Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Karl Theodor Körner

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Karl Theodor Körner
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 219–220
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
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Karl Theodor Körner.
Geb. d. 23. Sept. 1791, gest. d. 26. Aug. 1813.


Der vielgefeierte, deutschpatriotische Heldenjüngling, der Sänger, welcher Leier und Schwert auf das schönste einte und durch frühen Tod auf dem Felde der Kriegerehre und für des Vaterlandes Befreiung den Nachruhm erkaufte. Die hochherzige feurige Jugendkraft, das treue bewähren seiner flammenden Begeisterung, das fast zur vorahnenden Gewißheit gesteigerte sehnen nach dem seligen Schlachtentod, das aus seinem »Vater ich rufe Dich« austönt, und die Erfüllung seiner Sendung mitten im vollbewußten Fluge nach oben – haben ihm die Lorbeer- und die Eichlaubkrone vereint gewunden und ihn das neidenswerthe Loos, allgeliebt, allbewundert, allgefeiert aus dem blühenden Leben zu scheiden, finden lassen.

Theodor Körner wurde zu Dresden geboren, Sohn des durch eigene rühmliche Thätigkeit, durch innige Freundschaft mit Schiller, dessen Werke er von 1812 bis 1818 herausgab, bekannten Appellationsrathes, später Staatsrathes Christian Gottfried Körner. Des Vaters Freundschaftverhältniß zu Schiller konnte nicht ohne bedeutenden und anregenden Einfluß auf den talentvollen Sohn bleiben, obschon dieser sich anfangs nicht den schönen Wissenschaften widmete, sondern das bergmännische Fach erwählte, und, nachdem er die Kreuzschule Dresdens besucht hatte, im Sommer 1808 die Bergakademie zu Freiberg bezog. Ausgezeichnet durch körperliche wie durch geistige Anlagen, Gymnastiker, Zeichner, Musiker und Poet, war Theodor Körner ein liebenswürdiger Berg-Student und feierte in schönen Gedichten die Lichtseiten des erwählten Berufes, dem er indeß später nicht treu blieb. Eine Reise nach Schlesien und auf das Riesengebirge regte zu manchem Gedicht an, und ein ernster, frommer Sinn wurde durch eine Anzahl geistlicher Sonette bethätigt, wie durch den Plan, ein Taschenbuch für Christen zu begründen.

Körner setzte nach zweijährigen Studien in Freiberg dieselben in Leipzig fort, wo 1810 seine »Knospen« erschienen, mit denen er sich in die Reihen deutscher Lyriker stellte. Auch in Leipzig gefiel sich der junge Dichter als Student, wie er sein soll; er paarte Heiterkeit und Lebensfrohmuth mit Fleiß und sittlichem [Ξ] Ernst, fürchtete die Mensur nicht und suchte sie nicht mit Absicht. Im Jahre 1811 ging Körner nach Berlin, um dort naturwissenschaftliche Studien fortzusetzen, auch Philosophie und Geschichte zu hören; leider nöhigte Krankheit zu einem wiederholten Aufenthalt in Carlsbad, und dann bestimmte der Vater den Sohn, in Wien seine Studien zu vollenden. In edeln, hochangesehenen Familien und Kreisen heimisch und gern gesehen, durch eine reine, hohe Liebe beglückt und gefesselt, verlebte der junge Dichter in Wien eine glückliche Zeit und warf sich ganz in die Arme der Poesie, und zwar zumeist der dramatischen; er dichtete ernste und heitere Stücke, welche durch die Leichtigkeit ihres Versbaues und die Reize ihrer Sprache sich Beifall gewannen, ja sie verschafften ihm die Ernennung zum kaiserlich königlichen Theaterdichter in Wien mit schönem Gehalt und wohlgesicherter Stellung.

