Topographia Circuli Burgundici: Viandalen

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Topographia Germaniae
Viandalen (heute: Vianden)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 245.
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[245] Viandalen / Vianden / Vianda, Vienna, Vyenthal. Dieses Luzenburgisch Stättlein / von ungefehr 200. Häusern / liget zwischen den Bergen / und sehr hohen Felsen / an dem Wasser Our, welches auß einem lustigen Brunnen / nahend S. Veit entspringet / zwischen den Bergen / Hügeln und Wiesen / auf die Kirch herunter laufft / und daselbst in die Sauer fällt. Die Inwohner nennen dieses Stättlein Vyenthal / gleichsam Viennae vallem, hat 2. Thor / und wird von einem Richter / und 7. Schöpffen regiert; die jederman das Recht sprechen / und die Justitz administriren; wie von ihnen offterwehnter Bertel. bezeuget. Uber dem Stättlein ligt auff einem alten Felsen ein Schloß; in dem Stättlein aber ein feines Closter / dessen Probst Minister genennet wird / und der etliche Brüder deß Ordens der H. Dreyfaltigkeit von Erlösung der Gefangenen / unter sich hat / auß denen einer deß Stättleins Pfarrer ist. Es hat dieses Stättlein / und zugehöriges Gebiet / vorzeiten eigene Grafen gehabt / auß welchen Graff Philippus von Vienne, oder Vyenthal / als er von Henrico, Graffen zu Luxemburg / eine grosse Summa Gelds entlehnet / diese seine Graffschafft / damit er das Geld nicht heim geben dörffen / ihme / und seinen Nachfolgern / den Fürsten zu Luxemburg / Anno 1248. zu Lehen gemacht / jedoch deß Closters Prumien Lehenschafft ihme außgenommen. Es ist endlich diese Graffschafft / durch rechtmässige Succession, an Graff Wilh. von Nassau / Fürsten zu Oranien gelangt; der solche biß auffs Jahr 1566. ingehabt / in welchem / wie abermals Bertelius sagt / Sie / auß Urthel und Befelch Königs Philippi II. in Spanien / zugleich mit der Statt S. Veit und Zugehör (oben hat er vom Jahr 1570. gesagt /) dem Graff Peter Ernsten von Mansfeld / auff sein lebenlang ist eingeantwortet worden. Als dieser Anno 1604. gestorben / so hat solchen Ort Printz Philips von Oranien / Graff von Nassau wieder bekommen. Wer aber jetzt denselben / wie auch S. Veit / nachdem er / Printz Philippus ohne Kinder gestorben / und seine Brüder / Moritzen und Friderich Heinrichen / nachmals Printzen von Oranien zu Erben hinterlassen / bekommen / ist mir unwissend.

Nicht weit Vienthal / auff einem felsichten Berg / sihet man ein Hauß / oder Probstey / so dem Johanniter Orden gehörig / das stattliches Einkommen hat / und mit Weingärten / wie dieses Vienne, umbgeben ist.