Zum hundertjährigen Todestage Lessing’s

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Autor: Felix Dahn
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Titel: Zum hundertjährigen Todestage Lessing’s
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 105
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[105]
Zum hundertjährigen Todestage Lessing’s.
(15. Februar.)

Ein Angedenken gilt es heut zu feiern,
Das unvergleichbar andern Namen ist:
Dir gilt es, Lessing, Rufer in dem Streit.

Nicht Goethe’s schönheitssel’ger Genius,

5
Nicht Schiller’s Adlerflug zum Ideal

War dir, du mühvoll Kämpfender, verliehen;
Jedoch ein Ritter ohne Furcht und Tadel,
Zugleich ein Sänger warst du und ein Held
Ein Kampf dein ganzes Leben - und ein Sieg.

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Nicht Rosen schmückten diese klare Stirn

Jedoch ein Kranz von Eichlaub und von Lorbeer
Ziert unverwelklich dir den eh’rnen Helm,
Den nie du abgelegt vom hohen Haupt.

Du hast von deutscher Bühne weggefegt

15
Wie Sturm die Schmach der wälschen Fremdherrschaft, –

Mit blankem, immer scharf geschliffnem Schwert
Hast du die Götzen jeder Art geschlagen.

„Der Freiheit eine Gasse!“ war dein Ruf,
„Freiheit denn deutschen Dichten, deutschen Denken!

20
Wohlthätig, nicht gefährlich ist das Licht,

Das milde Licht der Duldung und der Wahrheit.“

Der Ring, der in der Fabel ging verloren, –
Der Wahrheit bester Theil, ihr Unterpfand,
Das ew’ge Suchen nach der Wahrheit. – – Du,

25
Ein deutscher Nathan, hast den Ring gefunden – –


O daß dein Geist, der echte deutsche Geist,
Der Alles was da menschlich ist umschließt,
0 daß der Geist der Freiheit und der Wahrheit,
Des Forschermuthes und der Mannespflicht,

30
Daß Lessing’s Geist die starken Schwingen schlage,

Wo immer deutsche Sprache tönt!

Felix Dahn.