Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Usedom

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Topographia Germaniae
Usedom
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 119–121.
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Usedom /

Von dieser Fürstlichen Pommerischen Stadt schreibet offt: und auch erst vorgedachter Micraelius lib. 6. Pomer. p. 616. seq. also: Usedom / vorzeiter Usenam / oder Ußnam genandt / davon die gantze Insul den Namen hat / liget sub latitud. 53. 47. et longitud. 38. 30. Und ist vorzeiten / nach Untergang ihrer Nachbaurlichen Stadt Wineta / eine grosse / und feste Stadt gewesen / als dafür Polen / und Dänen / ehe sie sie einbekamen / genug zu thun hatten / wie auß der Histori zusehen. Im Jahr 1473. hat sie einen grossen Schaden vom Feur erlitten / dadurch die gantze Stadt mit dem Rathhause / und fast allen Burgerlichen Gütern / davon wenig hat können gerettet werden / verfallen ist. Und nach diesem hat sie nicht können zu rechtem Auffnehmen kommen. Vergangen Jahr hat sie auch / wegen occupirung der Insul Usedom / von den Käyserlichen grossen Schaden gelitten / eben wie das gantze beflossene Land / darin sie liget. Der Synodus dieses Orthes bestehet in zehen Pfarren. Der Hauptmann über Pudgla / da zuvorn ein Closter gewesen / hat über das gantze beflossene Land / im Namen deß Landsfürsten / zu commendiren. Und auffm gemeldeten Lande Usedom ist ein Gehege von Hasen / Rehen / Hirschen / und wilden Schweinen gewesen / daß die Fürsten das Wild darinnen zu jederzeit / als in einem Garten zu bekommen hatten. Sed olim sic erat. Diese Stadt hält Marckt Sontags nach Mariae Heimsuchung / und 14. Tage nach Michael. Biß hieher der Autor. Der auch von der obgedachten Weiland mächtigen Stadt Wineta / im zweyten Buch / und am 15. Capitel / also berichtet: Wineta / wie Helmold. und Crantz. zeugen / ist eine von den grössesten Städten in gantz Europa gewesen / und haben drinnen die Slaven mit andern Völckern vermischet / gelebet. Den Sachsen auch ward vergünstiget drinnen zuwohnen / und Handel / und Wandel zutreiben / wann sie nur ihre Religion / oder vielmehr Aberglauben / unangefochten liessen. Sonsten waren die Burger Gast-frey / und sittsame Leuthe und hatten / wegen ihres erbaren / guten [120] Wandels / bey jederman grossen Ruhm. Die Griechische / oder vielmehr Reussische / und andere frembde Kauffleuthe / haben sich auch zu ihnen gethan / und dadurch die Stadt mit über die massen grossem Reichthum erfüllet / also / daß ihre Stadt-Thor / wie man saget / von Ertz / und Glockengut / bereitet / und das Silber so gemein geworden ist / daß man es zu gemeinen / und ungeachteten Sachen verbrauchet hat. Diese Stadt Wineta ist im Lande zu Usedom 2. Meilen von Wolgast / beym Ausfluß der Peene / gelegen gewesen / und sihet man noch heutiges Tages bey stillem Wetter mitten im Meere / gegen Damerow über / eine halbe Meil Wegs vom Ufer / wie die Gassen in einer schönen Ordnung ligen / und das Theil alleine dieser Stadt / das man unter dem Wasser sehen kan / ist grösser / als der Begriff der Stadt Lübeck / anzusehen. Diese mächtige Stadt soll endlich / wie Crantz. saget / in grosse Bürgerliche Uneinigkeit gerathen seyn / dann weil Wenden / Wandalier / und Sachsen drinnen wohneten / hat ein jeglicher den Vorzug haben wollen; und die Wandalier haben Haraldum den König von Dennemarck / zun Zeiten Caroli deß Grossen (umbs Jahr Christi 796. ungefähr /) zu Hülffe wider die Wenden geruffen; welche dann auch sich