Topographia Alsatiae: Freyburg

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Topographia Germaniae
Freyburg (heute: Freiburg im Breisgau)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643/44, S. 18–20.
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[18]
Freyburg /

Im Breißgäu ist etwan ein herrlich Dorff

[T16]
Freiburg Merian.jpg

[19] gewesen / so hiebevor von viele der BergLeuten / und Ertz-Knappen derselbigen Gegend erbauet worden. Dann ein Meil Wegs von Breysach vor Zeiten ein gut Bergwerck gewesen / dessen Einkommen dieses Orts / auch desselben Klöster und Kirchen / meistentheils geholffen hat. Ed wurden Bürger auch also reich / daß sie sich Adlen liessen / und viel vom Adel zu ihnen sich begaben / und es daher dazukommen / auch lange Zeut also gehalten worden / daß allwegen da zwölff Ritter in den Raht giengen. Er vermochte auch dazumal Freyburg dreytausend Mann ins Feld. Und seyn noch innerhalb / und nächst umb die Stadt vierzehn Manns- und Frauen- Klöster / ohne S. Johanns / S. Anthonii / und der Teutschen-Herren-Hauß. Hertzog Bertold zu Zäringen / von etlichen der Ander / von andern aber der Dritte genandt / hat sie ümbs Jahr Christi 1120. zu einer Stadt gemacht / bevestiget und befreyt / wie die Verß lauten:

Anno milleno, centeno, bis quoque deno,
friburg fundator, Berchtoldus Dux dominatur.

Nach der Hertzogen von Zäringen Abgang im Anno 1218. kam diese Stadt / sampt dem Breißgäu / an deß letzten Hertzogen von Zäringen / Berchtoldi V. Schwester / Agnesen / Graff Egons von Fürstenberg Gemahlin / bey welchem Geschlecht auch diese Stadt hernach verblieben / biß sie Anno 1366. oder 1367. mit ihrem Graff Egon in Krieg geriehte / auch ihme erstlich hart geschlagen worden / daß der Bürger über tausend geblieben seyn; folgends aber durch Unterhandlung deß Bischoffs zu Constanz / auch etlicher zu Straßburg und Basel / der Krieg geschlichtet worden / daß der Graff mit 12000. Gulden / /darfür er die Herrschaft Badeweiler gekaufft) sich abweisen lassen / und die Vogtey Freyburg ( wie mans nennet ) seinen Vettern / den Fürsten von Oesterreich / deen sich noch underworffen / übergeben hat. Und wird das Jahr 1386. gesetzt[WS 1] / darinn diese Stadt au Haus Oesterreich kommen ist, Es ist diese Stadt wegen vier Stück sonderlich berühmbt:

Erstlich wegen der obgedachten Gottes Häuser; darunter das herrliche Münster / oder Haupt-Kirchen ist / so einen prächtigen Thurm hat / welcher mit sonderlicher Kunst / von Grund auff / biß an den höchsten Gipffel geführet / mit eitel Quader - und gebildeten Steinen gebauet und gezieret ist; deßgleichen man / nach dem Thurm zu Straßburg / in Teutschland nicht finden solle. Es ligen in der Kirchen obgedachter letztt Hertzog von Zäringen / Berchtoldus V. und ie folgende Graffen von Freyburg: Item / neben dem Chor / in underschiedlichen Grufften / die Professores der Hohen-Schu / und der berühmte Jurist Ulircus Zasius in einer Capellen / und gegen über Henricus Glareanus, deren jener Anno 1535. dieser aber Anno 1563. gestorben. Es machen diese Kirch auch das Grab Christi / und vor demselben der Oelberg: Item / das schöne gross Portail, oder Pforte; die uwo Orgeln;und die schöne Altär / als der Käyser Caroli V. Ferdinandi I. und Maximiliani, wie auch die seine Capellen / desto zierlich - und ansehenlicher. Uns seyn verwichener Zeit allda zweyerley Domherren gewesen / nämlich / die Freyburgisch- und die Baßlerische so sich / nach der Reformation / hieher begeben haben. In der Prediger und Barfüsser seyn auch viel Epitaphia. Die Jesuiter haben da auch ein Collegium und Kirche; wi ingleichem die Capuciner eine Kloster haben.

Zum andern ist diese Stadt berühmbt / wegen der Hohen-Schul / oder Universität / welche Hertzog Albertus zu Oestereich Anno 1450. fundirt hat. deßwegen es mit den Jesuiten der Jurisdiction halber / zu Streit und Disputat bißweilen gerathen ist. Jedoch haben die Jesuiter Theologicam und Philisiphicam Facultates erhalten / und seyn deßwegen deren etliche der Universitaet inferirt; Juridicam und Medicam aber haben die andere alte Professores Medicam behalten; welcher Collegium schön und groß / daran die Jesuiterische / und Philosophsche / Lycaeum genandt / besonders. Die Sapien ist ein Seminarium, oder Stipendiaten Hauß / ein schönes Collegium, vor allerley Facultäten gestifftet. Die Theologi haben vor diesem in der Kirchen gelesen.

