Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Conrad Celtes

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Conrad Celtes
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 65–66
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
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Zweihundert deutsche Männer - Conrad Celtis.jpeg


Conrad Celtes.
Geb. d. 1. Febr. 1459, gest. d. 4. Febr. 1508.


Celtes war der erste deutsche Dichter, den die Hand eines deutschen Kaisers feierlich mit dem verdienten Lorbeer krönte, der erste Begründer deutscher Gelehrten-Vereine für die Erforschung der vaterländischen Geschichte, der erste Lehrer und Professor der Poesie überhaupt in Deutschland, Liebling Kaiser Maximilian’s und von ihm für den größten Gelehrten unter den deutschen Zeitgenossen gehalten, Entdecker der Werke Roswitha’s – so säete Celtes seine Ruhmessaat in Fülle zum unverwelklichen Aufgang.

Nicht die Stadt Schweinfurt, wie fast überall zu lesen ist, sondern der Ort Wipfeld am Main, zwei starke Stunden unterhalb der ersteren Stadt, war die Wiege dieses berühmten Franken. Der Vater war begüterter Weinbergbesitzer und hieß Pickel; der Sohn entwickelte frühzeitig Talent und zeigte gute Geistesgaben, dennoch bestimmte ihn der Vater für das Geschäft eines Weinbauers, aber den Sohn zog es nach der Ferne, nach der Welt des Wissens. Er entwich, 18 Jahre alt, auf ein Mainfloß und fuhr getrosten Muthes in die Welt hinein, mainab und rheinab, bis gen Köln, der heiligen Stadt. Dort wurde er 1477 in die Matrikel der Hochschule einetragen, dort änderte er, dem Gelehrtenbrauch gemäß, seinen Vaternamen Pickel in Celtis oder Celtes um. Unter Pickel wird in Franken eine schmale spitze Haue verstanden, und damit Pickel’s Name verständlicher werde, wandte er auch noch eine barbarische lateinische Form an, da ein Celt einen Streitmeisel der alten Völker bedeutet, und schrieb sich Pratucius, daraus viele irrig gefolgert haben, er habe Meisel geheißen.

Celtes widmete sich in Köln mit Eifer den Wissenschaften im allgemeinen, der Theologie im besondern und trat dann nach damaligem Brauch, wie aus der Lebensgeschichte vieler seiner gelehrten Zeitgenossen erhellt, eine Hochschulenfahrt an, die er weiter erstreckte, als andere, bei denen der Besuch von 6 bis 8 verschiedenen Universitäten schon etwas zählte. Leipzig, Erfurt, Schlettstedt, Rostock, Heidelberg waren zunächst die Schulen, die der fahrende Scholast im besten Sinne, besuchte, in letzter Stadt lernte er einen späteren Freund und Gönner kennen, den Bischof von Worms, Johann [Ξ] von Dalberg, der von wichtigem Einfluß auf Celtes Lebensgang war, und den berühmten Lehrer Rudolf Agricola, dem er ein dankbares Andenken bewahrte. Später wandte sich Celtes dem Süden zu, weilte in Padua, Ferrara, Bologna, Florenz und machte die bittere Erfahrung, daß man in dem stolzen und eiteln Wälschland deutschen Geist und deutsche Wissenschaftlichkeit gar gering achtete, daher verließ er Italien und ging über Venedig durch Pannonien nach Krakau, dem alten hochgefeierten Sitz aller Wissenschaften und freien Künste. Dort hörte er Mathematik und Astronomie, und las zugleich über Rhetorik und Poetik mit großem Beifall, machte ebenso angenehme Bekanntschaften als fernere angenehme Reisen, so nach dem Salzwerk Wiellezka, das er anziehend schilderte, und kehrte nach zwei Jahren wieder nach Deutschland zurück, wo ein Freund und Landsmann, Martin Pollich aus Melrichstadt in Franken, Leibarzt des Kurfürsten Friedrich des Weisen zu Sachsen, ihn seinem Gebieter empfahl. Dieser ließ sich von Celtes auf den Reichstag nach Nürnberg 1487 begleiten und empfahl ihn angelegentlichst dem Kaiser Friedrich III., und da wiederholte der Kaiser den Brauch einer Dichterkrönung, er wand dem Poeten einen Lorbeerkranz ums Haupt, wodurch dem also Gekrönten das Recht wurde, selbst Poeten krönen und ernennen zu dürfen.

