Topographia Superioris Saxoniae: Eisleben

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Topographia Germaniae
Eisleben (heute: Lutherstadt Eisleben)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 72–74.
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Eisleben / Eißleben / Islebia.

Diß ist die Haupt-Statt in der Graffschafft Mannsfeld / darzu ein Ampt gehörig: wie es aber mit solchem beschaffen sey / davon ist oben im Eingang / vnnd daselbst in Beschreibung der Graffschafft Manßfeld / Meldung geschehen. Caspar Ens, in deliciis apodemicis per Germaniam, sagt p. 261. Man halte darfür / daß Eißleben von der Egyptischen Iside den Namen bekommen habe; welche die Schwäbische Gräntzen / vnnd benachbarte Orth / nach dem Todt ihres Manns Osiridis, durchwandert sey / vnd sich zu Eißleben gesetzt habe. Siehe auch Adrianum Romanum in parvo Theatro Urbium. Aber Matth. Dresserus in seinem Stättbuch bringet eine glaublichere Vrsach / vnd sagt/ daß Eißleben von den Ertzgruben also genant worden / weilen das Ertz vnnd Eyssen / gleichsamb da ihr Leben vnd Wohnung haben. Vnd wird vmb diese Statt ein schwartzer Sehiefferstein außgegraben / welcher ins Fewer gelegt / Ertz gibet. Vnd dieser Stein repraesentiret allerley Form von Fischen / Fröschen / Hanen / vnd Salamandern. In deß Sebastian Münsters Weltbeschreibung / vnnd zwar in dem Titel von dem Elsaß / da vom Bergwerck im Leberthal gehandelt wird / schreibet Johann Hubinsack / Landrichter in besagtem Leberthal / an gedachten Munsterum vnder anderm / also: Es haben die Graven von Manßfeld / in ihrem Land / ein Schifferbergwerck / deßgleichen man [73] keines in der Welt weist. Dann auß dem Schiffer / nach dem er durch etlich Fewer gelassen / macht man Kupffer / welches halt der Centner von 20. biß in 24. Loth Sillber / das dann darauß geseigert / vnd gezogen wird / so ein grosse Summa von Silber / vnd Kupffer / daß schier vnglaublich / vnd ist ein ewig Bergwerk. Dann allenthalben / wo man im Land einschlägt / sind man den Schiffer / etc. Ein wunderbarlich Ding hab ich doselbst gesehen: Es ist ein See etlicher MeilWegs lang / vnd breit / im Land / vnd so mancherley Fisch / Frösch / oder sunst lebendiger Thier im selben See seynd / die gebiert der Schiffer ein Gleichnuß in ihm / mit gedignem angeflognem Kupffer / daß mans klärlich erkennen kan / was jedes für ein Fischbildnuß / oder Figur / ist / etc. Vnd dieses sagt gemelter Landrichter. Ein mehrers von diesem Schifferbergwerck / vnd den Bildnussen in den Schieffern / hat Petrus Albinus, in der Meißnischen BergChronick / tit. 13. fol. 105. Das Land vmb Eißleben ist ziemblicher massen fruchtbar / vnnd wird in der Statt gutes Bier gesotten: wenden auch Jährlich 2. vornehme Jahrmärckte / nach S. Veit / vnd S. Gallen / allda gehalten. An. 1082. seyn allhie etliche Teutsche Fürsten zusammen kommen / vnd haben Hertzog Herman von Lothringen / Graven zu Saarbrück / zum Römischen König erwöhlet; der auch allda Hof gehalten / vnd / von seinen Feinden / der Lauchkönig ist genant worden; weilen viel Lauch vmb die Statt wächst. Andere wolle / er seye zu Bamberg erwöhlet worden; habe aber allhie seine Hoffhaltung angestelt. Das folgende Jahr / wurde Eißleben / vom Ertzbischoff von Bremen / vnd dem Bischoff von Hildeßheimb / die es mit dem rechten Keyser / namblich Henrico IV. hielten / belagert / erobert / außgeplündert / vnd verbrennt, aber das Schloß in der Stadt kunten sie nicht gewinnen / sondern wurden vom obgedachten König Hermann / abgetrieben / vnd ihren / durch Hülff Ernesti, eines Graven von Manßfeld / ein grosser Hauff Frießländer erschlagen / so in der Gassen geschehen / die noch die Frießstrassen genannt werden solle; wiewol sie theils anders nennen. Siehe besagten Dresserum p. 344. vnd P. Bertium lib. 3. Rerum German p. 521. Im Jahr 1362. ist die Statt / vom Landgraven in Thüringen / vnnd Marggraven in Meissen Friderico, vnd seinem Bruder Ludovico, Bischoffen zu Halberstatt / belagert worden. Weilen sie aber das Schloß abermals nicht gewinnen kunten / haben sie im Zorn die vmbligende Dörffer verbrant / vnd dem Lande sehr grossen Schaden zugefügt; die Kirchen / vnnd Clöster aber / haben die Soldaten / auß Befelch deß Bischoffs / zu frieden gelassen; wiewol der Graff von Manßfeld / nach ihrem Abzug / das Closter Segenbach / graue Mönchs-Ordens / weil es seine Feinde beherbergt / vbel zugerichtet hat. Anno 1612. lag gemeldtes weyland ansehenliches Schloß allhie / zu Eißleben / darnider / vnd Oed / vnnd stunden nur die Mawren noch da; welches das Fewer / so dieser Statt / neben der Pest / offt hart zugesetzet / vervrsachet hat / mag aber vielleicht seythero in etwas zur Wohnung wider seyn gebawet worden. Anno 1483. den 10. Novembris / ein wenig vor Mitternacht / ist allhie Martin Luther / von ehrlichen Eltern / Johann Luthern / vnd Margaretha / ehelich gebohren worden; auch an diesem Orth / den 18. Hornung / deß Jahrs 1546. gestorben / den man darauff / von hinnen / nach Wittenberg / in die Schloßkirchen geführet hat. Das Hauß / darinn er gebohren worden / stehet in der Langen Gassen / am Eck / gegen Hall zu. Vber der Haußthür / stunde / noch vor dem jüngsten Teutschen Krieg / seine Bildnuß / vnd dabey diese Schrifft:

