Topographia Hassiae: Schwalbach

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
  ← Schotten Schwalbach Schwartzenborn →  
aus Topographia Hassiae, Text von Martin Zeiller, Illustrationen von Matthäus Merian
      Wikipedia-logo.png   Bad Schwalbach in der Wikipedia      
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).


[T48]
De Merian Hassiae 182.jpg
[122]
Schwalbach.


Zvgenannt LangenSchwalbach / ein der Zeit Herrn Landgraff Ernsten zu Hessen / Casselischer Lini gehöriger / vnd in der Graffschafft Nider-Catzenelenbogen / zwo grosse Meylen von Mäyntz / vnnd Wißbaden / fünff von Coblentz / vnnd sechs von Franckfurt / gelegener Fleck / vnnd weitberühmbter Sawrbrunne. Zwischen dem Rhein / Rhingaw / der Graffschafft Nassaw-Dillenberg / vnnd Nassaw-Idtstein / vnnd Dietz / ligt die Nider Graffschafft Catzenelenbogen / ein Bergig Land; hat aber am Rhein ein herlichen Weinwachs / vnnd im Land gut Getreyd / vnnd viel heylsamer schöner Sawerbronnen. Die fürnembste Häuser / vnd Stättlein / darinnen seyn / Rheinfelß / Braubach / Hohnstein / Catzenelenbogen / Reichenberg / S. Goar / vnd New-Catzenelenbogen. Es wird diese Graffschafft auch der Herrich / oder Einrichia terra, genant. Hohenstein ist ein altes Schloß auff einem hohen spitzigen Felsen / welches Anno 1647. die Nider-Hessischen vff Gnad vnnd Vngnad erobert haben / in dessen Bezirck auch das vhralte StammHauß Catzenelenbogen / vnnd der Fleck LangenSchwalbach / Item das Stifft Bleidenstatt / vnnd der Fleck Berstatt / (davon vnden) ligen. Bey Alt-Catzenelenbogen ist vnden ein Flecklein: auff der Seiten seyn auch Häuser / sampt einer Kirchen; vnd fleusset an dem Schloß Hohenstein die Arde hin / an welches Wasser Graff Wilhelm zu Catzenelenbogen Anno 1371. Burg Schwalbach erbawet hat; darvon in der Limpurgischen Chronic / fol. 51. zu lesen.

Besagtes Langen-Schwalbach ist ein schöner vnnd beruffener Fleck / wegen der vielen Sawerbrunnen / so daselbsten entspringen / vnd ligt in dem Refier / welches man die fünffzehen Dörffer nennet. Der Edlest / allerbest / vnd heylsambst vnder allen Sawerbrunnen ligt bey diesem Flecken im Müntzebach / einem lustigen Wiesengrunde / vnnd entspringt daselbsten / mit einem siedenden Getöß / vnd auffwallen / von Farben schön / hell / vnnd durchsichtig / wie ein Cristall / im Sommer sehr kalt / im Winter aber lawlecht. Ist lieblich / vnnd anmütig / vnd gibt im trincken einen Geschmack eines säwrlichen newverjarnen Weins. Derowegen er auch der Weinbrunn pflegt genannt zu werden. Je heller der Himmel / je kräfftiger die Würckung / vnd Geschmack / etc. Es hat im Ampt Hohnstein auch Eysengruben. Vnnd ist da das MünchsCloster / jetzt Land-Hospital Gruna / so eines auß den vier hohen Hospitalen; dabey auch ein Sawerbrunn; vnd ligt ein halbe Meyl von diesem Closter der alt vnnd schöne Fleck Nastede / wie auch das Dorff Holtzhausen / bey welchem ingleichem ein herrlicher Sawerbrunn. Der Schwalbacher Sawrbrunn geht allen andern vor / wie selben sehr weitläufftig D. Dieterich von seinem Patria Tabernemontanus genant / vorlängsten beschrieben. Nach diesem hat auff Ihr Fürstl. Gnad. Herrn Landgraff Georgens Befehl ihn vielfaltiger Chimischer weiß probirt / vnd in einem Lateinischen Discurs beschriben D. Helvicus Dieterich / damaliger Landgräfflicher Leib-Medicus / jetzo bey ChurBrandenburg in Diensten. Nachgehends hat ihn auch Herr D. Hornick beschriben / so nicht allein auß obbemelten das meiste gezogen / sondern auch selbst viel darzu gethan. Auß allem ist der Extract folgender massen zu vernehmen:

