott, dem Herrn aller Dinge, weilt. –


3. Kapitel: Vom Messias
1
Adam sprach zu seinem Sohne Seth:

Du weißt, mein Sohn Seth,
daß Gott vom Himmel auf die Erde
am Ende der Zeiten herabsteigen wird,
daß er aus einer Jungfrau geboren wird,
sich mit einem Körper bekleidet,
wie ein Mensch zur Welt kommt,
aufwächst wie ein gewöhnliches Kind,

2
daß er Zeichen und große Wunder tut,

wandelt er doch auf dem Meer wie auf einem Fußboden
befiehlt den Winden und stillt sie,
macht Wogen durch ein Zeichen schweigen,
öffnet den Blinden die Augen,
reinigt die Aussätzigen,
gibt den Tauben das Gehör,
den Stummen die Sprache wieder,

macht die Höckerigen gerade,
festigt die Glieder der Gichtbrüchigen

3
findet, was verloren war,

vertreibt die Dämonen,
befreit die Besessenen,
erweckt die Toten,
entreißt dem Grab die Begrabenen.

4
Er war es, der Messias, der mir im Paradiese sagte:

Du hast von der Frucht genommen,
die den Tod in sich barg.
Und er fügte bei:
Adam, Adam! Habe keine Furcht!
Du wolltest Gott sein;
ich mache dich zu Gott,
allerdings nicht jetzt,
sondern erst nach Verlauf einer großen Zahl von Jahren.

5
Ich überliefere deinen Körper dem Tod;

Würmer und Fäulnis werden deine Gebeine verzehren
Ich fragte ihn: Warum, Herr?

6
Er sprach zu mir:

Weil du dein Ohr dem Wort der Schlange liehest,
so wirst du samt deinen Nachkommen
ein Fraß der Schlange werden.

7
Aber bald darauf offenbart sich meine Barmherzigkeit an dir;

denn ich schuf dich nach meinem Bild,
und ich dulde es nicht,
daß du in der Unterwelt verbleibst.

8
Dir zulieb werde ich aus der Jungfrau Maria geboren;

dir zulieb verkoste ich den Tod
und gehe ich in das Haus der Toten.

9
Für dich schaffe ich eine neue Erde und einen neuen Himmel

und gebe die Herrschaft darüber deinen Kindern.

10
Nach drei Tagen Grabesruhe

nehme ich wieder den Leib zurück,
den ich von dir angenommen habe.

11
Dann fahre ich zum Himmel auf

und lasse ihn dort zur Rechten meiner Gottheit sitzen,
und ich mache dich zu Gott
wie du es gewollt hast.

12
Und ich teile dir meine Gaben mit

und lehre dich und deine Kinder,
daß es eine Gerechtigkeit im Himmel gibt. –

13
Ich Seth, fragte meinen Vater Adam:

Wie heißt die Frucht, wovon du aßest?

14
Er sagte: Es war ein Feigenbaum, mein Sohn.

Die Pforte, wodurch der Tod über mich und meine Kinder kam,
ist die gleiche, wodurch das Leben für mich und meine Kinder kommt.
Denn unser Herr wird Mensch werden

und am Ende der Zeiten
einen Leib aus einer heiligen Jungfrau annehmen. –

15
Du hast gehört, mein Sohn Seth,

daß eine Sintflut kommt
die die ganze Erde abwascht
wegen der Sünde der Töchter Kains,
der, aus Eifersucht auf deine Schwester Lebora,
deinen Bruder Abel totschlug.

16
Denn infolge der Sünde deiner Mutter Eva

sind sie als Sünder zur Welt gekommen.

17
Und nach der Sintflut dauert diese Welt noch 2000 Jahre;

hernach kommt das Ende dieser Welt.

18
Und ich, Seth, schrieb dieses Testament,

und nach dem Tod meines Vaters Adam
begruben wir ihn, ich und mein Bruder
im Osten des Paradieses
gegenüber der Henochstadt,
der ersten, die auf Erden gebaut ward.

19
Und die Engel und die Himmelsmächte

begingen selbst sein Leichenbegängnis,
weil er nach Gottes Bild geschaffen war.

