Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Glatz

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Topographia Germaniae
Glatz (heute: Kłodzko)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 31–33.
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Glatz (Merian).jpg
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Glatz.

Diese Stadt liget 21. Meilen von Prag / und 18. von Olmütz an der Neisse / so in der Grafschafft Glatz entspringet / welche zwar dem Königreich Böheim besonders einverleibt / daher sie auch von uns hieher gesetzt wird / ligt aber an den Gräntzen deß Böhmer-Lands / nemlich an den Montibus Sudetis, und machet mit dem Lande herum ein besondere Grafschafft; welche gegen Abend an Böheim / gegen Mittag an Mähren / und gegen Morgen und Mitternacht an Schlesien stösset / und gleichsam mitten zwischen diesen Ländern ligen thut. Die Marsigni haben vorzeiten hierum gewohnet / als damalen diese Stadt Luca geheissen haben solle. Nachdem aber / bey Regierung Käiser Heinrichs deß Ersten / die Ungarn herumb geschlagen worden / und der Käiser ihrer Obersten einen / Glozar genant / an einen Baum hencken lassen / so soll von ihm dieser Ort / so selbiger Zeit noch ein Marcktflecken / und heydnisch gewesen / Glotz seyn genant / derselbige zur Stadt gemacht / und zum Christlichen Glauben gebracht worden seyn. Es wollen gleichwol andere den Namen à glacie, vom Eiß / und glatt seyn / herführen; weilen es im Winter / indem die Stadt sehr bergicht ligt / da gar glatt und gefährlich zu gehen ist. Andere bringen den Namen her à Calvitie, vom Glatz / weilen sie zwischen Bergen und Wald gelegen / sonderlich weil der Berg hinder dem alten Schloß / ein kaler Platz solle gewesen seyn. Etliche wollen / der Name komme her von den Galatis: Etliche schreiben darfür Klotz / weilen an dem Ort / wo jetzt die Stadt stehet / ein lauter Wald gewesen; und man bey der Außreutung / mitten auff dem Marckt / einen grossen eichen Klotz oder Stamm stehen lassen / dabey die Leute feil gehabt. Und diese Herführung deß Namens gefällt dem M. Georgio Aelurio, oder Katschker / in seiner Anno 1625. in den Druck gegebenen Glatzischen Chronick / am besten; wie dann dieses Wahrzeichen auch unter dem Böhmischen Thor / und am Rahthauß zu Glatz / zu sehen. Melchior Goldastus, in seinem Buch von dem Königreich Böheim / schreibet / lib. 1. cap. 15. daß Glatz von den Polen Closcum, von den Böheim Gloczium, und von andern Slaven / oder Wenden / Cozlium, genant werde. Sie wolle eine auß denen / dem Königreich Böheim incorporirten Provintzen / so ihr besonders Recht / und Freyheit / haben / seyn: wie sie dann ihren eigenen Königlichen Hauptmann / wie andere einverleibte Länder / hat. Und sagen die Glazianer / daß diese Grafschafft / vorzeiten unter dem H. Römischen Reich Teutscher Nation ohnmittelbar gewesen / und erst / nach Abgang deß Gräflichen Geschlechts / an die Hertzogen und Könige in Böheim / auß Begnadigung der Teutschen Käyser / oder Könige / von denen es zu Lehen gehe / kommen: Es seye in dem gantzen Königreich Böheim kein andere Herrschafft / welche Grafen Titul / und Würde / ausser dieser Grafschafft Glatz / habe. Dann die Egrische / Elnbogische / und Passaunische der Herren Schlicken (so von Käyser Sigismund auff dem Reichstag zu Costantz uffgericht) ausser Böheim / uffm Teutschen Boden / gelegen seyen. Das Fürstenthum Rosenberg war von Käiser Rudolpho II. nur auff die Person gewidmet / und ist mit der Person außgestorben / und niemals in die Landtafel gebracht