Topographia Palatinatus Rheni: Wißloch

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Wißloch (heute: Wiesloch)
<<<Vorheriger
Wisenbach
Nächster>>>
Woghäusel
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1645, S. 95.
Wikisource-logo.png Wiesloch in Wikisource
Wikipedia-logo.png Wiesloch in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T42]
Wißeloch (Merian).jpg
[95]
Wißloch / Wißeloch.

Ein Chur-Pfältzisch Städtlein / eine Meil Wegs von Sintzheim / an dem Elsaß / 2. Meil von Heydelberg / und an einem Ende deß Craichgöws gelegen. Ich achte / sagt Münsterus in seiner Weltbeschreibung / daß der Fleck Walddorff / und die Stadt Wißloch / die ältiste Flecken seyen / so die Pfaltzgrafen umb Heydelberg haben gehabt. Dann ich find auch / daß Pfaltzgraf Rudolph / Käyser Ludwigs Bruder / bey Wißloch gewohnt / und Hoff gehalten hab / ehe die Schlösser zu Heydelberg seynd gebauet worden.

In einer geschriebenen Verzeichnuß stehet / daß allerst Churfürst Pfaltzgraf Ruprecht der Aeltiste / Anno 1360. solchen Ort umbmauren lassen / und allda gewohnt habe. Nahe diesem Städtlein / bey Mingelsheim / hat sich Anno 1622. im April / ein Treffen / zwischen dem General Graf Tilly / und dem Manßfelder / erhoben / da Tilly / mit Verlust vieler auß den seinigen / nach Wimpfen hat weichen müssen. Und hat Manßfeld etliche Fähnlein / 4. Stuck Geschütz / und etliche vornehme Bäyerische Officier / bekommen: Hergegen von den seinigen auch nicht wenig verlohren; so beederseits mehrentheils / auß einem Irrthumb geschehen; wie in besagtem Bericht stehet.

Anno 1632. im Julio / hat der Heydelbergische Stadthalter / Herr Heinrich von Metternich / diß Wisseloch / so 2. Monat zuvor von den Schweden war eingenommen / belagert; ist aber vom Feldmarschall Horn entsetzt / und seynd die Heydelbergische verjagt: Darauff bey gedachtem Mingelsheim tausend Käyserische Pferd zertrennt / und wol 200. Reiter erschlagen worden; weiln der Käyserisch Obriste Montbuillion, mit den Harancourtischen Curassiern vermeynt / die Heydelbergische hätten Wisseloch eingenommen / und würden nun von den Schwedischen wieder belagert / daher er sie entsetzen wollen / wie abermals gedachte Verzeichnuß berichtet. A. 1645. ergab sich dieser Ort alsobald den Frantzosen / die aber ohnlängst hernach / noch in diesem Jahr / denselben wieder den Käyserisch- und Bäyerischen auff discretion, mit ihren Personen / übergeben haben. Es ligt in dieser Gegend auch der obbesagte Flecken und Ampt Walddorff; von welchem D. Leonhard Wurffbain / in seinen Relationibus schreibet / auß Münstero und Paraeo, in Historia Palatina, daß selbiges in der Untern-Pfaltz gelegenes Ampt / von dem Reich / in dem Jahr 1230. an die damals gewesene Pfaltzgrafen und Churfürsten bey Rhein / kommen; bey denen es auch diese Zeithero verblieben seye. Ein Stund von Walddorff / am Wald Lußart gelegen / das etwan A. 638. ein Jagthauß gewesen / dabey A. 750. ein Kirch erbauet worden / seynd 3. Pfältzisch ins Ampt Heydelberg gehörig Dörffer / Reutlingen / Hockenheim / Wersaw / am Anstoß deß Prurheins / so A. 1286. von Speyer an die Pfaltz / umb 600. Pfund Heller / Kaufweiß kommen / außgenommen / das Lehen am Schlößlein Wersaw / so dem Pfaltzgrafen zu Lehen verliehen. Es haben darzu / wie auch nach Wisseloch / etlich gewisse Leut gehört / so man KönigsLeut nennet / vermuthlich daher / weil ihre Voreltern mit Käyser Ruperto, Pfaltzgrafen / in Italiam gezogen / und folgends sie / und ihre Erben / der gemeinen Landsteuer seynd befreyet worden / davor sie ein siebenjährige Königsteuer geben; hergegen ihnen Pfaltz alle 7. Jahr eine Mahlzeit gereicht hat. Wegen der Reichsteuer aber haben sie von 100. fl. Häuptgeld 5. Batzen geben.

Drey Viertel Stund von Wisseloch ligt Nußloch / so von den Grafen im Craichgöw / an die von Liechtenau / und von denen an Pfaltz pfandweiß kommen: Münsterus schreibt / daß Anno 1256. Pfaltzgraf Ludwig Nußloch gekaufft / von Heinrichen von Lichtenau: Leimen / und Sandhausen seyen von Philippen / Hn. zu Bolanden an die Pfaltz kommen. Es ligt besagter Flecken Laimen / (von theils Leymen / Leinen / 1½ Meilen von Heydelberg gelegen / genant /) ein halbe Stund von Nußloch / in welches Gegend / in den Weingärten / noch bey unser Zeit / alte zerfallene Gewölber / und Gemäuer / wie auch verborgene Gäng / unter der Erden / gesehen worden. Nächst bey Laimen ligt das grosse Dorff Rohrbach / daselbst ein Centgericht ist.