Topographia Saxoniae Inferioris:Itzeho

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Topographia Germaniae
Itzeho (heute: Itzehoe)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1653, S. 147–148.
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Itzeho / Itzehoa / Idshoa.

Von dieser Statt schreibet Andreas Angelus, in seiner Holsteinischen StättChronick / vnder anderm / also: Wannen der Name Itzeho seye / kan ich nicht wissen. Was aber den Erbawer dieser Statt anlanget / haltens etliche darfür / daß sie Hertzog Luderus,oder Lotharius, Hermanni Bilungi Sohn / Hertzog in Sachsen / Graff in Holstein / Stormarn / Ditmarschen / Wagrien / vnd Staden / zur Zeit Käyser Otten deß Dritten / gebawet habe. Wie dann dieser Meynung auch ist Herr Heinrich von Ranzawe / Königlicher Dännemärckischer Statthalter in dem Hertzogthumben Schleßwick / vnnd Holstein / welcher / in seinenr Encomiis Urbium Holsatiae, hievon also schreibet:

Bellingo Duce Saxoniae munita Ludero
Sum, quando Caesar tertins Otto fuit.

Graff Adolph in Holstein / diß Nahmens der Vierte / hat ihr / im Jahr 1233. sehr auffgeholffen / in dem er sie mit Wälden etc. reichlich begabet / vnnd mit StattRecht bewidmet: Vmb welche Zeit sie auch mit einem gewaltigen Graben ist befestiget worden: Dessen Sohn Gerhardus / diß Nahmens der Erste (Etliche nennen ihn vnrecht Burchardum) / hat das JungfrawenCloster daselbst gestifftet / in welchem er auch / sambt vielen andern Fürstlichen Personen / hernach begraben worden. Es liget aber Itzeho in der alten Graffschaft Stormarn / am Wasser Störa / davon das gantze Land vmbher Stormaria genennet wird. Hertzog Woldemar zu Schleßwick / diß Nahmens der Ander / als er wider Graff Adolphen den Dritten in Holstein / kriegete / vnd der Graff gegen Hamburg entweichen muste / rückete der Hertzog fort/ vnnd eroberte Itzeho / neben andern mehr Stätten / in Wagria / vnd Stormaria. Als hernach / zur Zeit Adolph deß Vierten / Graven in Holstein / die Dännemärcker diese Statt überzogen / einen newen Wall darfür auffwurffen / vnd eine Brücke über die Störa zu ihnen hinein macheten / vnnd sie mit Gewalt davon stürmen wolten / da sagt man / daß die Störa / zweymal in einem Tage / sich so hoch erhaben / daß sie an die Brücken heran gangen / dieselbe eingerissen / die Bürger also geschützet / vnnd den Dännemärckern den Weg verlauffen habe. Derselbe Tag war der neheste Tag nach Mariae Geburt / welcher noch / biß auff den heutigen Tag / bey ihnen genant wird der Bürger Tag. Dieser Statt Wappen / oder Insiegel / ist eine Burg von zween Thürmen / in derer Mitten ein Nesselblat stehet. [148] Biß hieher Angelus. Johannes Isacius, Pontanus. lib. 6. rerum Danicarum setzet oberwehnte Geschichten in die Zeit / da König VValdemarus II. in Dänemarck / auß deß Graven von Suerin Gefängnuß / Anno 1226. an S. Thomas Tag / erlediget / vnnd er seiner Zusag / vom Papst Innocentzen dem Dritten / weil solche in der Gefängniß geschehen / ledig gezehlet woden / daß er darauff Itzeho / vnnd andere Holsteinische Stättlein / geplündert / vnd angezündet habe; aber im Jahr 1227. auff dem Bornhovedischen Felde / von den Sachsen hart geschlagen / vnd / das folgende acht vnd zwantzig Jahr / Itzeho von ihme zweymal vergebens belagert worden seye. Dann die grosse Herren in Holstein Itzeho wider zu befestigen angefangen / vnd darinn sich wider den König gewehret hatten; daß daher / wie andere sagen / obgedachte Jahrs-Gedächtnuß entstanden. Georg. Braun / im 4. Theil seines Stättbuchs / vnnd daselbst auch im Register / vnd die newlichste Scribenten / vnnd Relationen /berichten; So seye diese Statt deß schönen Lagers / der Schiffarth / vnnd Kauffmanschafften halber / berühmbt; vnnd gehöre der Zeit dem König in Dännemarck; der besagte Schiff- vnd fischreiche Fluß Stoer / oder Stora / vmbgebe sie auff allen Seiten: Er entspringe aber zu innerst in Holstein / empfinde / wie fast alle andere Wasser in Holstein / die Meeresflut / oder den Ab- vnnd Zulauff deß Meers / auff etliche Meil Wegs; lauffe bey etlichen Stättlein / vnd dem vornehmen Ranzawischen Hause Bredenberg vorüber / komme folgends in die Elb / vnnd mit solcher in das Meer: Die Wenden / wider welche obgedachter Luderus Bilingus, vmbs Jahr Chrsti ein Tausendt / Itzeho zu befestigen angefangen / hätten Sie vnder der Regierung Käysers Henrici II. nicht zu erobern vermöcht: Ausser der Statt lige das auch obangedeutete Closter / darinn noch heutigs Tags 21. Adeliche Jungfrawen (deren Aebbtissin Anno 1645. eine Fürstin von Holstein gewesen) in Nonnen-Tracht / vnnd Kleidung / dem Gottesdienst abwarten; vnd in welches Closters Kirchen viel Graven / vnnd Grävin / vnnd die alte Fürsten in Holstein; wie auch vornehme Holsteinische vom Adel / vnnd insonderheit die Ranzawen (deren epitaphia Nathan Chytraeus,in seinen delic. Itin. pag. 667. seq. setzet) / begraben ligen; vnd seye nit gar weit davon das Spital / zu S. Geörgen genant; wie auch nicht fern von hinnen das Dorff Nordöl / dabey es einen Berg habe / den man von weitem sehe / auff welchem / wie die Alten geglaubt / die Nymphae gewohnet haben sollen: Es stehe darauff ein sechseckichte Saul / von schneeweissen Stein / mit verschiedlichen Schrifften / auch einer künstlichen Sonnenvhr / so obwolgedachter Herr Heinrich Ranzow / Anno 1578. habe auffrichten lassen: An. 1627. seye Itzehoe von den Käyserischen eingenommen worden: Anno 1628 haben sich der Teuffel / in dieser Statt / leibhafftig sehen lassen: Anno 1643 im December / haben sie die Schweden in ihren Gewalt bekommen; aber / als das folgende 44. Jahr / die Schwedischen gar sicher allda waren / so haben die Glückstätter / vnd Cremper / etliche Soldaten / in alter Weider / vnd BaurenKleyder verstellt / auch sie mit Kohl / Graß / vnd andern Sachen / beladen / vnnd vorauß geschickt / welche / den 15. Junij / die Wacht überrumpelt / denen hernach die andere gefolget seyn: Es seye aber im September dieses 44. Jahrs / der Schwedisch Obrist / Helm Wrangel / wider darfür kommen / den 22. diß / die alte Statt erobert / sie gantz außgeplündert / etliche schöne Häuser darinn in Brand gesetzt / vnnd alles / was im Gewehr befunden / nidergemacht.