Topographia Circuli Burgundici: Neumegen

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Topographia Germaniae
Neumegen (heute: Nimwegen, nl. Nijmegen)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 86–88.
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[86] Neumegen / Nieumegen / Nimeghen / Noviomagum, Neomagum. Diß ist ein vornehme berühmte Stadt in Geldren / und das Haupt der Hansee-Städte daselbst / der Alten Batauer; und folgends der Francken Königlicher Sitz; und eine feine Reichs-Stadt / ehe sie vom Käyser Wilhelmen / Graf Otten / [87] zugenannt dem Lahmen / zu Geldren / versetzt worden; allda Käyser Carl der Grosse offt zu Gericht gesessen ist; auch das Schloß wieder erneuert hat; so daß C. Julii Caesaris Werck seyn solle. Es ist diese Stadt / wegen ihres Lagers / und dann von Menschen Händen sehr vest; auch gar reich / und an allen Sachen vermöglich. Gegen dem Hertzogthum Cleve / darbey sie nahend ist; ligt sie / sampt dem gedachten sehr alten Schloß / auff einem hohen Hügel; davon sie ein lustiges Außsehen auff die Waldechte Berg / und viel Brunnenquellen hat: Der Theil aber / so gegen über / liget tieffer / und am sumpffigen Orten; und der übrige Boden ist mehrentheils thalhängig: wie Junius in Batavia sagt. Gerardus Geldenhaurius, von hinnen bürtig / schreibet in seiner historia Batavica, daß dieser Stadt erster Erbauer Magus, ein sehr mächtiger König der Gallier / deß Ditis Sohn gewesen / der solche nach seinem Namen Magum genennt. Als aber folgends der Catten König Bato in diese Landsart kommen / hab er / wegen Lustbarkeit / und Alter deß Orts / die Stadt wieder auffrichten / selbige erweitern / und mit dreyfacher Mauren umbgeben / und wegen solcher Erneuerung Noviomagum, oder Nieumeghen / oder Nimmeghen nennen lassen. Sein Sohn Heß habe dieses sein Vatterland noch mehrers auffgebracht; daher auch der untere Theil der Stadt nach ihme der Hessenberg genannt werde: und seye endlich einhellig von den Batauern beschlossen worden / daß dieser Ort eine Königliche und deß gantzen LandesHaupt-Stadt seyn solte. Dem aber mag seyn / wie da wolle / so ist es doch eine sehr uhralte Stadt / welche an einem Arm deß Rheins / die Waal / oder Vahalis genannt / so da sehr breit und gar tieff gelegen. Sie ist schön / mächtig / und volckreich; allda ein grosses Gewerb getrieben wird; auch die Studia ihre Wohnung haben. Gibt viel Kirchen / und andere Gottshäuser daselbst. Unter welchen sonderlich das Domstifft zu S. Stephan / dem ersten Märtyrer / ist. Man hat in- und ausser der Stadt viel alte Römische Müntzen und Stein gefunden; deren theils noch allhie zu sehen / und zu finden. Es führet die Stadt den Titul einer Vitz-Graffschafft / insgemein das Reich von Neumegen genannt: Sie hat die Freyheit Müntz zu schlagen; und erkennet noch in etwas das Römische Reich / als ein Lehen desselben / in dem sie nicht an die Geldrische Cantzley / sondern stracks gen Aach; aber der Zeit von dannen nicht weiters mehr nach Speyer appelliret. Sie will auch / daß von ihren Partheyen und Bürgern zu Aach / von neuem nichts eingebracht / sondern allein confirmando, oder reformando, auff vorige Acten erkant werden solle; wie Joannes Noppius in der Aacher Chronic berichtet. In dem Geistlichen hat sie vorhin den Ertzbischoff zu Cölln vor ihren Oberherrn erkant. Was unter diese Herrschafft deß ersten Quartier deß Gelderlands gehörig / davon ist oben im Eingang von diesem Lande gesagt worden. Sie ist mit starcken Schantzen / und Wercken versehen / also / daß sie sich vor keiner Belagerung fürchtet. Und hat sonderlich seither deß 1591. Jahrs / in welchem sie den 14. Oct. durch Graf Moritzen von Nassau / der Staaden Generaln / (dann sie vorhero Anno 1585. die Spanischen bekommen hatten /) bezwungen worden / (Sihe den Nassauischen Lorbeerkrantz fol. 87. seq.) an Macht / Reichthumb / und Herrligkeit / sehr zugenommen; wozu der Canal / welchen dieser und der Stadt Arnheim Inwohner / Anno 1608. durch die Betau zu graben angefangen / (Sihe was von diesem Graben VVerdenhag. part. 4. Rer. publ. Hanseat. c. 3. fol. 19. b. der Neuen edition in fol. berichtet) nicht wenig geholffen; indeme hierdurch beyder Städte Handlung mercklich befördert worden.

Gegen der Stadt über / am rechten Ufer der Waal / ligt die veste Schantz Knodsenburg / welche Graf Moritz von Nassau / in der Obern Bethau / An. 1590. erbauen / und ihr den Namen / von den Knodsen oder Klüppel / so da / die Neumeger damit zu schlagen / verborgen legen / erbauen lassen: wie er dann auch dardurch nachmals die Stadt Neumegen bezwungen; daß sie noch biß auff diese Zeit den vereinigten [88] einigen Niederländern / so allda / an statt deß Hertzogen von Geldern jetzt auch müntzen lassen / gehörig ist. Es gab An. 1591. bey der besagten gewaltigen Schantz / zwischen beyden Partheyen einen starcken Scharmützel / darbey die Spanischen sehr einbüßten.

Ein Meil Wegs von Neumegen ligt das Dorff Groesbeck / daher ein sehr vornehmes Adeliches Geschlecht / deme solcher Ort gehörig / den Namen führet; und auß welchem Gerhardus Groesbequius, weiland Bischoff zu Lüttich / gewest ist. Sihe von dem / was von Nieumegen gesagt worden / ausser den allbereit angezogenen Autoren / auch Guicciardin. fol. 149. seqq. G. Braun in seinem Städtbuch p. 2. et 3. und Casp. Ens / pag. 164.