In dem reichen und schönen Nürnberg gefiel es dem Dichter so wohl, daß er der Stadt eine Beschreibung widmete; er befreundete sich auch mit Johann und Wilibald Pirkheimer und andern Geistesgrößen dieser Stadt, von welcher aus Celtes seinen Wanderstab wieder nach dem Rheine lenkte und die rheinische Gelehrten-Gesellschaft gründete, welche sogar bisweilen nach ihm sodalitas Celtica genannt wurde. Männer von geachtetstem Namensklang wurden Mitglieder derselben, der gelehrte Abt Trithem von Spanheim, der wackere Ritter Eitelwolf vom Stein, Ulrich Hutten’s Gönner und Beschützer, der berühmte Jurist Ulrich Zasi, Wilibald Pirkheimer, Conrad Peutinger, Sebastian Brand und andere. Pflege der klassischen Literatur und Erforschung vaterländischer Geschichte war dieses Vereines Zweck und würdige Aufgabe, und Celtes Streben zu dessen Erreichung ein unermüdliches; dennoch trat er nicht selbst an die Spitze, sondern stellte an diese den vielgeltenden Bischof von Worms, den oben genannten.

Celtes war von einer großen Reiselust beseelt; es hielt ihn nicht lange an einem Ort, aber überall strebte er literarischen und geschichtlichen Quellen nach, und so wurde ihm das Glück zu Theil, im Stift St. Emmeran zu Regensburg die Werke der Nonne Roswitha aufzufinden, die er seinem hohen Fürsprecher, Kurfürst deren Herausgabe zu Nürnberg besorgen ließ. Ebenso fand Celtes später auf einer Reise in seine fränkische Heimath im Kloster Ebrachein lateinisches Epos auf Friedrich Barbarossa von 10 Gesängen, welches 1507 auf Veranstaltung mehrerer Freunde im Druck erschien, und im Kloster Tegernsee die, später unter dem Namen der Peutingerschen Tafeln bekannt gewordenen Itinerarien. – Ferner besuchte Celtes Mainz, Lübek und Prag, fand aber in letzterer Stadt neben anerkennenden Freunden auch Gegner, zumal er gegen die hussttischen Lehrformen und Glaubensansichten sprach und schrieb, und sah sich genöthigt, Prag eilend zu verlassen. In Ingolstadt erhielt Celtes eine Professur, las über Ciceros Redekunst, über Mnemonik und Poetik, und erklärte die Oden des Horaz, dessen glücklicher Nachahmer er wurde. Dort beehrte ihn sogar der Bischof von Dalberg mit seinem Besuche. Aus Ingolstadt durch die Pest vertrieben, wandle sich Celtes wieder nach Heidelberg und fand endlich für sein unruhevolles Lebensschiff in Wien unter Kaiser Maximilian, im Jahr 1497, einen Ankergrund. Er las dort Philosophie und Metaphysik, erklärte Tacitus deutsche Geschichte und wirkte auch nach anderen Richtungen hin mächtig belebend und fördernd auf den neuerwachenden wissenschaftlichen Geist. Gleich der rheinischen Gesellschaft gründete Celtes in Wien eine Danubische, welche bald sehr bedeutende Mitglieder zählte. Er schuf die Wiener Bibliothek, unternahm noch eine große wissenschaftliche Reise, die bis nach Irland sich erstreckt haben soll, und errichtete eine eigene Anstalt für Dichtkunst, vom Kaiser lebhaft unterstützt, die an seinem Geburtstage 1502 feierlich eröffnet wurde, verbunden mit einem mathematischen Bildungsinstitut. – Dennoch war bei so vielseitiger und reger Thätigkeit des gediegenen Mannes Leben nur kurz, schon im Alter von 49 Jahren entriß der Tod der Wiener Hochschule ihren damals berühmtesten Lehrer. Neben St. Stephans Münster fand er sein Grab.