Langen-Schnwalbach / der wegen seiner fürtrefflichen heylsamen Brunnen / vnnd Bädern / berühmbte Fleck / ligt in

[T49]

Alt-Catzenelnbogen (Merian).jpg


Hohenstein (Merian).jpg

[123] Herrn Landgraff Georgen zu Hessen Gebiet / nemblich in der Nidern Graffschafft Catzenelenbogen / zwo grosser starcker Meyl von Mäyntz / vnnd Wißbaden / 5. Meyl von Coblentz / etwas weiter von Trier / vnnd 6. Meyl von Franckfurt am Mayn. Hat seinen Namen von Schwalben / vnnd denen Bächen / so theils durch / theils vmb den Flecken fliessen / bekommen; gestalt solches auß den Wapen / dessen sich selbiges Gericht gebraucht / auch an Vhrzeigern / vnnd andern Orthen / offentlich angemahlet / gefunden wird / abzunehmen / vnnd wird Lang genennet / damit er von andern Flecken Schwalbach / so an der Höhe / nicht fern von Königstein / Cronberg / vnnd sonsten / ligen / als Burg-Schwalbach / Klein-Schwalbach / vnderschieden werde: Sintemahl Langen-Schwalbach (Ober vnnd Vnter Fleck zusammen gerechnet) ohngefehr 1400. Schritt lang ist / vnnd allenthalben mit trefflichen hübschen Wiesen / anmüthigen Thälern / lustigen Bergen / schönen Hügeln / fruchtbahren Aeckern / etc. vnnd Bächen / also vmbgeben / daß man sich nach aller Hertzens Begierde darinnen / vnnd darbey / erspatzieren / vnnd erlustiren kan. Ist das Haupt der 14. Dorff.

Die Lufft ist so gesund / vnnd gut / daß beydes Menschen vnd Viehe / sich sehr wol darbey befinden / vnnd an Alter / vnnd Stärck / vor andern zunehmen. Die Einwohner brauchen zum täglichen Tranck den Linden-Brunnen. Seynd gemeiniglich magere / doch gesunde starcke Leuth / vnnd höret man nimmer / oder doch ja wunder selten / einen der ihrigen vber Flüß / Hauptschmertzen / Magenwehe / Hitze der Leber / Miltzes / Verstopffung / Stein / Fieber / etc. sich beklagen.

Das Fleisch (bevorab von Hammeln) ist auff viel Meyl wegs nicht so lieblich / als daselbst / ohn zweiffel / weiln das Viehe der kräfftigen Kräuter / vnnd Blumen / bevorab deß Quendels / welcher in grosser Menge allda auff den Bergen wächset / geniesset.

So darff man sich auch / wann es schon in der grossen Sommer-Hitz ist / keines stinckenden Fleisches besorgen: Dann wann man das frische Fleisch in einen Keller thut / darinnen sich Dünste / vnnd Spiritus, von Sawer-Bronnen befinden (innmassen dann solcher Keller in Schwalbach viel seynd) so bleibt es schön / frisch / vnnd gut / wachsen auch keine Würme darinnen. Ebner gestalt bleibt kein Wurm in den Käsen / wann sie in solche Keller gethan werden; sondern springen darvon / vnd sterben; Wie dann von solchen Dünsten auch wol Vögel im Flug / so man sie hinein läst / ersticket werden. Ja / keine Ratte / Mäuß / Fliege / oder Schnacke / darff sich herbey machen / wann sie lebendig bleiben will. Also werden / so weit die Sawrbrunnichte Spiritus sich außbreiten / keine Schlangen / Blindschleichen / Eydechsen / Krötten / oder andere gifftige Thier / vnnd Vngezieffer / innsonderheit was von Fäulnuß wächst / gefunden.

