Vom Heermeister in Livland

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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Vom Heermeister in Livland
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 196–197
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
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102. Vom Heermeister in Livland.

1424 hat sich eine seltsame Historie von einem Lübschen Kinde und einem Meister in Livland, Namens Sievert Spanheim, zugetragen. Dieser hatte ein Weib bei sich, mit dem er einige Jahre in Unehren gelebt, und wollte sich gern von ihr auf gute Weise losmachen. Nun begab es sich, daß in Livland ein junger Kaufgesell aus Lübeck war, Marquard Klempow, von guter Geburt und feinen Sitten; zu dem hatte das Weib Lusten, und begehrte ihn zur Ehe. Der Heermeister ließ also den Gesellen vor sich fordern, und bot ihm die Freite an; aber der wollte nicht. Da faßte sie einen grimmigen Haß auf [197] ihn und bezichtigte ihn der Dieberei. Deßwegen ward er gefangen gesetzt; aber weil er unschuldig war, konnte man ihm mit Peinigen nichts abfragen. Viel guter Leute und Bürger gaben sich große Mühe, ihn aus dem Gefängniß zu entfreien; aber es half nichts: der Heerrmeister ließ ihn zum Galgen verurtheilen. Als jedoch der Gesell zum Tode hingehen müssen, fordert er den Heermeister als seinen ungerechten Richter nach 13 Tagen vor Gottes strenges Gericht, daß er antworte wegen seiner Seele.

Solche Rede kam zwar vor den Heermeister, er aber schlug sie lachend in den Wind, und machte sich mit seiner Buhlschaft fröhlich und guter Dinge. Wie nun der dreizehnte Tag vorhanden, welches der Montag nach Lätare war, und er mit dem Weibe in allen Freuden über Tisch saß: siehe, da ward ihm plötzlich weh und übel zu Muthe, und das nahm geschwind überhand. Sein Gesinde wollt ihn dessen trösten; aber er sprach: „ich muß davon und vor Gottes Gericht; ich sehe denjenigen, der mich geladen, gleichsam lebendig vor meinem Angesichte stehn.“ Damit verkehrte er die Augen, und nahm ein entsetzliches Ende.