Topographia Braunschweig Lüneburg: Hertzberg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Hertzberg (heute: Herzberg am Harz)
Nächster>>>
Hessem
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 116–117.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Herzberg am Harz in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T56]
Hertzberg BR (Merian).jpg
[116]
Hertzberg.

Das Fürstl. Grubenhagische Hauß Hertzberg / hat Graff Warner zum Luttenberg / Herr zu Osterode / auch Edler Vogt zu Pöhlde / anfänglich erbawet. Dann weiln Er zu Osterode seinen Sitz / vnd zum Jagen grosse Lust gehabt / hat Er im Jahr 1029. in der nähe ein Jagthauß gebawet / welches Hertzberg genant worden. Sein Sohn / Graff Burchard von Lüttenberg / hat solch Hauß in vielen gebessert vnd ergrössert / vnd daneben ein schönes Viehhauß angerichtet.

Anno 1510. ist es abgebrant / also / daß der darauff domals residirende Fürst / weyland Illustrissimus Philippus, Hertzog zu Braunschweig Lüneburg / Grubenhagischer Linie / neben Sr. Fürstl. Gn. Gemahlin / vnd einem Jungen Herrlein / eines Jahrs alt / auch Philippus genant / durch ein Fenster in den Hembdern davon kommen seyn. Man hält dafür / es seyn die Alten Vhrkunden damaln mit verbrant / ist hernacher wieder vffgebawet / wie es jetzo stehet / ausserhalb die eine Seite / welche nechst verschiene Jahre abgebrochen / vnd von grund auß gantz new wieder auffgeführet.

Nach dem in anno 1617. das Fürstenthumb Grubenhagen an weyland Herrn Christian / Erwöhlten Bischoffen deß Stiffts Minden / Hertzogen zu Braunschweig Lüneburg / hochlöblicher Gedächtnuß / hinwieder mit Keyserl. Vrthel vnd Recht gelanget / hat Sr. Fürstl. Gn. Herr Bruder / weyland Herr Georg / Hertzog zu Braunschweig Lüneburg / deß Nieder-Sächsischen Craises General / ein thewrer / tapfferer / vnd hochlöblicher Fürst / biß so lang daß S. Fürstl. Gn. dero Calenbergische Landes-Regierung angetretten / sampt dero Fürstl. Gemahlin / auff diesem Hause Hertzberg residiret / vnd den mehrentheil Hoff gehalten / gestalt dann hiebebevor von den letzten regierenden Hertzogen zu Braunschweig Lüneburg / der erloschenen Grubenhagischen Linie gleichfalls geschehen.

Dieses Hauß liget auff einem Berge / für dem Hartz / zwischen der Statt Osterode / vnd dem Hause Schartzfels / daß man auff der einen seiten nichts als hohe Berge vnd Holtz sihet / auff der andern seiten befindet sich Feld vnd Ackerbaw / mit Holtz vnd Buschwerck vermenget. Die Gebäwde vffm Hause an sich betreffend / sind theils mit Stein- vnd Maurwerck / biß ans Dach / theils in die Giebel gantz auß / theils biß auff ein Stenderwerck vnterm Dach auffgeführet / mit behuffigen Gemächern.

Vnten am Berge deß Hauses ligt zu erst das Vorwerck / darnechst hebt sich das Flecken Hertzberg an / welches in die länge hinauff / nach dem Hartz werts / mehrentheils doch in verschiedene Gassen ist gebawet / hat über 200. Fewrstätte / wovon Anno 1647. am Tage Gregorii, den 12. Martii, 69. Wohnhäuser / sampt Scheuren vnd Ställen / abgebrant / aber nunmehr / Gott lob / meist wieder auffgebawet. Die Kirche zu S. Bartholomaei in demselben / ist in gutem Stande / vnd wird der Gottesdienst mit Orgelen / vnd anderen Christlichen Ceremonien darin verrichtet. Die Kirche zu S. Nicolai ist vor Jahren abgebrochen / hat sollen erweitert werden / vnd ist man eben damit im Werck gewesen / als gedachte Fewrsbrunst eingefallen / dadurch es bestecken blieben. Der Thurn aber / worin die Glocken hangen / stehet an demselben Ort / vnd ist der GottesAcker dabey.

Gegen dem Hause vnd Flecken seynd die nechsten Wälder / Lüderholtz / Braackberg / Hoyer / Langfast / Steilewand / Grindelcke / Knollen / etc. die theils hohe Berge seyn / vnd alle am Hartz hangen / Baw- Mast- vnd ander Holtz tragen / vnd man von einem Berge vnd Walde continuè auff- vnd in den andern / den Hartz hinein gehen kan. Auff der anderen seiten sind die nechsten vmb das Hauß herumb / das Eichholtz / Null / Crummenbreiten / Krücker / [117] Ohre / Bercken / vnd darnechst ein groß Holtz / der Rotenberg / worin Glasehütten ligen / zwischen vnd vmb dieselben Gehöltzen / allezeit Feldmarcken vnd Dörffer belegen seynd.

Ein Wasser entspringet am Hartze / heisst die Sieber / hat darin seine Zufälle / daß es Sagemühlen vnd Eisenhüttenwerck treiben kan / fleusst herauß gegen dem Flecken / die länge hinab / das Hauß vorbey / doch daß ein Bach davon am Berge her gehet / auff die Wasserkunst / so das Wasser in eisen Röhren den Berg hinauff / in den Platz vffs Hauß treibet / welches eine zimliche höhe ist.

Die Einwohner im Flecken nehren sich vom Bierbrawen / Cram- vnd Hackenwahren / Ackerbaw / Handwercken / Viehezucht / theils arbeiten in den Wäldern / Eisen- vnd Glasehütten / vnd dergleichen.