Das Brodt ist solches trefflichen Geruchs / vnnd Geschmackes / daß man es auff etliche Meyl wegs herumb / da doch sonsten auch sehr gut Brodt zu finden / zum Praesent verschicket.

So hat man allda junge Hanen / vnnd Hüner / dergleichen Eyer / Butter / Vögel / etc. in der Menge; Wiewol bey dem Kriegswesen solche Menge / zusampt andern nothwendigen Sachen / als Bethtungen / Haußrath / etc. sehr gering worden.

Von Fischen hat man Forellen / Krebs / Salmen / Grundeln / etc. Dann das Wasser / wie es von der Müntzenbach / da die stärcksten Sawerbronnen seynd / herab fleust / verlieret seine säure vnd schärpffe / zusampt dem Liechtrothen Minerischen Schleim / also / daß man Fisch darinnen findet; obwol auff etliche Schritt darvon / oder an dem Vrsprung / keine Fisch gefunden werden; sondern / wann man sie / oder auch Krebs / Frösch / etc. daselbst hinein wirfft / sie ersticken / vnd sterben.

So ist an andern Victualien auch kein mangel / ohne an etlichem Gemüß / welches aber doch die Brunnengäst / nach genügen mit sich zu bringen pflegen.

Die Herbergen werden von Tag zu Tag gebessert / vnd ändern auch die Einwohner von Tag zu Tag ihre Sitten / daß sie den zukommenden Brunnen- vnd Badgästen je länger / je mehr / allen gutten Willen / Dienst / vnnd Handreichung mit Betthwerck / Küchengeschirr / etc. der Nothturfft / vnd ihrer Vermöglichkeit nach / vmb billiche

[T24]
Gruna (Merian).jpg

[124] Belohnung / also leisten / vnd erweisen / daß niemand / der sich nur begnügen lassen will / zu klagen haben mag.

Es befinden sich inn / vnnd vmb Langen-Schwalbach / vnderschiedliche Sawerbrunnen / deren jeder seinen besonderen Namen hat; Als:

1. Der Linden-Brunnen / von einer Linden also genandt / der wird von den Einwohnern / weiln er am nechsten gelegen / mehr als die andere / wie oben albereit gemeldt / zum Tranck gebraucht. Vnnd ob er zwar / wann er eine Nacht in wolvermachten steinern Krügen (in Gläsern hält er sich nicht / weil er propter spirituum copiam sie zerreist) in einen Keller gestellet wird / besser / stärcker / vnd lieblicher / zu trincken ist / als wann er erst frisch geschöpffet worden / bleibet er doch im vber Feld führen bey weitem nicht so lange gut / als der Weinbrunnen. Sonsten ist er / wegen daß er mehr Mineralischen Lettens / vnd Schieffers / in sich hält / äusserlichen zu gebrauchen dienlicher / als andere Sawerbrunnen / vnd laxiret sehr.

2. Der Stockbrunn / welcher ohngefehr zwantzig Schritt von jetzt besagtem Lindenbrunnen / den Flecken hinauff / ligt / kan zu äusserlichen Schäden / wol gebraucht werden.

3. Der Kochbrunn ist im vntern Flecken wie ein Schöpffbrunn eingefast / vnd wird / wegen deß Zuflusses eines andern süssen Wassers (dessen sonst wenig im Flecken ist) allein zum Kochen gebraucht / daher er seinen Nahmen bekommen hat.

4. Der Küchenhenßgenbrunn / von theils Küchenbrunn genannt / vnnd der die Müntzenbach hinauff / in einer Wiesen / auff ohngefehr fünffhundert Schritt gehens vom Weinbrunnen gelegen.