Hostis eram Papae, Sociorum pestis et huius:
Vox mea, cum scriptis, nil nisi Christus erat.

Anno 1483. geboren / zu S. Peter getaufet. A. P. O. R. CIC. ICXIV. Mense Majo renovata. B. X. T. Wie man allda in gemeltem 1612. Jahr berichtet / vnnd es auch der eingenommene Augenschein geben hat / ist diese Lange Gassen schon offt abgebronnen; aber dem gemeldten Hause / vnd andern/ so daneben stunden / solle durchs [74] Fewer / biß dahin / nie nichts widerfahren seyn. Was obgedachter Bertius, an erwehntem Orth / in Beschreibung dieser Statt / zu lieb seiner damals gewesten Religion / (von deren er doch hernach abgefallen) wider ehrenbesagten D. Luthern / seeligen / geschrieben; das kan bey ihme / vnnd hergegen / was vornehme Lutheraner / auff dergleichen Einwürffe geantwortet / in ihren Schrifften gelesen werden. Dann solche Sachen in Land- vnd Stätt-Beschreibungen / sich nicht außführlich einbringen lassen. Dieses aber soll noch mit angehenckt werden / daß Iohannes Forsterus, der H. Schrifft Doctor / vnd weyland Professor zu Wittenberg / hernach aber gewester General Superintendens zu Eißleben / in seiner Fewer Predigt Anno 1613. den 18. Augusti / allhie gehalten / also saget: An. 1601. den 18. Augusti / seyn in der schröcklichen Fewersbrunst / in acht Stunden 250. Wohnhäuser / in der alten Statt Eißleben / sampt dem Gräfflichen Schloß / Schul / Kirchenhäusern / S. Andreae / oder Haupt-Pfarrkirchen Glockenthurn / mit 84. Scheunen / im Fewer verdorben / vnnd dennoch alle Kirchen stehen blieben. besonders aber die Kirche / darinn der thewer Mann Lutherus getaufft / das Hauß darinn er gebohren / das Hauß darin er gestorben. Welches dann zur Bestätigung dessen / was hieoben gesagt worden / vnd man in besagten 1612. Jahr selbsten zu Eißleben gesehen / vnd gehört hat / dienet. Anno 1546. (gedachter Bertius hat42.) in dem Schmalkalden Krieg / hat Graff Albrecht von Manßfeld / der vom Keyser Carolo V. in die Acht erklärt worden / Eißleben vnversehen vberfallen / die Burger ihme zu schwören gezwungen / vnd was ihme im Schloß gefallen / nach Manßfeld führen lassen. Anno 1642. im Mertzen / bekamen diese Statt die Schwedischen / nach dem Entsatz deß Schlosses zu Manßfeld / in ihren Gewalt / vnd plünderten solche sechs Stunden lang; wie in der Franckfurter Frühelings Relation diesem Jahrs / stehet. Anno 1644. den 11. 21. Novembr. ward Eißleben von den Keyserischen vberfallen / vnnd etwas geplündert / auch in 14. Häuser verbrand: sie wurden aber endlich / mit Verlust in hundert Mann / von den Burgern wider abgetrieben. Anno 1645. kam allhier / durch Vnfürsichtigkeit einer Wäscherin / abermals ein Fewer auß / davon in 280. Häuser vmb den Marckt herumb / vnd vber 70. Schewren voller Früchten eingeäschert worden; wie man geschrien hat.