20
Und die Sonne und der Mond verfinsterten sich.

und die Finsternis dauerte sieben Tage.
Und wir versiegelten dieses Testament
und legten es in die Schatzhöhle nieder,
wo es bis auf diesen Tag verblieb
samt den Schätzen,
die Adam aus dem Paradiese mitgebracht hatte,
Gold, Myrrhen und Weihrauch.

21
Und die Söhne der königlichen Magier werden kommen,

sie holen und dem Gottessohn darbringen
in der Höhle von Bethlehem in Juda.

22
Ende des Testaments unseres Vaters Adam.


4. Kapitel: Die himmlischen Mächte
1
Noch etwas vom Testament unseres Vaters Adam.
2
Wie ist die Natur der himmlischen Mächte beschaffen?

Welches sind die Dienstleistungen und Aufgaben,
die der Allmächtige ihnen für die Leitung dieser Welt übertrug?

3
Hört es, meine Freunde!
4
Diese Wesen bilden verschiedene Ordnungen,

wovon die einen unter den andern stehen
bis auf den,
der unmittelbar durch Jesus Christus getragen und bewegt wird.

5
Die unterste Ordnung ist die der Engel.

Die Aufgabe, die ihnen durch Gott anvertraut ist,
besteht in der Überwachung der einzelnen Menschen.

6
Jedem der auf dieser Welt lebenden Menschen

ist zu seinem Schutz ein Engel dieser untern Ordnung beigegeben.
Dies ist ihr Amt.

7
Die zweite Ordnung ist die der Erzengel.

Ihre Aufgabe besteht darin,
daß sie auf Gottes Befehl alle Wesen leben machen.

8
Alles, was in der Schöpfung vorhanden ist,

seien es Landtiere oder Flügeltiere
oder Kriechtiere oder Fische,
mit einem Wort, alles, was in der Welt ist,
mit Ausnahme der Menschen,
ist ihrer Sorge und Leitung anvertraut.

9
Die dritte Ordnung ist die der Fürstentümer.

Ihre Aufgabe besteht darin, sich an die Orte zu begeben,
wo die Wolken von den Enden der Erde aufsteigen,
nach dem Wort des Propheten David,
und den Regen auf die Erde fallen zu lassen.
Alle Änderungen der Luft, Regen, Schnee, Hagel,
Staub- und Blutregen, sind von ihnen veranlaßt.
Ihnen gehören auch die Donnerschläge und die Blitze an.

10
Die vierte Ordnung ist die der Mächte.

Ihre Aufgabe ist die Leitung der Lichtkörper,
wie die der Sonne, des Mondes und der Sterne.

11
Die fünfte Ordnung ist die der Kräfte.

Ihre Aufgabe besteht darin, daß sie die Dämonen hindern,
die Gottesschöpfung, aus Neid auf die Menschen, zu zerstören.

12
Denn wäre es dem verfluchten Geschlecht der Dämonen gestattet,

ihren Willen eine Stunde lang zu verwirklichen,
dann würden sie in einem Augenblick die ganze Schöpfung umkehren,
wenn nicht, sage ich, Gottes Macht über sie wachte,
und wenn sie nicht über sie Wächter gesetzt hätte,
die sie an der Ausführung des Bösen, das sie erstreben, hindern.

13
Die sechste Ordnung ist die der Herrschaften.

Ihr Amt besteht in der Aufsicht über die Königreiche.
In ihren Händen liegt Sieg oder Niederlage,

14
wie man dies am König von Assyrien sieht.

Als er gegen Jerusalem zog,
stieg der Engel herab,
zerstreute sein ruchloses Heer

15
und vernichtete in einem Augenblick 185 000 Mann.

Der heilige Prophet Zacharias sah gleichfalls einen Engel,
der einem Mann auf einer roten Stute glich,
und der im Schatten einer Baumgruppe stand,
hinter ihm weiße und rote Pferde,
worauf Engel mit Schwertern in den Händen saßen.

16
Judas, der Makkabäer, sah gleichfalls auf einem roten Roß

einen Engel, der in der Hand einen goldenen Degen trug.