5. Der Augstbrunn / auch in gedachter Müntzenbach dem Wiesenthal hinauff / ohngefehr drey hundert vnnd achtzig Schritt / von jetzt berührtem Küchenhengensbrunnen ligend / vnnd der mit grossen Steinen eingefast / ist dem Wein-Brunnen zimblich gleich.

6. Der Sporeshoretz / oder Horesbrunn / auff dreyhundert Schritt von dem Augstbrunnen die Müntzenbach hinauff sich befindend / gleichet dem Weinbrunnen am meisten / daher ihn viel frembde Leuth / so selbiger Orthen hinauß wohnen / anstatt deß Weinbrunnens / der nähe halber / holen.

7. Der Grindbrunn vnderwerts am Ende deß Wiesenthals / die Rötelbach genant / nach dem Flecken biß auff hundert Schritt zu ligend / verursachet den Grind / vnnd heilet ihn auch wider: Ist wider flüssigen beissenden Grind / Frantzosen / etc. ein herrliche Artzney.

8. Der Katzenbrunn zwantzig Schritt von dem vorigen / ist in keinem Gebrauch.

9. Der Rötelbrunn von dem Rötelbach also genant / ligt auff vierhundert vnd zwantzig Schritt vom Grind-brunnen / wird in Haupt-Schwachheiten / vnd Flüssen / deßgleichen in dem weissen Mutterfluß / auffstossen der Mutter / etc. gebraucht.

10. Der Wein-Brunnen welcher vorbesagte Brunnen sämptlich vbertrifft; daher er auch zur Praeservation / vnnd Curation / Jährlich vor andern von viel hundert Persohnen besucht / vnnd gebraucht wird.

Er entspringt oberhalb dem ober Flecken / ohngefehr fünfftzig oder sechtzig Schritt davon / an einer schönen Wiesen / bey nahe am Ende der Müntzenbach auff der lincken Hand / wann man auß gedachtem Flecken bey dem Fürstlichen Schlößlein herkompt; vnden bey der Strassen / da man nach Wißbaden / vnnd Franckfurt reyset / auß einem Berg / mit einem lieblich anmüthigen / auch gleichsam siedenden Getöß; Die Adern vnnd Quellen seynd vber die massen starck / das Wasser selbsten / (im Sommer bevorab) sehr kalt / von Farben vberauß schön / hell / wie ein Crystall durchscheinend / zu trincken gar lieblich (wiewohl es einem Anfangs seltzam vorkompt /) am Geruch starck wie ein newer verjährter Wein / also daß man bißweilen meynet / man wolt niessen.

Solchen Geruch / beneben einem etwas BergCampherischen / vnnd Agtsteinischen / empfindet man auch / wann man es getruncken hat / vnnd auß dem Magen vber sich steigen läst. Dem Geschmack nach ist es trefflich frisch / schärpffend auff der Zungen / vnnd etwas Weinsäwerlicht; daher ihme auch der Name deß Weinbrunnens gegeben worden.

An. 1569. hat dieser Wein- oder Sauerbrunn / [125] wie weitläufftig Tabernae Montanus meldet / in rechten Gebrauch zu kommen angefangen. Allernechst bey diesem Brunnen ist ein ziembliche grosse Quell Sawerwassers außgebrochen / welche Herr Adolph / vnnd Herr Ernst Gebrüdere / Graffen zu Solms / etc. vor vielen Jahren sauber mit Steinen Platten einfassen lassen / auff daß das Volck / so den Weinbrunnen zu holen kommet / seine Gefäß zuvor darauß schwencken vnd säubern möge.

