Voi, che 'ntendendo il terzo ciel muovete

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Textdaten
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Autor: Dante Alighieri
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Titel: Die ihr im Geist den dritten Himmel leitet
Untertitel:
aus: Die unbekannten Meister – Dantes Werke, S. 65–67
Herausgeber: Albert Ritter
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Gustav Grosser
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Albert Ritter (Karl Förster, Karl Ludwig Kannegießer)
Originaltitel: Voi che ’ntendendo il terzo ciel movete
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Quelle: Commons
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Die ihr im Geist den dritten Himmel leitet,

Lauscht, welche Worte mir im Herzen klingen
So seltsam, daß ich euch nur Kenntnis gebe:
Der Himmel, den ihr machtvoll bringt zum Schwingen,

5
Ihr edelen Geschöpfe – er bereitet

Die Lage mir, die ich anjetzt durchlebe.
Drum seid ihr wert, daß ich die Stimm’ erhebe
Zu euch, und euch mein Leben nicht verhehle.
So bitt’ ich denn, daß ihr Gehör mir leiht!

10
Ich künd’ euch meines Herzens Neuigkeit:

Wie tief darin weint die betrübte Seele
Und wie ein Geist beschwichtigt ihre Qualen,
Der niedersteigt aus eures Glanzes Strahlen.

Mein Herz belebte sonst – war es gebrochen –

15
Ein lieblicher Gedanke, der zu Füßen

Euerer Herrin manchmal mochte eilen,
Sah preisend er ein Weib bei ihr begrüßen.
Und hat er süß von ihr zu mir gesprochen,
Dann rief die Seele: „Könnt’ ich bei ihr weilen!“

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Da kommt – und will den Ort mit ihm nicht teilen –

Ein anderer, scheucht ihn, und sein Kraftgebahren
Bezwingt mich, daß das Herz mir bebt im Leibe.

[66]
Dann lenkt er meinen Blick zu einem Weibe

Und spricht: „Wer jemals will das Heil gewahren,

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Der soll in dieser Fraue Augen schauen,

Hält ihn zurück vor Seufzern nicht ein Grauen.“

So feindlich findet den, der ihn vernichtet,
Das hold’ Gedenken, das zu vielen Malen
Vom Englein sprach, das nun der Himmel krönte.

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Die Seele weint, noch voll von wehen Qualen,

Und spricht: „Ach! der mich tröstend aufgerichtet,
Er fliehet mich, die vom Geschick Verhöhnte!“
Von meinen Augen sagte sie und stöhnte:
„O welch ein Tag, da jene sie erblickte!

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Warum konnt’ ihnen nicht mein Zeugnis taugen?

Ich sagte gleich: stehn muß in ihren Augen,
Der meinesgleichen hin zum Tode schickte;
Doch half mitnichten mir mein sorgsam Achten,
Nicht ihn, der jetzt mich tötet, zu betrachten.“ –

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„Du bist nicht tot, in Wirrnis nur verfangen,

Du unsere Seele, die in Qual ich schaue!“
So spricht ein edles Geisterlein der Minne –
„In deinem Leben ist durch jene Fraue,
Die du verspürst, ein Wandel vorgegangen,

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Und du erbangst, daß alle Kraft verrinne.

So sei doch ihrer Huld und Sanftmut inne:
Wie klug und lieb ist sie und doch erhaben!
Von nun sollst du sie deine Herrin nennen;
Gehst du nicht irr’, so wird dein Blick erkennen

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Die Schönheit also wundersamer Gaben.

Sprich: ,Minne, wahre Herrin, du magst sehen
Hier deine Magd; dein Wille soll geschehen.’“

Mein Lied, ich glaub’, du wirst nur wen’gen frommen –
Und deinen Sinn wird selten man verstehen,

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Die Sprache allzu schwer und herbe finden;

Doch sollte dir der Zufall ausersehen,
Daß Leuten du vor Augen würdest kommen,

[67]
Die nicht den rechten Sinn mit dir verbinden,

Dann, bitt’ ich dich, laß nur den Mut nicht schwinden,

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Sag’ ihnen, du, die hold ich sah entsprießen:

„Doch meine Schönheit mögt ihr denn genießen!“