worden; weilen die Böhmen damaln in ihrem Königreich über den Freyherrn-Stande / keinen höhern erkanten / noch ihnen vom Käiser / oder ihrem König / aufftringen liessen; welches vor Jahren der Burggraff zu Meissen / Graf auff Hartenstein / und neulich Sigismund Bathori / und obgedachter von Rosenberg / erfahren haben. Obgemeldter Aelurius sagt / als Glatz eine ziemlich Zeit unter dem Römischen Reich gewesen / so hätten folgends diese Stadt / sampt dem Ländlein / die Polen zu sich gerissen / denen es die Böhmen wieder abgenommen / wie sie dann den Böhmen allbereit in den Jahren 1074. und 1114. zugehört habe. Nachmals kame solche Grafschafft an die Schlesische Hertzogen / bald wieder an Böheim / und dann wieder an Schlesien / biß zun Zeiten Käiser Carls deß Vierten / sie wieder an Böheim gelangt / und bey solcher Cron / biß auff König Georgen / blieben / welcher die [32] Städte Glatz / Münsterberg und Franckenstein / seinen Söhnen geben / die auch Käiser Friederich der Vierte zu Hertzogen zu Münsterberg / und Grafen zu Glatz gemacht / und solche Ubergab bestätiget hat / so umbs Jahr 1463. geschehen seyn solle. Anno 1500. verkaufften die Hertzogen von Münsterberg / und Grafen zu Glatz gemacht / und solche Ubergab bestätiget hat / so umbs Jahr 1463. geschehen seyn solle. Anno 1500. verkaufften die Hertzogen von Münsterberg diese Graffschafft Glatz dem Graf Ulrichen von Hardegg; dessen Nachkommen sie Käiser Ferdinand der Erste Anno 1537. wieder abkauffte / und dem Herrn von Bernstein versetzte / von deme sie Anno 49. an Hertzog Ernsten in Bäyern / und / nach seinem Tode / im Jahr 1560. wieder an Böheim kam; welche aber Käiser Ferdinand der Ander Anno 1623. seinem Herrn Brudern / Ertzhertzoog Carln zu Oesterreich / etc. zu besitzen eingeraumt. Weme sie aber folgends / nach Ihr. Durchhl. Tod / worden / oder ob sie wieder an Böheim gäntzlich gefallen / das können wir noch zur Zeit nit eigendlich wissen: wiewol im neuen Meterano part. 3. lib. 39. fol. 185. b. stehet / daß Ihre Käiserl. Majestät solche Stadt und Graffschafft dem Ertz-Hertzog Leopoldo erblich geschenckt habe. Es solle diese Graffschafft / darinnen die Teutsche Sprach gebraucht wird / im Umbkräiß 24. in der Länge 8. und in der Breite an etlichen Orten 5. Meilen haben. Hat 9. Städtlein / nemlich Havelswerd / Neurode oder Neurath (allda Anno 1622. die außgefallene Glatzer alles todtgeschlagen / und das Städtlein in Brand gesteckt haben; wie obgedachter Meteranus berichtet: andere aber solches von Beurath schreiben) Winschelburg / Mittelwalde / Reinertz / Lewin / Landeck / Beurath / und Wilhelmsthal oder Neustätl / und mehr als 100. Dörffer. Es seyn auch in dieser Grafschafft 12. Sauer-Bronnen. Man findet da Eisen / Steinkohlen / Silber-Bergwerck / viel Holtz / Wild / Steinbrüch / Vieh und gute Butter / auch Adler in den Gebürgen: und solle vor diesem deß Königs in Böheim Einkommen / davon jährlich vierzigtausend Thaler ertragen haben. Die Hauptstadt Glatz selbsten ist ein hübscher Ort / und hat feine Vorstädte / auch ein schönes Rathhauß / und sonderlich ein sehr festes Berg-Schloß. Obbesagter Aelurius schreibet / am Ende deß andern Buchs / viel von der heydnischen Jungfrauen / deren schön gelbes Haar / an einem eisernen Nagel in der Wand hangende / in dem heydnischen Kirchlein / auff dem gedachten Schloß / gezeiget werde; von der auch Michael Heberer / in seinem Räiß-Buch / am 535. Blat / zu lesen. Die Religion war vorhin allhie / und auff dem Lande / gemischt: wie dann auch in der Stadt Glatz die Probstey / oder das Thumbstifft / (so der erste Ertzbischoff von Prag Ernestus allda angeordnet hat) allezeit Römisch-Catholisch geblieben / und Anno 1597. vom Probst / Christoph Kirmisern / den Jesuiten / mit Bewilligung deß Ertzbischoffs zu Prag / verkaufft worden; welche Jesuiter An. 1618. die Böhmische Stände allda außgeschafft haben; die aber An. 1622. wieder dahin kommen seyn; wiewol solches Stifft / zu unser lieben Frauen auffm Berg genant / (so unter dem Schloß gelegen / und in welchem von der ersten Stifftung an / Canonici Regulares Augustiner Ordens gewesen) An. 1620. und 22. durch die Soldaten / und das Feuer / fast gantz zerstört / und die Kirch zu einem Roß-Stall gemacht worden / auch die herrliche Bibliothec mitauffgangen ist. Daher es / ohne Zweifel / auch geschehen / daß Ihre Käiserl. Majest. den besagten Jesuitern allhie / viel geschenckt / und noch darzu Anno 1626. auß den confiscirten Gütern / zu Vollführung ihres Gebäues / zwölff tausend Böhmische Thaler überlassen hat. Die Pfarrkirche / in welcher obgedachter Ertzbischoff / wie auch theils Hertzogen zu Münsterberg / begraben ligen / haben die Evangelischen inngehabt; aber An. 1622. ward allhie / und in der gantzen Graffschafft / die Augspurgische Confession gantz abgeschafft / und diese Pfarrkirche / so 2. Thürn hat / und deren gröste Glock 109. Centner wägt / den Catholischen übergeben. Damit wir aber auch etwas von denen Sachen / so allhie vorgangen / melden / so schreibet Boregk / in der Böhmischen Chronick / am 128. Blat / als im Jahr 1114. die Polen / nach geschehener Flucht / bey Glotz fürüber gezogen / hätten sie die Häuser an der Stadtmauren angezündet / davon die gantze Stadt außgebronnen wäre. In der nechsten Böhmischen Unruhe / hat diese Stadt viel außstehen müssen; wie dann sonderlich das obgedachte Schloß allhie / am längsten gehalten / und [33] eine schwehre Belägerung außgestanden / biß solches Graf Frantz Bernhard von Thurn / auß Mangel deß Entsatzes / endlich den 28. Weinmonats / Anno 1622. auffgeben müssen. Anno 1627. den 8. Herbstmonats / war allhie ein grausames Wetter; dardurch unglaublicher Schade geschehen; und hat es dasmal in den Thurn auffm Schloß / so acht Ehln dick seyn solle / geschlagen / und der Vestung gewaltig zugesetzt. Im Jahr 1642. ist der Schwedische Obrist Schütz / von der Neuß auß / mit 3. tausend Reutern und Dragonern / vor Glatz geschickt worden / sein Glück darvor zu versuchen / wenigstens den Ort von ferne inzuhalten; so er dann auch gethan / und Glatz / darinn der Obriste Hanß Christoff Freyherr von Rubland / etc. lage / umb etwas beschossen / aber nichts darvor außgerichtet / sondern / in seinem Abzug grossen Verlust gelitten hat; wie hievon in Tom. 4. Theatri Europaei, fol. 926. seq. mit mehrerm zu lesen ist. Anno 1646. haben die Schwedischen die Vorstadt zu Glatz überfallen und geplündert. In diesem Jahr entstunde / umb den 27. Augusti / allhie eine grausame Wasserfluth; welche an der Bevestigung / Mühlen / Müntz / Ziehwerck / Floßholz / Mühlgraben / Wehren und Gebäuen / überauß grossen Schaden gethan. Siehe Tom. 5. Theatri Europaei, fol. 1176. a.

Anderthalbe Stund von Glatz ligt Wallersdorff / allda Anno 1646. zu Nachts / auß Unfürsichtigkeit / ein Feuer außkommen / in welchem bey 109. Personen / worunter 70. Kinder / ingleichem deß Edelmanns Frau / so in 6. Wochen gelegen / sammt dem Kind in der Wiegen / auch deß Obristen Tobacks Sachen und Pferde / mitverbrant; also daß sich Toback kümmerlich errettet hat. Siehe Tom. 5. Theatri Europaei, f. 1251.