Also haben sie auch den / von dem sich weit außbreitenden Wasser / naß- vnnd sümpffigen Boden / rings vmb den Brunnen herumb / mit Platten belegen / vnnd pflastern; wie auch ferrner fast vmb den halben Theil deß Brunnens einen steinern Sitz / darauff man nieder sitzen / ruhen / vnd beydes für der Sonnen Hitz / vnnd dem Regen / sich beschirmen könne / gegen dem Berg zu / auffführen vnnd machen lassen / so vor etlichen Jahren wider ernewert worden. Vnnd wird der breyte Schopff vber diesem steinern Sitz an dem Brunnen Jährlich schön lüstig vernewert / vnnd mit frischen Meyen / oder Laub gezieret: Wie dann auch noch darbey ein wol auffgebauwet Häußlein / vnnd darneben eine grosse Hütte von lauter frischen Meyen gemacht / für hohe Persohnen / etc. vmb sich für der Sonnen Hitz / vnd Regen / desto baß verwahren / mit schiessen / etc. sich zu belustigen / oder aber auch absonderlicher Discurs zu pflegen.

Die auß der Müntzenbach zusammen lauffende Sawer-Brunnen machen eine zimbliche Bach / welche zu grosser der Einwohner Bequemlichkeit durch den Flecken fleust. Auß solcher trincket ihr Viehe; frembdes Viehe aber will darauß nicht trincken.

Je ferrner nun jetzgedachte Bach fleust / je süsser dz wird; also dz vnter einem gemeinen vnd wilden Wasser kein Vnderscheyd zu spüren / ohn allein / daß es ein wenig nach Eysen schmecket.

Besagter Weinbrunn hält vornemlich Eysen-Vitriol / alsdann gemeinen Vitriol / darnach Berg-Agstein / fürters Crystall / Saltz / Ocker oder Vger (ein gelbes Erdreich / daher es auch Berggelb / vnnd Ockergelb genant wird) vnnd Schweffel; Letztlich Alaun / vnnd Salpeter / wunderbarlichen durch einander vermischet.

Er ist weder zu hitzig noch zu kalt / er trucknet vnnd verzehret / zertheylet / löset auff / stärcket / in dem er zusammen ziehet / resolviret / waschet ab / eröffnet / purgieret / vnnd stopffet gleichwol auch den Bauch; Dannenhero vertreibet er so wol die kalten / als hitzigen Flüß deß Haupts / wie auch den Schwindel / Hauptwehe / schwer Gehör / rinnende Augen / vnnd die schwere Noth / oder hinfallende Sucht / bringet den Schlaff / vnnd dem Angesicht seine Lebhaffte Farb wider / stärcket das Zahnfleisch; dem vbrigen Schlaff / welcher offt im Tag kommet / wehret er mit gewalt.

Also verhütet er viel Lungen- vnnd Schwindsuchten / reiniget die Lung von zähem Schleim / ablöset / vnnd zertheylet / macht außwerffen / vnd ein leichten Athem / benimmet die Engbrüstigkeit; jedoch so fern die Lung nicht allbereit gantz / oder zum theil faul / mürb oder eytericht ist.

Er stärcket auch den blöden Magen / vnnd ist für allerley Magen-Schwachheiten; doch muß man in der rothen Ruhr vnnd in dem Grimmen verständig verfahren.

Ist herrlich in Leber-Schwachheiten / wider Wasser- vnnd Geelsucht / vnnd Miltz-Schwachheiten. Er stewret der Schwartzensucht / vnnd dem Schorbock. Wider die Hypochondrische stäts quälende Schwachheiten ist dieses Wasser vor andern ein extraordinari stattliche Artzney / welches bißhero viel tausend Menschen mit grossem Nutzen erfahren.

Er ist wider die Nieren / vnnd Blasen-Schwachheiten: Geburts-Glieder: Nerven: SennAdern-Schwachheiten; deßgleichen wider allerley Fieber / steuret dem Rothlauff / vnd der jenigen Hitz / so von zu viel Weintrincken entsprossen.

Er vertreibt auch ferrner allerley äusserliche Schwachheiten / auch den Außsatz / welcher noch nicht eingewurtzelt. Wider die Weibliche Schwachheiten ist er ein berühmbte Artzney.

