Topographia Braunschweig Lüneburg: Hannover

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Hannover
<<<Vorheriger
Hämelschenburg
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 100–101.
Wikisource-logo.png Hannover in Wikisource
Wikipedia-logo.png Hannover in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[100]
Hannover.

Woher die Statt Hannover / im Fürstenthumb Braunschweig Calenbergischen Theils / den Nahmen bekommen / berichtet Henricus Buntingius, in seiner Braunschweigischen Lüneburgischen Chronic am 14. Blat / vnd ist dahero vnnötig / solches anhero zu wiederholen.

Die Statt ist eine vnter den vornehmsten Stätten deß Fürstenthumbs Calenberg / liget an der Leine / in der ebene / hat vmb sich schöne Awen / vnd eine lustige Höltzung / die Elnerey genant. Gegenüber der Statt / Westenwerts / ist vor etlich hundert Jahren das Schloß Lawenrhoda gelegen / so den Herren Graven von Lawenrohda dero Zeit zugehöret. Nach dem aber dieselbe alle verstorben / hat Hertzog Heinrich der Löwe dieser Graffschafft vnd herumbligender Oerter / als ein Lehen- vnd Landesfürste sich angenommen / vnd die Statt Hannover mit sonderlichen Privilegien / Frey- vnd Gerechtigkeit begabet.

Sie ist mit hohen starcken Mauren / Wällen vnd Bollwercken / auch tieffen Wassergraben wol verwahret / vnd hat an der innern Mauren / zum Schutz der Statt / rings herumb 36. Thürne / innerhalb hat sie vier grosse / lange / breite vnd weite Gassen / die so wol als die Querstrassen / mit Kiesersteinen wol außgepflastert. Imgleichen hat sie von vndencklichen Jahren eine

[T42]
Hannover (Merian).jpg

[101] berühmte vornehme Schuele / darinnen viele herrliche ingenia, so wol in latina et graeca lingua, als artibus liberalibus, wol informiret / daß sie auff hohe Schulen ihre studia glücklich continuiren / vnd Chur-Fürsten vnd Herren / Communen vnd Stätten mit grossem Nutzen vnd Ruhm nachmals dienen können / vnd guten theils noch dienen.

Das Regiment der Statt bestehet in dreyssig Personen / darunter 2. Burgermeistere / so alternis annis et vicibus den consulat verwalten / denen ein Syndicus, eilff Rahtspersonen / vnd zween Secretarii zugeordnet / vnd dann siebenzehen Personen / so die Geschworne genant werden / vnd einen sondern Hauptmann haben / deren Ampt ist / einen newen Bürgermeister / newen Raht / Ridemeister vnd Bawmeister zu erwöhlen / in Bawsachen vnd dergleichen / so dabey sich etwan befinden / vnd was dem allen weiter anhanget / zu cognosciren / vnd dahin zu sehen / daß dem gemeinen Stattwesen wol fürgestanden werde.

Es seynd vnter der Bürgerschafft verschiedene vornehme alte Patricii vnd Geschlechter / auch viele gelahrte / verständige / versuchte Bürger / so der Tugend vnd Erbarkeit jederzeit löblich nachgestrebt / auch sich dergleichen noch befleissigen.

Es werden jährliches vier stattliche Jahrmärckte daselbst gehalten / auff welche viele Frembde / nicht allein auß Teutsch- sondern auch andern Landen sich häuffig anfinden.

Die Statt hat drey schöne gewölbete Pfarrkirchen / drey Statt-Thor / drey hohe Thürn / (deren eine zum H. Creutz zwart Anno 1630. durch einen in diesen daniedigen Landen hiebevor fast vnerhörten grausamen Sturmwind niedergeschlagen / wird aber zu einem newen Ornament vnd Zierde der Statt in kurtzem wieder repariret werden) wie auch verschiedene Mahl- vnd andere Mühlen in der Statt.

Sie ist mit schönen herrlichen Gebäwden gezieret / vnd wird noch täglich damit vermehret / hat verschiedene Armen-Häuser / ein Armes- vnd Weisenhauß / Hospitalia in- vnd ausserhalb der Statt / auch in der Statt eine stattliche Wasserkunst / da treibet ein groß Rad am Leinstrom sechszehen Stampffen / wodurch das Wasser etliche Ellen in die höhe gezucket vnd geführet wird / darnach durch kupffern Canal herunter fällt / vnd vnter der Erden biß auff den Marckt geleitet wird / da es in künstlich gehawenen steinen Canalen oder Röhren in die höhe steiget / vnd vermittelst 16. Röhren / durch die gantze Statt geführet wird. Es seyn auch Nohtbrunnen in der Erden / so in Fewersnoht eröffnet werden können.

Die Nahrung dieser Statt ist nun über die hundert vnd mehr Jahr / nebenst allerhand Gewerben / Kauffmanschafften vnd Handwercken / darin bestanden / daß daselbst anfangs vnd zum allerersten ein gutes wolschmeckendes Bier / so nach dieser Landesart Brühan genant / gebrawet worden / auch noch damit continuiret wird / vnd als ermelte Statt bey fürgangenen schweren Läufften / dem jedesmahls regierenden Landesfürsten getrew vnd hold geblieben; So haben die Landesfürsten diese ihre Statt vnd Bürgerschafft mit ansehnlichen Privilegiis, als dem mero et mixto Imperio, vnd anderen herrlichen Wolthaten begabet / welche Privilegia bißhero vnd noch jetzo confirmiret vnd bestättiget.

Nach hochseligen Absterben Herrn Hertzogen Friederich Vlrichs zu Braunschweig vnd Lüneburg / hat Herr Hertzog Georg zu Braunschweig vnd Lüneburg / auch hochseligen Andenckens / domahls regierender Landesfürste dieses Fürstenthumbs / dero Fürstl. Residentz vnd Hoffstatt / benebst dero Fürstl. Cantzley / Consistorio Ecclesiastico, vnd Hoffgericht / auch Zeughauß / vnd anderen ansehnlichen Gebäwden daselbst auffrichten / vnd über das alles die Newstatt hieselbst mit starcken Wällen / tieffen Graben / vnd Bollwercken versehen lassen / daran noch jetzo starck vnd fleissig gearbeitet wird.