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Amor, che nella mente mi ragiona

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Dante Alighieri
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Titel: Minne, die in der Seele mir gesungen
Untertitel:
aus: Die unbekannten Meister – Dantes Werke, S. 67–69
Herausgeber: Albert Ritter
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Gustav Grosser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Albert Ritter (Karl Förster, Karl Ludwig Kannegießer)
Originaltitel: Amor che ne la mente mi ragiona
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
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Quelle: Commons
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[67]
Minne, die in der Seele mir gesungen

Von einer Fraue sehnlichem Verlangen,
Hat oft mit Dingen von ihr angefangen,
Daß mein Verstand ganz aus dem Gleis gekommen.

5
So wunderlieb hat mir ihr Wort geklungen,

Daß meine Seele lauschend rief voll Bangen:
„Weh, kann denn ich nicht auch dahin gelangen,
Das nur zu sagen, was ich hier vernommen?!“
Ja, dem entsagen kann mir hier nur frommen, –

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Gedenk’ ich, was ich hörte, vorzutragen –

Was ich mit meinem Geist nicht konnt’ verstehen;
Auch viel, was einzusehen
Wohl ist, obgleich ich’s nicht vermag zu sagen.
Drum, wenn auch meine Reime Mängel zeigen,

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Die ihren Ruhm und Preis zu künden wagen:

Schuld ist die schwache Einsicht, die mir eigen,
Und unsere Sprache, der die Macht nicht inne,
Zu wiederholen, was ich hört’ von Minne.

Nicht sieht die Sonne auf der Weltenreise

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Wohl je solch edles Bild als in den Stunden,

Da zu der Frau ihr Licht den Weg gefunden,
Zu deren Loblied Minne mich entfachte.
Von droben blickt kein Geist, der sie nicht preise,
Und wessen Herz Frau Minne ist verbunden,

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Hat fort und fort nur ihre Pracht empfunden,

Wenn Minne ihm nur irgend Frieden brachte.
Ihr Sein freut Den, der sie damit bedachte,
Drum läßt er Kräfte auf sie niedertauen,
Mehr als Natur begehrt, damit nichts fehle;

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Und ihre lautre Seele,
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Die dieses Heil empfängt vor allen Frauen,

Bezeugt es in Gestalt und Wesen immer.
Denn solche Reize sind bei ihr zu schauen,
Daß aus den Augen, licht durch ihren Schimmer,

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Zum sehnsuchtsschweren Herzen Boten schweben,

Die sich als Seufzer in die Luft erheben.

Auf sie steigt Gottes Huld und Kraft hernieder
Wie auf den Engel, der den Blick darf lenken
Auf Gott den Herrn; und edler Frau’n Bedenken

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Wird ihre Züchtigkeit zur Lehre werden.

In ihren Worten spiegeln hold sich wider
Des Himmels Geister, die sich niedersenken,
Das zeigt: man kann ihr wohl Vertraun schenken –
Ihr Wert ragt über alles rings auf Erden.

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Sie hat gar sittsam-liebliche Gebärden,

Die um die Wette Minnes Gunst erflehen:
Solch lauter Wunsch muß an ihr Ohr doch schlagen!
Von ihr darf kühn man sagen:
„An Fraun ist edel, was an ihr zu sehen,

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Nur was ihr ähnlich ist, kann schön erscheinen.“

Ihr Anblick hilft, das kann man wohl gestehen,
Zu glauben, was ein Wunder wir vermeinen.
So stützt sie unsern Glauben, und das Leben
Hat Gott der Ew’ge dazu ihr gegeben.

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Der Eindruck, den ihr Antlitz uns bereitet,

Ist von des Paradieses Glanz umsponnen.
In ihren Blick, in ihres Lächelns Wonnen,
Hieß Minne diesen Glanz den Sitz verlegen.
Von ihr flieht der Verstand, wie nutzlos streitet

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Das Auge mit dem lichten Strahl der Sonnen. –

Da meines Blickes Mut vor ihr zerronnen,
Muß ich wohl kurz zu fassen mich bestreben:
Aus ihrer Schönheit strömt ein Funkenregen –
Drin wohnt ein Geist, der edlen Stolz uns lehrte,

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Der formt und schöpft das wahrhaft gute Wollen.
[69]
Drob wankt mit Donners Rollen

Die angeborne Lust, die uns entehrte.
Hört eine Frau die Schönheit, die ihr eigen,
Verschmähn, weil milder Demut sie entbehrte,

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Soll sie sich dieser Demut Vorbild neigen;

Ja, sie demütigt jedes Trotzes Waffen:
Denn sie schuf Er, der rings das All erschaffen.

Mein Lied, es widerspricht, scheint’s, eine Stelle
Dem, was einst sagte deiner Schwestern eine:

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Die Fraue, die so sanft du nennst wie keine,

Wird mißgelaunt und strenge dort geheißen.
Du weißt: stets ist der Himmel klar und helle,
Und niemals trübt er selbst die eigene Reine;
Und doch sind Gründe, daß dem Augenscheine

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Oft trübe dünkt sogar der Sonne Gleißen.

Hat jene sie nun hochmutsvoll geheißen,
So sah sie nicht, wie sie in Wahrheit lebe,
Da sie mehr nach dem äußren Anschein fragte.
Denn meine Seele zagte

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Und zagt noch heut, weil ich vor Grausen bebe,

Wo ihrem Blick ich zu begegnen wage.
Ist’s nötig, bitte, daß sie dir vergebe,
Und kannst du es, tritt vor sie hin und sage:
„Wird Eure Huld, o Frau, mir nicht gebrechen,

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Dann will ich allerwegen von Euch sprechen.“