Was die Bäder / oder den Prodelbrunnen / allhie anbelangt / so seyn es kalte Brunnenquellen / welcher Wasser [126] aber gewärmet / vnnd zu Baden / mehrentheils gebraucht wird. Solcher Bronnen seyn zu Langen-Schwalbach fürnemblich zwey / deren der eine der alte; der ander der newe; weil er newlich 1628. auff D. Gregorii Horstii angeben gegraben worden / recht vnter dem Schweffel Keller gegen dem alten vber / genannt wird. Beyde haben den Nahmen von dem Prodeln bekommen. Dann sie prodeln im vndern Flecken / gegen der rechten Hand zu / wann man vom ober Flecken herab kompt / vnder dem Kochbrunnen / mit einem solchen siedenden Getöß auß der Erden herauß / als wann etwan ein groß Fewer darunter were. Der alte ist vber neun Schuch tieff / vnd drey breit / hell / klar / durchsichtig / vnnd kalt / also daß man auch in dem Sommer den Wein darinnen zu kühlen pflegt. Hat von der Quellen einen solchen starcken trieb / daß er / dem ansehen nach / wol ein Mühl-Rad treiben möchte; doch laufft solch Wasser nicht auß; sondern wie es auff der einen Seiten herauß prodelt / also verliehret es sich auff der andern wiederumb; vnnd welches zu verwundern / bleibt der Brunn doch eben voll Wassers / lässet sich / wie auch der newe / in einer kurtzen Zeit außschöpffen / biß auff den Grund / vnnd wird kaum in Tag vnnd Nacht wiederumb voll.

Dann was die starcke Minerische / vnnd Metallische Spiritus, vnnd Schwädder / mit Gewalt / wie ein Wind herauß treiben / das verschlucket das Erdreich meistentheils wiederumb / derowegen es so langsamb mit dem Füllen hergehet.

Gedachte Schwädem seynd so starck / daß / wann einer das Angesicht darüber hält / vnnd etwan den Mund offen hat / ihm anderst nicht wird / als wann er ersticken müste. Wie in etwas bey dem Bollerbad gespüret wird / so sonst nach Schweffel starck ri[e]chet[ws 1] / wie das Abacher nach gerösten Eyern.

Gleich wie nun ein Fränckische Fraw von Adel / welcher bey ihrer Hochzeit Gifft beygebracht worden / darvon sie gantz an Händ vnnd Füssen / erlahmet / den Wein-Brunnen am ersten gebraucht; Also ist ein vornehmer Handelsmann von Heydelberg / Namens N. Heberlein: der erste Badgast gewesen / welcher seine Arm / so von dem Gifft sehr Contract waren / mit solchem Wasser fein warm vnnd fleissig / mit empfindlicher Besserung gewaschen.

Der newe Prodelbronn ligt nahe bey dem alten / vnd ist dem alten an Geschmack / Geruch vnnd Qualiteten gleich. In der Prob befindet sich zu forderst der Alaun / darnach Schweffel / zum dritten Salniter / oder Salpeter / zum vierdten das Crystall Saltz / zum fünfften der gemein Vietriol / zum sechsten der Eysen Vietriol / zum siebenden Kupffer Vietriol / zum achten das Erdbech / zum neunten ein kalckichte Erde.

Diese Wasser ändern sich nicht nach dem Wetter / wie das Berstadter vnnd ander Wasser / sondern bleiben in einem thun / wie das Margareten Bad in Nieder Baden.