Aber Poesie und Liebe allein füllten nicht ganz des Dichters Herz aus, es gab noch ein drittes: das Vaterland. Dieß sah er leiden und bluten, dieß sah er sich ermannen, und dessen Ruf nach dem kräftigen, befreienden Arm seiner Söhne weihte Theodor Körner zum Helden. Dem Vaterlande ein, wie er selbst schrieb: »mit allen Blüthenkränzen der Liebe, der Freundschaft und der Freude geschmücktes Leben zum Opfer zu bringen«, das war es, was ihn groß machte unter den Schaaren begeisterter Männer und Jünglinge, die sich zur Befreiung Deutschlands erhoben. Im März 1813 verließ Körner Wien und schloß sich in Breslau Major von Lützow’s Freischaar an, die in einer schlesischen Dorfkirche feierlich eingesegnet wurde.

Nun wurde Körner ein deutscher Tyrtäos; seine Kriegslieder begeisterten und entflammten, sie gingen von Mund zu Mund, sie weckten den Schlachtenmuth und die Todesverachtung, und neben den kräftigen Liedern Arndt’s wurden sie gleichsam selbst geistige Mitkämpfer in der großen heiligen Sache.

Körner sah, indem er als Oberjäger in Geschäften dem Corps vorauseilte, die Seinen in Dresden noch einmal wieder, dann ging er mit dem Corps nach Leipzig, wurde dort zum Lieutenant ernannt, und nun begann das kriegerische Leben mit seinen mannichfachen Wechselscenen, bald voll Thätigkeit, bald voll stillliegender Unthätigkeit, welche letztere Körner nicht zu ertragen vermochte. Er trat daher nach der Schlacht von Lützen zur Kavallerie und folgte als Lützow’s Adjutant diesem auf einen Streifzug durch die nordthüringischen Gefilde. Bei Kitzen durch verrätherische Arglist schwer am Kopfe verwundet, fand der heldenmüthige Krieger beinahe Gefangenschaft oder Tod, entkam mit Mühe nach Leipzig, wurde dort halb geheilt und mußte fernere Pflege in Carlsbad suchen, bis er im Stande war, über Berlin wieder zu seinem Corps zu gelangen, welches jetzt in der Nähe Hamburgs während eines thatenlosen Waffenstillstandes feierte.

Bald sollte diese Ruhe enden, bald schmetterten aufs neue die Kriegsdrommeten, wieherten die Schlachtrosse, es erneute sich der heilige Kampf, Körner dichtete sein: »Das Volk steht auf, der Sturm bricht los« und nach mehreren Gefechten gegen Davoust sein Schwertlied – sein Schwanenlied –, denn an Lützow’s Seite traf ihn an demselben Tage in einem Gefecht an der Straße von Gadebusch nach Schwerin, nahe einem Gehölze, die feindliche Kugel, die zugleich durch den Hals seines edlen Rosses gedrungen war, und endete ein schönes, reiches, vielverheißendes Leben. Unter einer alten Eiche nahe dem Dorfe Wöbbelin ist des Dichters Grab und Denkmal, viel besucht und mit heißen Thränen oft bethaut.

Für seinen Ruhm konnte Körner nicht schöner enden. Viele seiner herrlichen Lieder lebten auf allen Lippen, sie und das Andenken an seinen Tod für das Vaterland webten ihm die Glorie der Unsterblichkeit; jene gingen wohl zu weit, welche meinten, Körner würde, am Leben geblieben, Schiller an Geisteshoheit und Größe auch in der dramatischen Dichtung erreicht oder in der Ballade ihn noch übertroffen haben; die unselige Neigung der Deutschen, krittelnd zu vergleichen und keinen Tüchtigen in seiner Selbstständigkeit unangetastet zu lassen, hätte sich dann gewiß so lange abgemüht, bis es[WS 1] ihr gelungen wäre, ihm den wohlverdienten Lorbeer zu entreißen – so ging er verehrt, gefeiert und beweint hinüber, und ließ sein Andenken rein und schön zurück im Doppelkranze des Sängers und des Vaterlandsbefreiers.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: er