Thespesius (Meyer)

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Textdaten
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Autor: Conrad Ferdinand Meyer
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Titel: Thespesius
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 193-194.
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von H. Haessel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
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[193]

Thespesius.

Zwei Greise ruhten unter einer Pinie,
Stab neben Stab, an einer Quelle klarer Flut,
Wo wandernd sie begegnet sich von ungefähr.
Sie führten Zwiegespräch und sie behagten sich.

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– „Man nennt mich Eukrates, und wer, mein Freund, bist du?“

– „Mich nannten Aridaeus lange Jahre sie,
Seit langen Jahren bin ich nun Thespesius.“
– „Zwei Namen trugst du?“ – „Beide Namen, Eukrates.
Hör’ an! Ein Jüngling, peitscht’ ich rasend das Gespann.

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Die Rosse flogen. Becher, Buhlen, Würfelspiel,

Wuth, Zorn, vergossen Blut – verklagend Blut!
Dem ich entfloh, die Eumeniden hinter mir –
Sie folgten meiner raschen Füße schnellstem Lauf,
Ich warf mich in den Fluß, sie sprangen jauchzend nach

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Und hoben schwimmend ihrer Fackeln düstre Glut.

Ich klomm bergan – verirrt stürzt’ ich von einer Wand –
Die Sinne schwanden mir. Dann lebt’ ich wieder – war’s
Im Traum? – und schritt auf einem weichen Wiesengrün,
Wo Sel’ge – solche schienen sie – lustwandelten

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In still bewegten Schaaren. Kränze trugen sie.

Den Einen kannt’ ich wohl und ward von ihm erkannt:
Mein Blutsverwandter, welcher jüngst geschwunden war
Aus dieser Erde Staub nach einem reinen Lauf.

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Der sprach mich an: „Ich grüße dich, Thespesius!“ –
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„Wozu der neue Name, wundersamer Ohm?

Wie nennst du mich? Dein Aridaeus bin ich ja!“
Die Locken schüttelt’ leis er, die ambrosischen:
„Und abermals, ich grüße dich, Thespesius!“ –
Jetzt wacht’ ich wirklich auf. Am Hange lag

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Ich blutbedeckt, von gier’gen Raben schon umschwärmt –

Was mehr? Ich ward ein Andrer. Nicht mit kleinem Kampf!
Der Kampf ist groß! Mein neuer Name stärkte mich,
Der makellose, der so rein und göttlich klang!
Hab’ gute Fahrt!“ – „Fahr' wohl auch du, Thespesius!“