Sie trücknen die Hauptflüß vber die massen; wehren dahero dem Schwindel / der Melancholey / Schlaffsucht / Schlag / Gicht / Zittern / Schweren Noth / sausen vnnd brausen der Ohren / dunckelen Augen / helffen der Mundfäul / wie auch Fäulung der Biller / vnnd vestigen die Zähn. Dem blöden / kalten / vnnd Schwachen Magen seynd sie / gleich wie auch allen von Erkältung geschwächten / vnnd erlahmbten Gliedmassen / ein berühmte Artzney. Innerliche obstructiones der Leber / deß Miltzes / vnnd Kröeßgeäders / öffnen sie sehr fein. Sie dienen vor Darmgicht / vnnd Grimmen / von kalter Materi; wie nicht weniger für Schwinden vnnd Abnehmen / wann nur kein Fieber darbey ist. Auch führen sie nit allein den Sand / Grieß vnnd sonsten zähen Schleim / sondern auch Stein in Nieren vnnd Blasen auß: Vertreiben die Geschwulst / so die Natur / nach Vberwindung einer Kranckheit / oder bösen Materi / auß dem Leib / in ein / oder ander Glied getrieben; wie auch die Wassersucht / wann sie nicht gar vberhand genommen. Sie heylen offene Geschwär / oder Schäden / sie seyen alt oder new; Ingleichem allerley Vnreinigkeit / Grind / Räude / beissen vnnd jucken der Haut / sampt dem Schorbock. Sehr viel Podagrämische / Contracte / erlahmte / etc. welche man in das Bad tragen vnnd heben müssen / seynd mit ihrer selbst eygenen grossen Verwunderung widerumb gesund worden: Wie auch einer am Bruch. [127] Wider der Gülden Adern Schmertzen / etc. seynd sie gleichfals sehr dienlich: Auch kommen sie allerley Weiber-Schwachheiten zu hülff / vnd machen fruchtbar / etc. vnd können zu vnderschiedenen Affecten auch getruncken werden / sonderlich in harten obstructionibus.

Die Responsa Medica de probatione, facultate, et usu Acidularum ac fontium Schwalbaci susurrantium, a celeberrimis aliquot Medicis ad D. Helvicum Dietericum etc. scripta, seynd zu Franckfurt An. 1631. in 4. getruckt.

Vnnd wird in solchem letztern Tractat auch deß Schweffel-Kellers allhie gedacht; von welchem ein günstiger Herr / vnnd guter Freund den 3. Augusti deß sechszehen hundert ein vnd viertzigsten Jahrs / also geschrieben: Wegen deß Schweffel-Kellers zu Schwalbach / hat es diese Beschaffenheit / welches ich selbsten gar vielmaln allda gesehen.

Es ist ein schlechter Keller in eine Bawren Hauß / beseits deß Fleckens / am Berg / welcher nicht sonders tieff ist / da man hinein gehet / vnnd sich eines Vatter vnsers lang saumet / fält / oder sincket man zu boden. Dann selbiger starcke Schweffelgeruch / so auß der Erden herfür kompt / erstrümpft den Menschen allen Athem / gleich wie der newe Most / so er giret / im Herbst in den Kellern thut / vnd sich darinn niemand saumen kan. Wann man sich aber gleich im hinein gehen mit dem Angesicht etwas zu der Erden bucket / so sticht der Schwebelgeruch dermassen in die Nasen / daß er vnerträglich ist / vnd sich nicht wol einer von einem End zum andern zu gehen trawen darff; wiewol der Keller klein ist. Da man ein Hun / oder Hund / oder ander klein Thier / an ein Schnur bindet / vnd es hinein wirfft / fält es bald in Ohnmacht / vnnd bleibt also für todt ligen; wann mans endlich mit der Schnur wider herfür zeucht / vnnd auff den Boden legt / da guter Lufft ist / vnd alsdann mit einem Geschirr voll Wassers begeust / so kompt seine LebensKrafft wider / vnnd laufft endlich wider davon. Diß hab ich / seint zehen Jahren / gar vielmahlen sehen probieren; Aber jetzunder ist dieser Keller / wie auch das Hauß fast verfallen / vnd kan man zur Stigen nicht mehr herunder kommen / vnnd ist selbiger Flecken nicht halber mehr bewohnet / wegen viel außgestandenen Einquartierens etliche Jahr vber nach einander / also daß in diesem Hauß / vnnd den andern da herumb / niemand mehr wohnet. Es ist aber / wie ich schreibe / wahr / dann ichs neben vielen hundert Menschen / selbsten alles gnugsamb gesehen.