17
Als das Heer des gottlosen Antiochus diesen Engel sah,

ergriff es vor ihm die Flucht.

18
Alle Siege und Niederlagen entschieden sie

im Zeichen des lebendigen Gottes
der ihnen die Obsorge über den Krieg anvertraut hat.

19
Die andern Ordnungen sind die der Throne,

der Seraphim und der Cherubim.
Diese sind es, die vor der Majestät unseres Herrn Jesus Christus stehen;
sie üben den Throndienst aus
und bringen ihm zu jeder Stunde ihre Verehrung und ihre Opfer dar.

20
Die Cherubim tragen voll Ehrfurcht den Thron

und halten das Siegel.

21
Die Seraphim üben den Kammerdienst bei unserm Herrn aus.
22
Die Throne stehen an der Pforte des Allerheiligsten.
23
Dies ist in Wahrheit die Einteilung der Ämter,

die den Engeln, die die Leitung dieser Welt haben anvertraut sind.

24
Wir haben das Testament unseres Vaters Adam

mit Hilfe des Herrn zu Ende geschrieben.

Erläuterungen

[1332]
55. Zum Testament Adams

Diese Schrift heißt auch „Apokalypse Adams“ und „Buße Adams“. Sie zerfällt in mehrere Teile. Vielleicht gehören die „Stunden der Nacht“ der Apokalypse an und die anderen dem Testament. Die Schrift berührt sich mit der „Schatzhöhle“; sie steht auch den Kreisen der Sabier und der Elchasaiten nahe. Bis jetzt liegt sie in syrischen, arabischen und griechischen Fragmenten vor (s. Journal Asiatique Cinq. série II 1853, 427 ff Commons. E. Renan, Fragments du livre gnostique Google. Texts and studies II 3 M. R. James. Apocrypha anecdota 1893, 138 ff IA).

Die Unterscheidung des 1. und des 2. Adam findet sich auch 1 Kor 15, 45 ff.

  • 1: 1 Die Stundeneinteilung stützt sich auf Hygin, Fabulae 183. 7 Die koptischen Apostolischen Konstitutionen kennen eine ähnliche Zeremonie, die zur Stunde des Hahnenschreies vollzogen wird. 8 Vor Sonnenaufgang. Das Gebet um diese Tageszeit war essenische Gepflogenheit (Jos. B. J. II 8, 5 „Bevor die Sonne aufgeht, sprechen sie ... gewisse von den Vorfahren ererbte Gebete“.) 10 „Diese“ die Gebete s. 2, 7. 11 Essenische Sitte war es, Gebete an die Sonne zu richten, wodurch sie sie gleichsam anflehten, sie möge aufgehen (Jos. B. J. II 8, 5). 12 Die Himmel geben ein Beispiel den Menschen, daß auch diese sich an ihre Arbeitsplätze begeben sollen wie die Essener es taten (Jos. B. J. II 8, 5, „Darauf gehen sie, von den Verwaltern entlassen, jeder zu seinen Arbeiten“).
  • 2: 10 vgl. Philosophumena p. 214. „Ich beschwöre den Himmel, das Wasser, die heiligen Geister, die Engel des Gebets, das Öl, das Meer und die Erde“.
  • 3: 1–12 christlichen Ursprungs. 14 „Die Pforte“ ist die menschliche Geburt. Ebenfalls christlich. 15 Gen 6, 1 ff. Lebora oder Lebuda (Schatzhöhle 5, 21) war die Zwillingsschwester Kains, Kelimat die des Abel. Kain sollte Kelimat heiraten; er wollte es aber nicht, weil seine eigene Schwester viel schöner war (5, 22), und so tötete er den Abel wegen Lebuda (5, 27) und wegen der Nichtannahme seines Opfers. 18 s. Gen 4, 17.
  • 4: 2 Das erinnert an die Hierarchia coelestis des Dionysius Areopagita. 9 s. Ps 135, 7 (Peschito). 13 An König Sanherib (2 Kg 19, 35). 15 Zach 1, 8. 16 s. 2 Mak 10, 29 f.