auffgemachet / und die Stadt Winetam sollen zerstöret haben / doch hat wol das Meer den grössesten Schaden dabey gethan / dann dasselbige ist ausgerissen / hat ein groß Theil von den Pommerischen Ländern versencket / und zugleich der Stadt Winerae den Garaus gemachet. Durch solche mächtige Fluten / und Ergiessung deß Meeres / haben unsere Pommerische Länder unterschiedliche mal grossen Schaden gelitten. Und halt ich darfür / daß da jetzund der Pommerische Boden voll Wasser liget / zwischen Rügen / und der Garoischen See / wol vorzeiten schöne Landschafften gewesen seyn; insonderheit weil Ptolemaeus noch zu seiner Zeit / von keiner Krümme deß Pommerischen Meeres gewust. Also / da jetzund das grosse Haff mit Schiffen besegelt wird / ist zuvor Land gewesen / und hat man darauff gepflüget / und gesäet. Und es wissens die so an solchem grossen und frischen Haff wohnen / daß noch immer fort das Land sich mehr und mehr wegspühlet / und das Wasser weiter umb sich frisset. Die Schiffleuthe bekennens auch / daß der Boden eine Anzeigung deß versunckenen Landes von sich gebe. Und dieses saget abermals unser Autor. Aber wieder auff Usedom zukommen / so ist es Micraelius d. lib. 2. p. 221. seq. von der oberwehnten Belager- und Eroberung dieser Stadt / von den Dähnen / und Polen / beschehen / zulesen. Als Bischoff Otto von Bamberg wieder aus Pommern nach Hauß zoge / so hat diese grosse Stadt Ußdom / in seinem Abwesen sich zum Christenthum begeben. Und da er umbs Jahr 1128. wieder in Pommern kam / so haben sich alhie / im Pfingst-Fest / Gräfflich / Adelich / und andere vornehme Personen / so auff dem Landtage alda versamlet waren / tauffen lassen. Anno 1183. ward Usedom vom König aus Dennemarck vergebens belagert. A. 1630. hat der König aus Schweden bey dreytausend Mann auff der Insul Usedom aussitzen lassen / fand aber da keinen Widerstand / und nahm solchen Orth Landes / von sechs Meilen in die Länge / unverhindert ein. D. Daniel Cramer / in seiner Pommerischen Kirchen-Histori / darinn er auch von theils der obern Sachen zulesen / schreibet lib. 2. c. 27. Usedom ist ein beflossen Land in Pommern / welches dem Wollinischen Wer?? zunächst an der Seiten ligt / und durch die Schwyne / welche zwischen beyde Länder hinfleust / an die Ost-Seiten / abgescheiden wird; gegen Sudosten stösset das Frisch-Haff daran; gegen Suden gehet die Peene / gegen Westen ligt das Land zu Rügen. Nordwerts gehe die Balthische offne See etc. Anno 1637. bekamen die Käyserischen nach Einnehmung der Schantze bey Peenemünde / etliche Böthe / und Kahne / zu Hand / setzeten etliche Reuter und Knechte bey zwey tausend / in Eil / auff diese Insul / bemächtigten sich derselben / und macheten die / so sich nicht auff die Swyne retirirten zu nichte. Weil aber hiedurch die Seepässe der Stadt Stetin in grosser Gefahr stunden / wolte General Banier hierzu mit still sitzen / begab sich eilfertig auff Wollin / ??? auch etliche Schiffe von Stralsund / durch Ammiral Blumen herzuführen / und stellete sich in solche Verfassung / daß die Käyserlichen [121] als sie allen Vorrath in dem Lande zu Usedom verzehret / dasselbe wiederumb verliessen. Wer ein mehrers von Usedom / und sonderlich von der gedachten untergangenen Statt Wineta zuwissen begehrt / der lese auch Chytr. in Sax. p. 10. seq. Joh. Ang. à Werdenh. de Rebusp. Hans. p. 3. c. 23. p. 329. C. Ens in delic. apodem. per German. p. 277. Herman. Conringium de Urbibus Germanicis, th. 29 et 86. Und Hermann Bonnum in der Lübeckischen Chronic A. i. ii.