Nicht weit von diesem Keller / an dem Berg / da gibt es einen feinen Echo / allda ein Höltzin Pfosten auffgericht / welcher gar klar antwortet / vnd vernimbt man drey oder vier Silben von dreyen Seiten. Es hat noch an andern Orthen daherumb viel Echo / aber dieser ist der beste. Es gibt viel Berge vnd Thal aller seiten; vnd die Leuthe / so allda die Brunn- vnnd Bad-Cur halten / haben offt daselbst ihr Kurtzweil / etwan mit Trompeten vnd anderm / etc. Auß welchem / vnnd auch dem vorgehenden / zusehen / daß vnsere Teutschen auch in ihrem Vatterland allerhand denckwürdige Sachen in Acht zunehmen / vnnd sie nicht so einen weiten Weg biß nach Puzzuolo im Königreich Neapolis, die Schweffel-Keller / vnd das Hundsloch / zu besichtigen / reysen dörffen. Es hat zu Langen-Schwalbach eine feine Kirch / vnd ein Fürstlich Landgräffisches Hauß.

Ehe vnd zuvor der Wein-Brunnen allhie bekandt vnd in Gebrauch kommen / haben sich die Einwohner oder Bürger dieses Orths / (wie sie sich nennen) deren vber die hundert Haußhaltungen es allhie gehabt / mit dem Tuchmachen vnnd Wollenweben ernehret / vnnd Jährlich ein grosse Anzahl Tücher verfertiget / solche in beyde Franckfurter Messen verkaufft / vnnd nicht geringen Nutzen geschafft; Nun aber seythero der Brunnen zu FriedensZeiten / in so grosser Anzahl Volcks / Jährlich den gantzen Sommer vber besucht wird / dahero dem Inwohner grosser Nutzen zu kommet / haben sie das Tucher machen allgemach fallen lassen / daß man anjetzo nit einen Wollweber mehr da findet; der Orth ist dahero gar schön vnd wol erbawet / mit vielen grossen vnnd bequemen Häusern vermehret worden. Anno 1632. vmb Johanni ist durch einen Soldaten ein Schuß nach einem Vogel geschehen / so ein StrohTach auff einer Schewren angezündet / davon in einer Stund 50. Gebäw in dem vndern Flecken abgebronnen. [128] Ein Stund von diesem Schwalbach ligt der Flecken Berstatt / so vor Zeiten / als die Römer Wißbaden bekommen / eine grosse Statt gewesem. Eine halbe Stundt davon ist eine Milchwarme Quell / dem Pfeffers Badwasser gleich: Der Ablauff solcher Quell / fället in ein fürfliessendes Bächlein / darinn viel Krebs gefangen werden / deren die ober der Quell im Sud roth / die andere vnder der Quell gefangene aber gelb werden. Dieses Bächlein theilet die ChurMäyntzische vnd Hessische Lande der Orths von einander / vnnd vnfern davon grentzen auch zweyer Graffen von Nassaw Lande mit diesen / dergestalt / da man in mitten dieser Grentzscheyduug einen Tisch setzen würde / vier verschiedene LandHerren / jeder auff seinem Grund vnd Boden / daran sitzen köndten.

Anno 1653. den 3. Septemb. New. Cal. ist allhie / zu Schwalbach / deß Herrn Philipp Wilhelmen / Pfatzgraffens bey Rhein / vnnd Hertzogens in Bayern / etc. zu Newburg Fürstlich Beylager / mit der Fräwlein Amelia / Landgräffin zu Hessen / Darmbstättischer Lini / gehalten worden.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Zeichen unleserlich
  ← Schotten Schwalbach Schwartzenborn →