Topographia Circuli Burgundici: Von dem Hertzogthumb Geldern

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Hertzogthumb Geldern (heute: Hertzogtum Geldern)
<<<Vorheriger
Wesemal
Nächster>>>
Arnheim
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 78–80.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Herzogtum Geldern in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[78]
II.

Von dem Hertzogthumb Geldern /

und der Graffschafft Zutphen.

Gregorius Turonensis, in historia Francorum lib. 2. cap. 31. erzehlet / als Clodoveus, der erste Christliche König auß den Francken / in Franckreich solte getaufft werden / habe der H. Remigius, Ertzbischoff zu Reims / zu ihm gesagt / Depone mitis colla Sycamber. Darauß zu ersehen / daß dieser Clodoveus, oder Clovis, seines Ursprungs ein Geldrer gewesen. Dann die heutigs Tags Geldri, die seyn vor Zeiten Sycambri genannt worden; wie Aub. Miraeus in Fastis Belgic. p. 107. will. Johan. Pideritius in der Chrome der Grafschafft Lipp / schreibt part. 1. c. 2. p. 13. daß Marcomirus, Antenoris Sohn / nach Zerstörung Troja / seine Unterthanen ad ostia Rheni zu führen seye verursacht worden / da sie dann Frießland / Geldern / und ein Theil Westphalen eingenommen / und mit den alten Teutschen dieser Orten benachbart [79] worden seyen. Dieweil sie aber Teutsch geredt / wären sie von den Teutschen / so bereits im Land wohneten / wol und ehrlich empfangen / und auffgenommen / und die neuen Einkömling / Neumagen / das ist / Neue Gäste / Brüder / und Freunde / genennet / die folgends Sicambri seyn geheissen worden. Und so viel sagt dieser. Sihe aber Phil. Cluverium in antiqua Germania, und P. Bertium de rebus Germanicis. Es seyn diß die Grentzen des Gelderlands / wann man die Graffschafft Zutphen darzu rechnet / heutigs Tags; Von Mitternacht die Suyder-See / und die Landschafft Over Issel; von Morgen der Rhein / und das Hertzogthumb Cleve; von Mittag die Maas / durch welche es von Brabant unterschieden ist; und dann gegen Niedergang / theils Holland theils das Stifft Utrecht. Von des Namens Ursprung wird unten in Beschreibung der Stadt Geldern / als daher das gantze Land hernach solle seyn geheissen werden / gesagt. Es ist diß Land mehrertheils eben / hat einen fruchtbaren Boden / gute Wayde / und viel Holtz / und ist sonderlich zur Viehezucht ein sehr bequemes Land; welches biß auff Käyser Carln den Grossen Vögte gehabt / nach welchen / jedoch auch nur als Verwalter / die Herren von Pont solches regiert haben. Umbs Jahr 1079. ist Graff Otto von Nassau / welcher Wickhardi, des letzten Herrn von Pont / oder Brück / Tochter / Adelheiden / zur Ehe hatte / vom Käyser Henrico IV. mit der Graffschafft Geldern belohnet worden. Und dieweil er / nach Absterben derselben / zu deß Graff Gerlachs / oder Weikmanns (dann er nicht einerley Nahmen bey allen hat /) zu Zutphen Tochter Sophia geheyrathet / so bekam er auch vom Käyser die Graffschafft Zutphen. Aus seinen Nachkommen / war Graff Otto / der Lahme zugenannt / welcher die Statt Nieumegen / so ihme vom Käyser Wilhelmo versetzt worden / Anno 1248. dem Land Geldern einverleibt / auch Ruermund / Arnheim / Bommel / und andere Städte / mit Mauren umbgeben / und Graventhal gebauet hat. Sein EnikSohn Reinholdus II. ist zum ersten Hertzog Geldern / vom Käyser Ludwigen dem Vierdten / gemacht worden / an dessen Söhnen / Edwarden / und Reinholden / diese Lini abgestorben / und Geldern an die Hertzogen zu Gülch kommen ist / weil Hertzog Wilhelm zu Gülch jener Schwester Mariam zur Gemahlin hatte. Als aber selbiges Geschlecht anno 1423. mit Reinoldo, Wilhelmi Sohn / Hertzogen zu Gülch / auch abgieng / und nur eine Tochter von gedachtem Hertzog Wilhelmo, Reinoldi Schwester / Namens Johanna, Hansen von Arkulen / oder Erckels / Gemahlin / vorhanden war / und Hertzog Adolph von Berg (als naher Blutsfreund / und der eines Stammens mit denen von Gülch war) sich umb das Land angenommen; so hat Arnold von Egmond / gedachtes Arkulei, von seiner Tochter Maria Enickel / Hansen von Egmond Sohn / Anno 1426. Geldern mit gewehrter Hand eingenommen. Es ist aber hernach von seinem eigenen Sohn Adolpho lang gefangen gehalten worden / welchen Adolphen aber hinwieder