Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Rügenwalde

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Topographia Germaniae
Rügenwalde (heute: Darłowo)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 89–90.
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Rügenwalde /

Diese Fürstliche Stadt liget an der Wipper / in Hinter-Pommeren / sub latit. 53. 55. et longit. 41. 15. so von den Rugiern / oder Rugianern / einem alten berühmten Volck ihren Namen behält. Und obwol deß Ptolemaei Rugium nicht an dem Orth liget / da jetzund Rügenwald ist / so ist doch abzunehmen / daß die alte Rugianer erstlich Ostwerts gewohnet / und sich hernach in die Insul Rügen / und endlich gar an die Thonau / und in Italien gesetzt haben. Von dieser Stadt / stehen in deß von Eickstädten geschriebener Chronic / (sagt Micraelius lib. 6. Pomer. p. 600.) diese Wort: Sie hat viel steinerne Häuser / doch nur eine Pfarrkirche. Nicht weit von der Stadt / liget ein hüpsche Carthauß: hart an der Stadt haben die Fürsten ein Schloß / und guten Lachsfang. Und dann eine Meile davon liget das Closter Bukow / Es fleusset darvor die Wipper / dadurch die Burger zur Seewarts schiffen / und handlen. Die Einwohner sind guter Sitten / und halten viel von den Studiis. Diese Stadt hat / vor Jahren / vornehme Leuthe gegeben / in Geistlichen / und Weltlichen Regimentern. Biß hieher der Chronicken Wort. Der letzte Hertzog in Pommern / Bogislaus 14. hat das Rugenwaldische Ampt / und Schloß / seiner Gemahlin zum Leibgedinge vermacht / eine schöne Schloß Capellen da bauen lassen / und hat die hochgedachte Fürstliche Frau Wittib folgends alhie Hoff gehalten. Die Praepositur dieses Orth bestehet in 24. Pfarren / und gehöret zu derselben die Zanowische. Zur Folge müssen die Bürger / nach dem alten Anschlage / acht Pferde / und 50. Mann Fußvolck aufbringen / und halten Marckt Donnerstags nach Esto Mihi, Auff Fronleichnams Tag / und auff Michaëlis. Von dieser Stadt schreibet Johannes Angelus à Werdenhagen de R. Hans. part. 3. cap. 23. p. 336. also: Rugenwaldium, in finibus maris situm, propter commoditatem situs Pomeranicae illius partis versus Vandaliam metropolis una habetur; quum inde omnis generis commercia ad victum et amictum facientia petantur. Sclagamquidem habet vicinam urbem, sed commoditate loci longe eam exuperat. Est quoque terra ea aquis irrigua, dives agris, pascuis, et sylvis, ut inde pecore, piscibus, necessario frumento, butyro, et melle, et similbus rebus, ad aliquot milliaria, ubi non monrosa est, satis abundet. Biß hieher gedachter Autor. Als Anno 1290. die Landschafft in Hinter Pommern Hertzog Primislao II. in Polen / auff den Todtesfall ihres Herrn / Hertzog Mestowyn / deß letzten Pommerischen Fürsten in Hinter Pommern / weil Er keine Erben hatte / ungeachtet der Hertzogen in Vor-Pömmern eingewandter Protestation, gehuldigt / und geschworen; und auch / als 5. Jahr hernach / besagter ihr Herr verstarb / Ihn zum Herrn angenommen; und durch Güte bey den Polen nichts zuerhalten war / [90] so hat Bogislau Hertzog in Vor-Pommern / das Schloß und Stadt Rugenwald (davon im Jahr 1212. Jeßko Putkammer den Namen geführet / und diesen Orth mit Mauren umbfangen / und privilegiert hatte; welches alt vornehme Geschlecht noch in Pommern vorhanden seyn solle) eingenommen / geplündert und verderbet. Folgends kamen deß besagten letzten Hertzogen Mestowyns 2. Tochtermänner / Mitzlaff Fürst in Rügen / und Graf Adolph auß Holstein / ins Land / und brachten Rügenwalde / und Schlawe / an sich; musten aber folgends An. dausent dreyhundert / wieder weichen / und mit deß Mestowyns Baarschafft / und was deme anhängig / so ihnen gefolget ward / sich ersettigen lassen. Hernach kam diese Stadt ein Weil unter den Teutschen Orden in Preussen / ein Weil unter die Marggrafen von Brandeburg / und dann endlich an die Vor-Pommerische Fürsten beständig; wie hievon beym gedachten Micraelio lib. 2. p. 283. seqq. und auch daselbsten / was eigentlich Pomerellien / der Strich von Stolpe an / biß nach Dantzig / heisse / p. 292. umbständlich zu lesen ist. Nach dem König Erich in Dennemarck / Schweden / und Nordwegen / ein geborner Hertzog auß Pommern / sich Anno 1439. aller dieser seiner Königreiche entschlagen / und in sein Hinter-Pommern begeben / hat er noch 20. Jahr alhie zu Rügenwalde in guter Ruhe / und biß in das 73. Jahr seines Alters / sein Leben zugebracht / und ist dieser gelehrte König so ein Lateinisch-Dänische Chronic von den Königen in Dennemarck / selbst gefertigt hat / (wie unterschiedliche bejahen / wiewol auch theils solches verneinen) alhie A. 1459. gestorben. Von seinem Schatze siehe besagten Micraelium lib. 3. p. 400. und 478. Und Cramerum lib. 2. Eccles. hist. c. 29. Sonsten aber von ihme auch Joh. Meursium l. 1. hist. Dan. und Pontanum in reb. Dan. et Chorogr. Dan. descript. wieder welchen letzten der besagte Micraelius, den höchstgedachten König Erichen / vertheidigen thut. Anno 1624. den 15. Novemb. ist fast die gantze Stadt / und mehr als 500. Zimmer / abgebronnen. Es ist auch vorher / im Jahr 1589. der beste Theil dieser Stadt durch Feuer aufgangen. Die Lächse / die da in Strömen häuffig gefangen werden / leget man in Saltz / trucknet / und verführet sie weit und breit.