Topographia Hassiae: Allendorff an der Lomb

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aus Topographia Hassiae, Text von Martin Zeiller, Illustrationen von Matthäus Merian
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Allendorf Lom (Merian).jpg
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Allendorff / an der Lomb.


Dieses Stättlein ligt in Hessen / zwischen Marpurg vnd Giessen / welches bloß in einem alten Brieff Villa genendt wird. Auf deme zu nechst gelegenen hohen Burghauß vnd Dorff Nordecken haben vor Alters zwey Gebrüder Landgraffen zu Hessen mit Namen Henrich vnd Herman gewohnet / welche umbs Jahr 1365. beyde benachbarte Dorffschafften Mölnbach vnd Todenhausen von denen angrentzenden beyden Adelichen Geschlechtern Milchling vnd Rabenaw erblichen an sich ertauschet / vnd auß solchen Dörffern dieses Stättlein zusammen zubawen angefangen / auch durch Hülff deß Ambts Burgkemunden vnd Gerichts Lohr einen Graben umb selbiges hero von newem auffwerffen lassen / so aber im Jahr 1525. auff deß Raths underthäniges Anhalten bey dem damahlig regierenden Landts-Fürsten zu Cassell / Herrn L. Philipsen dem ältern / widerumb eingeschleiffet worden. Im Jahr 1370. ist dieser Orth von den Landgraffen mit der Statt Freyheit begnadigt / vnnd umb deß willen / weil es auß vorbenahmten verschiedenen oder Allen beyden Dorffen zusammen gebawet / Allendorff / vnd forters zum vnterscheyd anderer Stätte vnnd Dörffer; welche eben derogleichen Namen tragen an der Lomb genand worden / vornemblich von deme zu nechst daran herfliessenden Wasser / welches gleichfals seinen Namen vom Dorff Lomb / Ampts Grunberg / vberkommen / alldar er sich vrsprünglich samlet / vnd bey dem Adelichen Milchingischen Dorff Dreys hero biß naher Stauffenberg fleust / vnter welchem Stättlein er in die Löhn fället. Hundert vnnd vierzehen Jahr nach dessen Erbawung / benandtlich im Jahr 1479. ist dieses Stättlein durch Donnerwetter angezündet / vnnd beneben dem Rath Hauß in 3. Stunden gäntzlich eingeäschert worden. Wie dann wenigers nicht / nach deme selbiges etlicher massen wiederumb auffgerichtet vnnd gebawet gewesen / im Jahr 1632. durch ein unversehenes angegangenes Fewer abermahls 34. Gebäw darinnen nidergebrandt. Wie auch durch vnderschiedene Kriegs-Zerstöhrung also abgenommen / daß jetziger Zeit kaum der halbe Theil vbrig. Im Jahr 1385. hat der Bischoff Chilian zu Mäyntz dieses Stättlein feindlich vnd mit Kriegsherr vberzogen / worüber ein Freyherr Conrad von Weinsberg damals commandirt / also daß auch noch theils die Feldmarck vmb diesen Orth nach dessen Namen der Weinsberg genand [21] wird. Inmassen auch bey vnsern Zeiten dieser Ort von den Nider-Hessen-Casselischen vnd Schwedisch-Leßlaischen damahls conjungirten Krigsvölckern / nemblich im Jahr 1636. vberfallen / an Pferdten / Viehe vnd anderm außgeplündert / vnterschiedene vnschuldige Leuthe erschossen / da ohne dieses elendem Verderben vorhergehendem 1635. Jahrs die Einwohner durch die gifftige Pestilentz / welche an dem geringen Ort 380. Personen weggerissen / beschwerlich heimgesuchet vnnd in Kümmernuß gesetzt gewesen. Die Kirch allhier soll ein Filial der Kirchen zu Winden / so ein Dorff ohnferrn von hinnen entlegen / gewesen seyn / vnnd hältet man darfür / daß diese Kirche dem Märtyrer Laurentio, vff welches Tag vor altem die Kirchweihe celebrirt / zu Ehren eingeweyhet worden seye. Auff dem ohnweit hiervon gelegenen alten Schloß Nordecken / dessen obgedacht / haben die Rabenawische von Adel dabevor ein Burg-Hauß gehabt / daher sie auch ihren Beynamen führen / vnd sich vonn Nordecken zur Rabenaw schreiben / welches Geschlecht sonsten beneben andern mit der S. Elisabethen / Landgräffin zu Hessen / in Anno 1211. auß Hungern zum ersten in dieses Land kommen.


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