Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Kuttenberg

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Topographia Germaniae
Kuttenberg (heute: Kutná Hora)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 40–41.
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Kuttenberg.

Eine wolerbaute Königliche / bey 7. guter Meilen von Prag gegen Mährenwerts gelegene / von den Lateinern Guteberga, Cuthna und Cuthnae Mons genante / und wegen deß Silber Bergwercks sonderlich bekandte Stadt / von welcher die Zauberin und Fürstin in Böheim / die Lybussa / viel geweissaget hat / wie Hagek in der Böhmischen Chronik berichtet: wiewol nunmehr solch Bergwerck gewaltig abgenommen haben solle. Anno 1300. hat man allhie die Böhmische Groschen zu schlagen angefangen. Umb das Jahr 1307. war Kuttenberg mit Mauren noch nicht umbgeben und bevestiget; aber die Inwohner / so auß allerley benachbarten Orten und Völckern / wegen deß Bergwercks / allda waren / hatten sich und das ihrige mit Gräben und Bollwerck wol verwahrt / und war das Closter Sedlitz darbey / vom Herrn Heinrichen von der Leipa / und Herrn Jan von Wartenberg gar starck besetzt: also / daß die Teutschen / so Käiser Albrecht der Erste (der gern seinen Sohn / nach dem Tode deß letzten Königs / auß der gedachten Lybussä Stamme / zum König in Böheim gemacht hätte) ins Land gebracht / unverrichter Sachen / abziehen musten. Im April deß 1421. Jahrs / ist Zischka mit den Pragern hieher kommen / weilen diese Bergstadt den Thaboriten viel Leyds gethan hatte. Es seyn aber die Kuttenberger ihnen entgegen gezogen / und haben Gnad begehrt / die ihnen auch widerfahren: aber das obgedachte schöne Closter Sedlitz oder Sedlecz / haben sie / und zwar / wie man sagt / wider deß Zischka Willen / verbrant. Käiser Sigismund hat hernach den 20. Christmonats dieses Jahrs / Kuttenberg wieder eingenommen / und daselbst den gedachten Zischka / nicht weit von der Stadt / auff dem Berg Taurgang genant / belägert; der sich aber durchgeschlagen / und auff Kolin entkommen ist. Als der Käiser hierauff vernommen / wie daß sich Zischka verstärckt hätte / und auff ihn zuzöge / hat er diese schöne Stadt Kuttenberg den 6. Jenner deß 22. Jahrs / gantz außgebrant / damit sie den Hussiten nicht wieder zu theil würde. Seine Ungarn haben auch der unschuldigen Kindlein in der Wiegen nicht verschonet. Und ist er / der Käiser / hierauff eilends nach Teutschen Brod geruckt / konte aber ohne grosse Niderlag / nicht entgehen; wie oben bey Brod gesagt worden ist. Boregk sagt / die Prager hätten nach der Brunst / Kuttenberg wieder angericht; zuvor aber wären die Kuttenberger / daß sie sich so bald dem Käiser ergeben hätten / hart gestrafet worden. Hernach im Jahr 1424. als Zischka der Prager / wie oben bey Kostelecz gesagt / Feind worden / hab er das übrige zu Kuttenberg vollends also außgebrant / daß in einem gantzen viertel Jahr kein Mensch darinn hat wohnen können; wie Lupacius in Calendario [41] Historico, Theobaldus im Hussiten Krieg / und andere / schreiben. Nach dem Tod deß Käisers Sigismundi / den endlich die Böhmen vor ihren König erkant haben / als durch zwyspältige Wahl / Albertus Hertzog zu Oesterreich / und Casimirus Hertzog in der Lithau / deß Königs in Polen Bruder / zum König in Böheim erwählet worden / rückte Albertus mit seinem Kriegsvolck fort / und nahm unterweges Kuttenberg / so nicht besetzt war / ein / und kam den 13. Brachmonats / Anno 1438. glücklich nach Prag / und ward allda von männiglich mit Freuden angenommen / und daselbst in S. Veits Kirchen den 15. dießes / vom Bischoff Philibert zu Costnitz / und dem Olmützer Bischoff Paulo, gekrönet; wiewol die meisten König-Städte wider ihn gewesen / und zu den Wehren gegriffen; mit denen es Herr Ptaczek / und Herr Görg Podjebrat / gehalten / und Thabor besetzt haben. Und gieng der Krieg / durch Hülff der Polen / mit Macht an / und nahm besagter Ptaczek Kuttenberg wieder ein. Anno 1496. ist die denckwürdige Historia / mit den Kuttenbergischen Bergleuten / deren zehen / auß den Aeltesten / unschuldig gerichtet worden / vorgangen. Als der Letzte auß ihnen den 4. Augusti zu Podjebrat niderknyen solte / hat er gen Himmel gesehen / und gesagt: Gerechter GOtt / siehe du darein / schicke einen fruchtbaren Regen / der unser unschuldiges Blut abwasche / welches auch geschehen. Dann in einer Stund hernach / ist ein solcher Platz-Regen gefallen / daß es umb Kuttenberg grossen Schaden gethan hat. Und von der Zeit an / hat sich das Bergwerck auff dem Kuttenberg immer abgeschnitten. Es haben auch der Enthaupten Freunde solches dem König Wladislao in Ungarn und Böheim / so damals zu Ofen in Ungarn war / erzehlet / der darob sich hefftig entsetzt / und darob betrübt worden ist / daß er / auff Angeben seiner Berg-Ampt-Leute (welche der Knappschafft ihr Geding und Lohn / nicht gereicht / gleichwol dem König verrechnet / und sich daher bereichert / so die Knappschafft nicht leiden wolte) einen so scharpffen ernstlichen Befelch ergehen lassen / daß man die besagte zehen Geschworne und Aelteste / unverzöglich / andern zu einem Exempel / am Leben strafen solte. Daher er Commissarien nach Kuttenberg geschickt; und kamen darüber die Berg-Ampt-Leute / dem Hencker auch in die Hände / wie Theobaldus im 3. Theil vom Hussiten Krieg / pag. 155. seq. schreibet. Anno 1503. hat ein Pragischer Schneider / so etliche Böhmische Studenten auch die Ordination in Italien geführet; den Philippum Novavillam, Vice-Comitem Palatinum Sidoniensem, et Mutinensem Episcopum, auffgeredt / daß er / auß Welschland / im gedachten Jahr / den 28. May / nach Prag kommen / allda er auch ehrlich / und mit Freuden angenommen worden; welcher Bischoff hernach im Jahr 1507. zu Kuttenberg gestorben / den man allda in der Kirchen zu S. Barbara begraben hat: welche Kirch / wie auch die zum Gang / folgender Zeit / die sub Utraque noch ingehabt / als alles neulich allhie Römisch hat werden müssen. Sonsten ist zu Kuttenberg S. Jacobs Kirch vornehm / und wird deß Königs Palast / der Welsche Hof genant. Es haben die Jesuiten auch ein Collegium allhie zu bauen angefangen / darzu Käiser Ferdinandus II. Anno 1627. etliche confiscirte, oder eingezogene Häuser / ihnen verehret hat. Im jetzigen Krieg hat diese Stadt nicht wenig außgestanden / und muste noch Anno 1646. im spaten Herbst den Schwedischen viel Geld zur Brandschatzung geben.