Topographia Braunschweig Lüneburg: S. Lorentij Closter

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
S. Lorentij Closter
<<<Vorheriger
Lawenstein
Nächster>>>
Leuenfurt
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 138.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Schöningen in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[138]
S. Lorentii Closter.

Das Closter S. Lorentz vor Schöningen / ist anfänglich ein Nonnen-Closter gewesen / wer solches aber zu erst fundiret / davon ist wegen länge der Zeit keine eigentliche Nachrichtunge zu befinden.

Etzliche der Antiqität Erfahrne seynd in den Gedancken begriffen / daß es von Fraw Oda, einer Gräfin / gebohren auß Königlichem Stamm / dem heiligen Martyrer Laurentio zu Ehren erbawet worden / aber durch vnterschiedliches überfallen der damals angrentzenden Barbarischen Völcker / gäntzlich verwüstet / vnd Anno Christi 982. durch grausames wüten jetztgedachter Völcker / in die Asche geleget sey. Wer nach der Zeit das Closter etwas wieder angebawet / bewohnet / vnd die Güter fast bey 140. Jahren genossen / davon hat man gleichfalls nicht gewisses / vermuhtlich ist es aber / daß nach solcher Verwüstung etzliche von den Nonnen sich an den Ort hinwieder begeben / vnd ihr Auffenthalt von den Gütern gehoben haben. Dann es melden die Geschichtschreibere / daß / als Reinhardus der 15. Bischoff zu Halberstatt / dieser Oerter kommen / habe er Nonnen daselbsten gefunden / welche ihre Ergetzlichkeit mehr in verbottener Wollust deß Fleisches / vnd allerhand Vppigkeit / als in Gottesfurcht / eingezogenem Leben vnd Wandel gesuchet; Dahero er dann über solche Gottlosigkeit sich entrüstende / Sie auß dem Closter vertrieben / vnd ohngefehr im Jahr 1121. zu einem Münchs-Closter vffs newe gewidmet / gestalt er dann auß dem Closter Hamersleben etzliche Brüder / deß Augustiner-Ordens / dahin vociret / vnd ihnen solches Closter angewiesen / es auch mit vielen herrlichen Aeckern / Wiesen / Wäldern / vnd andern Auffkunfften dotiret.

Zu der Zeit war ein Praepositus zu Hamersleben / Nahmens Thetmarus, welchen gemelter Bischoff Reinhardus, wegen seiner Frömmigkeit / vffrichtigen Wandels / auch Erudition vnd Geschicklichkeit / zum ersten Probste deß Closters S. Laurentii verordnet / vnd weiln derselbe befand / daß in den vorigen Zellen für ihn vnd seine Mitbrüdere keine Gelegenheit / hat er im Obertheil deß Closters ein ander Gebäwde zu ihrer Wohnung aptiret / auch bey 2. Jahr wol Hauß gehalten / als Ihm aber zu schwer gefallen / dem Closter Hamersleben vnd diesem vorzustehen / hat er abgedancket / vnd sich mit Hamersleben allein begnügen lassen / vnd ist endlich Anno 1138. zu Rom gestorben.

Diesem Thietmaro ist Walterus vnd andere mehr succediret / welche das Closter von Jahren zu Jahren augiret vnd vermehret haben / inmassen die Closter-Chronike davon nach der länge Nachrichtung gibt.

Sonst hat die Closter-Kirche ein fein hoch Gewölbe / mit drey Thürnen / daß sie dem Stättlein Schöningen ein fein Ansehen mit gibt / ligt in einer guten Gegend / im Fürstenthumb Braunschweig Wolffenbüttel / hat einen schönen weiten Prospect ins Stifft Magdeburg vnd Halberstatt / vnd gegen dem Hartzwald: Es ist auch ein schön klarer Springbrunn in deß Closters Baumgarten / welcher etzliche Mühlen vor vnd in dem Stättlein Schöningen treibet / wovon auch das Fürstl. Schloß vnd das Stättlein alles Wasser haben.