Unserm heutigen Kant-Portrait

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Titel: Unserm heutigen Kant-Portrait
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 319-320
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Quelle: Scans bei Commons
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[319] Unserm heutigen Kant-Portrait (Seite 309) fügen wir noch einige kurze Worte zur Geschichte desselben hinzu. Das Original unseres Bildes verdankt seine Entstehung der jahrelangen Freundschaft Kant’s zu dem ihm geistes- und namensverwandten Königsberger Buchhändler Kanter, dessen Hausgenosse der große Denker während der Jahre 1766 bis 1769 war. Kanter, damals Inhaber der bedeutendsten Buchhandlung in der Pregelstadt, beauftragte im August 1768 den dortigen Portraitmaler Becker mit der Anfertigung eines lebensvollen Bildnisses seines um diese Zeit 44 Jahre alten Freundes Kant, und so entstand das der Ueberlieferung nach sehr ähnliche Original unseres heutigen Kant-Portraits. Das Becker’sche Bildniß ist nach Schubert, dem Biographen Kant’s, „das älteste Originalgemälde, zu dem Kant gesessen hat, welches unverkennbar die jugendlichen Züge der Kant’schen Physiognomie an sich trägt, nur wohl etwas zu sehr verschönert“.

Nachdem die Kanter’sche Firma im Jahre 1833 in: Gräfe und Unzer verwandelt worden, ließen die damaligen Besitzer zum Jubiläum der Königsberger Universität 1844 das Bild Kant’s renoviren, und als später, im Jahre 1868, die Buchhandlung eines Umbaues halber ihr altes Local räumen mußte, war es das Kant’sche Portrait, dem vor allen andern Bildern und Büsten, die den alten Laden schmückten, die Ehre widerfuhr, in die neuen Räume mit hinübergenommen zu werden. Die jetzigen Inhaber des Geschäfts, die Buchhändler R. Dreher und B. Stürtz, haben im Gefühl natürlicher Pietät dem historisch werthvollen Erbstücke den Ehrenplatz in ihren Localitäten belassen. Noch heute ist es jedem Besucher Königsbergs [320] gestattet, in dem Gräfe und Unzer’schen Geschäftslocale das interessante Portrait des großen Philosophen, von dem auch eine photographische Nachbildung (L. E. Gottheil, Königsberg) existirt, in Augenschein zu nehmen. Auch wir verdanken die Möglichkeit einer Reproduction des interessanten Bildes nur der Freundlichkeit der Herren Dreher und Stürtz.