Zum 18. Juni 1824

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Textdaten
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Autor: Wilhelm Hauff
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Titel: Zum 18. Juni 1824
Untertitel:
aus: W. Hauffs Werke, Bd. I: Gedichte, S. 6–8
Herausgeber: Max Mendheim
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Bibliographisches Institut
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Erscheinungsort: Leipzig und Wien
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Quelle: Scans auf commons
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[6]

Zum 18. Juni 1824.[1]

So nahst du wieder, holde Siegesfeier,
Die unsre Brust mit süßen Träumen füllt,
Die mit der Freude dichtgewebtem Schleier
Das trübe Bild der Gegenwart verhüllt;

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[7] Du nahst – und alle Herzen schlagen freier,

Gesang und Jubel tönet durchs Gefild’,
Und meiner Brüder frohe Blicke sagen:
„Es war mein Volk, das diese Schlacht geschlagen!“

     Es war mein Volk! und nicht die frohen Binden

10
Von Eichlaub sollten schmücken das Gelag’;

Wohl sollten wir Cypressenkränze winden,
Um mancher Hoffnung frühen Sarkophag;
Doch – den Gefallnen laßt uns Kränze winden,
Und einmal noch am frohen Siegestag,

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Weil rings um uns des Sieges Früchte welken,

Laßt uns in der Erinnrung Träumen schwelgen.

     Drum grüß’ ich dich, du Feld, wo sie gefallen,
Wo froh ihr Aug’ im Siegesdonner brach!
Drum grüß’ ich euch in euern Wolkenhallen,

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Ihr Tapfern, die ihr tilgtet unsre Schmach!

Euch tapfern Sängern, euch, ihr Helden allen,
Euch tönen unsre Liebesgrüße nach,
Und euch, die ihr dem Auge schnell entschwunden,
Der jungen Freiheit kurze Frühlingsstunden!

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     Und hätte man den Denkstein euch zerschlagen

Und eure Kränze in den Staub gedrückt:
Die Blumen haben in des Frühlings Tagen
Der Helden Grab mit neuem Grün geschmückt.
So keimt auch unsre Hoffnung unter Klagen;

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Denn ob der Sturm sie Blatt für Blatt zerpflückt,

Neu sproßt sie aus dem Hügel eurer Leichen,
Und Gott wird wachen über ihren Zweigen.

 * * *

     Wo Eine Glut die Herzen bindet,
Wo Aug’ dem Auge nur verkündet,

35
Was Sehnsucht in dem Herzen spricht;

Wo, wenn der Sturm die Form zerspaltet,
Die Gottheit in den Trümmern waltet,
Kennt man der Liebe Trennung nicht.

[8]

     Heran, ihr Brüder! Nord und Süden,

40
Ob euch des Herrschers Wink geschieden,

Laßt uns Ein Volk von Brüdern sein:
Schließt ja in Schönbunds weiten Auen
Von allen Strömen, allen Gauen
Ein Rasen unsre Brüder ein.

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     Wohl ist der Siegsgesang verklungen,

Ganz anders wird jetzt vorgesungen,
Ganz andre Weisen spielt man vor;
Doch tönt, von Wehmut fortgetragen,
Ein Ton noch aus den bessern Tagen

50
Und schlägt an manch empfänglich Ohr.


     Hört ihr auf Frühlings leichten Schwingen
Den alten Ton herüber klingen
Von unsrer Brüder Schlachtgefild’?
Der Einklang ist’s von tausend Tönen,

55
Der mächtig in Germanias Söhnen

Zu der Begeistrung Wogen schwillt.



  1. Der 18. Juni ist der Jahrestag der Schlacht bei Belle-Alliance. Das Andenken an diesen Tag wurde damals in der Burschenschaft festlich begangen, und zu dieser Feier hat Hauff obige Gedichte geliefert.