Untersuchung der Schaalenblende von Raibel in Kärnthen

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Annalen der Physik und Chemie
Band LXIII, Heft 9, Seite 132–135
Carl Moritz Kersten
Untersuchung der Schaalenblende von Raibel in Kärnthen
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XII. Untersuchung der Schaalenblende von Raibel in Kärnthen; von Demselben.

Von dem verstorbenen Prof. Ancker in Grätz erhielt ich ein recht charakteristisches Stück der schaaligen Zinkblende von Raibel, mit dem Wunsche, dieses Mineral zu untersuchen, indem er die mehrfach aufgestellte Vermuthung theilte, daß dasselbe eine, von der gewöhnlichen Zinkblende abweichende chemische Zusammensetzung haben dürfte.

Es bildete röthlichgelbe und lederbraune, nierenförmige Parthien, und zum Theil concentrisch schaalige Lagen um Bleiglanzkerne, und war von Schwefelkies und Kalkspath begleitet. Das Mineral ist undurchsichtig und inwendig wachsartig schimmernd. Beim Erhitzen im Kolben decrepitirt es nicht, und giebt Spuren Feuchtigkeit und schweflichter Säure aus; zugleich bildet sich eine geringe Menge eines weißen, flüchtigen, unschmelzbaren Sublimats. Bei dem Erhitzen in einer offnen Glasröhre entwickelt sich schweflichte Säure, und es setzt sich in der Röhre ebenfalls eine Spur eines weißen Sublimats an. Mit Soda auf Kohle giebt das Mineral einen starken Zinkbeschlag, der mit Bleioxyd gemengt ist. Nach dem Befeuchten mit Kobaltsolution und starkem Glühen in der Oxydationsflamme wird Bleioxyd verflüchtigt. Durch Sichern des gepulverten Minerals mittelst des Sichertroges ergab sich, daß auch die anscheinend reinsten Parthien [133] desselben, an welchen mittelst einer scharfen Loupe keine fremdartigen Beimengungen bemerkt werden konnten, ein metallisches Mineral höchst fein eingemengt enthielten, welches in antimonhaltigem Bleiglanz bestand. Aus diesem Grunde wurde das Mineral zu den folgenden Versuchen wiederholt gesichert. Wird dasselbe mit concentrirter Essigsäure digerirt und die Säure nach dem Filtriren verdampft, so bleibt ein geringer weißer Satzrückstand, welcher aus Bleioxyd und Spuren von Antimonoxyd besteht. Bei der Zerlegung des Minerals durch Königswasser, wobei viel Schwefel abgeschieden wird, erhält man eine blaßgelbe Auflösung, aus welcher Schwefelwasserstoffgas eine geringe Menge eines röthlichgelben Schwefelmetalls fällt. Bei dem Behandeln desselben mit Soda auf Kohle war kein Arsenikgeruch wahrnehmbar; es bildete sich zunächst der Probe ein geringer Beschlag von Cadmiumoxyd, in einiger Entfernung davon ein weißer, flüchtiger Beschlag von Antimonoxyd. In der vor der Fällung mit Schwefelwasserstoffgas zurückgebliebenen Flüssigkeit konnten bloß Zinkoxyd, nebst Spuren von Eisenoxyd und Schwefelsäure, aufgefunden werden.

Um den Wassergehalt des Minerals zu ermitteln, wurden 2 Grammen desselben, als feines Pulver, nachdem es längere Zeit bei 100° C. erwärmt worden war, in einer Kugelröhre stark geglüht, und das sich verflüchtigende Wasser aus derselben getrieben. Dasselbe betrug 0,8 Procent. Um die Schaalenblende auf einen Sauerstoffgehalt zu prüfen, wurde das geglühte Mineral in einem Strome getrockneten Wasserstoffgases in einer Kugelröhre erhitzt. Es bildete sich bei mehreren Versuchen stets eine kleine Menge Wasser, zugleich legte sich an dem oberen Theile der Kugel ein wenig eines grauen metallischen und orangefarbenen Sublimats an. Dieses löste sich leicht in Chlorwasserstoffsäure auf und die Prüfung dieser Auflösung zeigte, daß es in metallischem Antimon und einer Spur Schwefelantimon bestand. [134] Die Blende selbst hatte durch das Glühen in Wasserstoffgas keine sichtbare Veränderung erlitten. Um zu erfahren, ob die geringe Menge Wasser, welche sich erzeugt hatte, vielleicht auch von der Reduction eines Gehalts von Zinkoxyd in der Schaalenblende herrühre, wurde der Rückstand aus der Kugelröhre mit Kupferchlorid digerirt. Bei dem Schlämmen der Masse zeigte sich aber, daß nicht die geringste Menge Kupfer reducirt worden war; auch entwickelte sich kein Wasserstoffgas, als ein Theil des oben gedachten Rückstandes aus der Kugelröhre mit höchst verdünnter Chlorwasserstoffsäure digerirt wurde. Die geringe Menge von Wasser, welche sich bei dem Glühen der Schaalenblende in Wasserstoffgas erzeugt hatte, war demnach eine Folge der Reduction eines kleinen Antheils in der Blende enthaltenen Blei- und Antimonoxyds.

Die quantitative Analyse der Schaalenblende geschah auf die Weise, daß sie als feines Pulver mit Essigsäure digerirt und der Rückstand sodann durch Königswasser nach bekannten Methoden zerlegt wurde. 100 Theile durch Sichern gereinigter Schaalenblende wurden zerlegt in:

64,22 Zink
32,10 Schwefel
01,32 Eisen
00,72 Antimon und Bleioxyd
00,80 Wasser
Spur Cadmium
99,16.

Hieraus folgt, daß die Schaalenblende von Raibel in Kärnthen eine der gewöhnlichen Zinkblende analoge Zusammensetzung besitzt, indessen eine kleine constante Menge Wassers enthält. Diese kann daraus, auch nachdem die Blende zum zartesten Pulver zerrieben worden ist, durch längeres Erwärmen bei 100° C. nicht entfernt werden.

[135] Die Schaalenblende enthält keinen Sauerstoff oder Zinkoxyd, und die geringe Menge von Blei- und Antimonoxyd, welche in ihr gefunden wurde, ist wahrscheinlich nur höchst innig beigemengt, und dürfte aus dem, die Schaalenblende begleitenden antimonhaltigen Bleiglanze entstanden seyn. Die ältere Analyse der Schaalenblende von Hecht d. J. (Journ. d. mines, Vol. XLIX p. 13[WS 1]) ist wahrscheinlich mit unreinem Materiale angestellt worden.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Hecht fils: Analyse d’une Mine de zinc sulfuré, trouvée dans le comté de Geroldseck en Brisgaw. In: Journal des Mines. 1er trimestre an VII (1798–1799), S. 13 MINES ParisTech, Gallica