Der dritte Ruhm dieser Stadt ( so der Eingang in den Schwartzwald ist / und allda es auch eine feines Raht - und Kauffhauß hat) ist / wegen deß herrlichen durch die gantze Stadt lauffenden Wässerlein / und Bächlein / von frischem Brunnen-Wasser / so über Winter nicht gefrieret. Es gleust auch neben der Stadt hin ein gar Fischreiches Wasser / die Triesen genandt / so nicht fern vom Ursprung der Thonau entstehet.

Und zum Vierdten / die sonderliche Polier-kunst daselbst / mit allerley Steinen / und Polier Mühlen / von Cristall / Granaten / Jaspis / Corallen / Cacedonier / ( so in Lothringen gegraben werden ) und andern Edlen-Gesteinen.

Anno 1545. ist allhie die löbliche Gesellschafft zum Ritter angeordnet worden / in welche sich Graff Conrad zu Tübingen; Ludwig Frey-Herr zu Stauffen; Johann Christoph / und Antonius Frey-Herrn von Falckenstein; David von Stain / Lucas von Reischach / Johann Ulrich von Stadion / und andere gethan. Anno 1632. den 19. Decembris alten Calenders / hat sich auch diese Stadt / ohne geschlossenen Accord / in Schwedische Devotion begeben / und den Feld-Marschall / Gustav Horn / eingelassen / und ward ihr dreissig tausend Gulden zugeben aufferlegt. Als sie nachmals von den Käyserischen wieder einbekommen worden / haben sie den 1. Aprilis Anno 1634. die Schwedischen wieder erobert; und hat sie damahln / und folgender Zeit / viel Hunger / Kummer / und Sterben erlitten / auch ist die durch diesen Krieg / fast in das eusserste Verderben gesetzt: und Anno 1638 abermahls von den Schwedischen / under Hertzog Bernharden von Sachsen / belägert / und erobert worden: Gerhardus de Roo lib. 3. Annal. Austriac. Munsterus lib. 5. Cosmograph. cap. 220. Crusius [20] in Annal. Suevor. Martinus Zeiller in Itinerario Germaniae, part. 1. & 2. Relationes, und geschriebene Verzeichnüssen. Als hernach im Jahr 1644. die Chur-Bäyerischen diese Stadt belägerten / so griff zwar der Frantzösisch Feld-Marschall von Touraine, den 27. Junii, Sie / aber nicht ernstlich / an: daher die Stadt/ nach eilff Stürm / am 18. 28. Juii, an Sie / die Bäyerische / mit Accord übergangen; nach dem der Obrist Ludwig Friderich von Kanoffsky / gewester Commandant allda / hundert Centner Pulvers verschossen gehabt. Es blieben aber die Bayerischen noch länger allda ligen; deßwegen gedachter Feld-Marschall / mit dem erst angekommenen Hertzogen von Anguien, den 4. Augusti, wieder auff Sie loß gegangen / un den Burghalterberg gantz gefährlich gestürmet hat; und geschah hernach / den 5. diß / das treffen / darinn der Franzosen / von 5. in 6. tausend geblieben / und verwundet worden; gleichwohl Sie das Feld erhalten haben. Der Bayerischen kamen bey 1200. umb / und damit auch der General Caspar Mercy; wie Georg Engelfuß / part. 2. Weymarischen Feld-Zugs berichtet. Siehe aber auch von socher letzten Beläg: und Eroberung; Item von dem gedachten Treffen / und der Bäyerischen Abzug / den 5. theil des Theatri Europiae; allda underschiedlicher Bericht hievon zu finden: und thue darzu die Franckfurtische Herbst-Relation / deß besagten 44. Jahrs / pagin. 79. seqq. Es nahm hernach die Seuch / wegen deß gestancks / in Freyburg / gewaltig überhand.

Ein halbe Meil under Freyburg ligt / auff einem Berg / ein zerbrochen Schloß / das hat Zäringen geheissen; von dem die Hertzogen von Zäringen / vor Zeiten / ihren Namen haben gehabt. Es soll dieses Hertzogthumb under Käyser Heinrichen dem Dritten / oder etliche Jahr vor Ihm / entstanden seyn / und ist mächtig gewesen; und seyn / durch diese Hertzogen / viel Städt / Schlösser / und Klöster / erbauet worden; davon Munsterus weitläufftig handelt.


Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

  1. Laut Heinrich Schreiber (Google) und dem Bauten-Buch war dies bereits 1368 geschehen.