auch Hertzog Carl von Burgund gefangen genommen / der zwar hernach erlediget / und von denen von Gent über ihr Kriegsvolck verordnet worden; aber Anno 1478. vor Dornik blieben ist: dessen Sohn Carolus der letzte Hertzog von Geldren gewesen / der Anno 1538. gestorben. Und hat darauff Käyser Carolus V. solches Land eingenommen / weiln Hertzog Gerard von Gülch und Berg / ein Bruders Sohn obgedachtes Adolphi, und des ersten Hertzogs zu Berg Wilhelmi Enickel / obgedachtem Hertzog Carln von Burgund / seine Gerechtigkeit an Geldren / gegen einer Summa Gelds cedirt, auch der gefangene alte Hertzog Arnold / so Anno 1473. gestorben / solches Land ihme / in seinem Testament vermacht / und den Sohn ausgeschlossen hatte / und darauff der von Burgund Anno 1473. zum Hertzoge in Geldren angenommen worden war: wiewol obbesagter Hertzog Carl von Geldren / nach des gedachten Burgunders Tode / das Land mit Gewalt wieder eingenommen / und mit seinem Tochtermann / [80] Ertzhertzog Maximilian von Oesterreich / hernach Käysern / deßwegen gekriegt hatte. Es hat zwar Hertzog Wilhelm zu Gülch / mit höchstgedachtem Käyser Carln dem Fünfften / umb diß Land auch gestritten / weiln ihme der verstorbene Hertzog Carl von Geldren solches übergeben; Er Hertzog Wilhelm auch allbereit die Erbhuldigung eingenommen: Aber nachdem der Käyser Anno 1543. den meisten Theil von Gülch erobert / so hat er dem Käyser Geldren abgetretten: Und ist also dieses Hertzogthumb an das Haus Oesterreich kommen; wiewol solches jetzt nur noch einen Theil davon hat. Dann in diesem Lande / ohne die Schlösser / und Herrenhäuser / und ohne die 300. Dörffer / 22. oder 24. Städte gezehlet / und in 4. Quartier / als Neumägen / Rurmund / Zutphen / und Arnheim / eingetheilet werden; unter welchen das Quartier Rurmund dem König in Spanien / die andern drey aber den vereinigten Niederländern zugehören. Und begreifft das erste Quartier in sich unterschiedene Gebiet / als das Reich von Neumegen / die Ober und Nieder Betau / Bomler Werd / und Thieler Werd / und das Land zwischen der Maas / und Waal. Und gehören darunter die Städte / Neumegen / Thiel und Bommel. Das ander Quartier begreifft die Städte / Ruermund / Geldren / Venlo / Stralen / Wachtendonck / Montfort / und Erckelens / wie H. Hagelgans pag. 148. seqq. meldet. J. Angel. à Werdenhagen part. 4. de Rebusp. Hanseat. cap. 2. fol. 17. a. sagt / daß Ruremund unter sich habe Venloam, Geldriam, Vagediam, Stralam, Wachtendonkium, Erkelensium, Montfortum, Echtium, Neostadium, Kesselium, Midlariam, und Grieckenbeciam. Das dritte Quartier von Gelderland ist die Graffschafft Zutphen / welche sonsten ein sonderbare Stell unter den Niederländischen Provintzen vertritt; und die nachfolgende Städt / und Gebiet / begreifft / nemlich Doesburg / Dotechem / Lochem / Groll / Bredtfort / Bronchorst / (so zwar auch vor sich eine Graffschafft ist) Isselburg / Anholt / Borckeloe / (beyde den Herren von Anholt / wie Hagelganß sagt / gehörig /) und S’herenberg / oder Tscherenberg. Das vierte und letzte Quartier ist Arnheim / so auch sonst Velau / genennt wird. Dieses Quartier hat auff dreyen Seiten schiffreiche Wasser / als den Rhein / Issel / und die Suyder-See / welche ihm für einen Wall / und Schutzwehr / dienen: dennoch ist es etlich mahl von den Spanischen überrumpelt / und durchstreiffet worden / bevor ab im Jahr 1629. von der Spanischen und Käyserlichen Armee / unter beyden Generaln / Graff Heinrichen von Berg / und dem Graffen Montecuculi, welche aber doch / ausser daß sie das Land zimlich verwüstet / und Ammersfort im Stifft Utrecht eingenommen / sich keines namhafften Orts bemächtigen können / und also / nach dem / durch behende Eroberung der Stadt Wesel / ihnen gleichsam die Thür von hinden her zugeschlossen worden / sie die Velau / ohne fernere sonderbare Verrichtung / nicht aber ohne mercklichen Schaden / verlassen müssen: wie Hagelganß am 154. Blat / sonders zweiffels / auß Meterani 46. Buch / schreibet. Es begreifft aber dieses vierte Quartier / dessen Arnheim die Haupt-Stadt ist / die Städte Harderwick / Elburg oder Ilburg / Hattem und Wageningen / oder Vada, oder Vaganum.

Folgen nun die Städte / und vornehmste Ort in Geldern / als: