95 Thesen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
Autor: Martin Luther
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Propositiones Lutheri wider das Ablas
Untertitel: 95 Thesen (Populartitel)
aus: Der Neundte Teil der Buecher des Ehrnwirdigen Herrn D. Martini Lutheri (=Werke [Deutsche Abteilung]. Bd. 9): Bl. 9v–13r
Herausgeber: Philipp Melanchthon
Auflage:
Entstehungsdatum: 1517
Erscheinungsdatum: 1557
Verlag: Hans Lufft
Drucker: Hans Lufft
Erscheinungsort: Wittenberg
Übersetzer: Justus Jonas der Ältere
Originaltitel: Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: MDZ München, Commons
Kurzbeschreibung:
im VD16 unter der Nummer L 3333
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
95 Thesen.pdf
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[9v]
Aus rechter warer liebe : vnd

sonderlichem vleis (on einig gesuch eiteler ehre / etc.) die
warheit an tag zu bringen / wil der Ehrwirdige Vater D. Mart.
Luth. Augustiner zu Wittemberg / der freien Künste vnd heiliger
Schrifft Magister / etc. durch Gottes gnade / folgende Propositiones
vom Ablas handeln / dauon disputiren / verteidingen vnd erhalten /
wider Bruder Johan Tetzel / Prediger Ordens.
Bittet derhalben die / so gegenwertig sich mit jm dauon
nicht vnterreden können / wolten solches abwesend
durch Schrifft thun / etc. Im namen
vnsers HErrn Jhesu Christi /

AMEN.


Diese Propositiones sind an aller Heiligen abend Anno 1517. an der Schloskirchen thür zu Wittemberg angeschlagen worden. Luther Werke 9 1557 Initial D 9v.jpg DA vnser Meister vnd HERR Jhesus Christus spricht / Thut Busse / etc. wil er / das / das gantze leben seiner Gleubigen auff Erden / ein stete vnd vnauffhörliche Busse sol sein.

2. Vnd kan noch mag solch wort nicht vom Sacrament der Busse / das ist / von der Beicht vnd Gnugthuung / so durch der Priesterampt geübet wird / verstanden werden.

3. Jedoch wil er nicht allein verstanden haben / die innerliche Busse / ja die innerliche Busse ist nichtig / vnd keine Busse / wo sie nicht eusserlich allerley tödtung des fleisches wircket.

4. Wehret derhalben rew vnd leid / das ist / ware Busse / so lang einer [10r] misfallen an jm selber hat / nemlich / bis zum eingang aus diesem in das ewige Leben.

5. Der Bapst wil noch kan nicht einige andere pein erlassen / ausserhalb derer / die er seins gefallens / oder laut der Canonum / das ist / Bepstlicher satzungen / auffgeleget hat.

6. Der Bapst kan kein schuld vergeben / denn allein so fern / das er erklere vnd bestetige / was von Gott vergeben sey / Oder aber / das ers thu in den Fellen / die er jm vorbehalten hat / welche Felle / so sie verachtet würden / bliebe die schuld gantz vnd gar vnauffgehaben oder verlassen.

7. Gott vergibt keinem die schuld / den er nicht zu gleich durch aus wol gedemütiget / dem Priester / seinem Stathalter / vnterwerffe.

8. Canones poenitentiales / das ist / die Satzungen / wie man beichten vnd büssen sol / sind allein den Lebendigen auffgelegt / vnd sollen nach laut derselbigen Satzungen / den jtzt Sterbenden nicht auffgelegt werden.

9. Daher thut vns der heilige Geist wol am Bapst / das der Bapst alle wege in seinen Decreten oder Rechten / ausnimet den Artikel des Todes / vnd die eusserste not.

10. Die Priester handeln vnuerstendig vnd vbel / die den sterbenden Menschen poenitentias Canonicas / das ist / aufferlegte Busse / ins Fegfewer / daselbs denselben gnug zuthun / sparen vnd behalten.

11. Dieses Vnkraut / das man die Busse oder Gnugthuung / so durch die Canones oder Satzungen auffgelegt ist / in des Fegfewers Busse oder pein solte verwandeln / ist geseet worden / da die Bischoue geschlaffen haben.

12. Vorzeiten worden Canonicae poenae / das ist / Busse oder gnugthuung fur begangene Sünde / nicht nach / sondern vor der Absolution auffgelegt / dabey zu prüfen / ob die rew vnd leid rechtschaffen were.

13. Die Sterbenden thun fur alles gnug durch jren Tod oder absterben / vnd sind dem recht der Canonum oder Satzungen abgestorben / vnd also billich von derselben aufflage entbunden.

14. Vnuolkomene frömigkeit / oder vnuolkomene liebe des / der jtzt sterben sol / bringet notwendig grosse furcht mit sich / ja / wie viel die Liebe geringer ist / so viel ist die furcht deste grösser.

15. Diese furcht vnd schrecken ist an jr selbs vnd allein / das ich andere ding schweige / dazu gnug / das sie des Fegfewrs pein vnd qual anrichte / dieweil sie der anst der verzweiuelung gantz nahe ist.

16. Helle / Fegfewer vnd Himel scheinen gleicher mas vnterscheiden sein / wie die rechte verzweiuelung / vnuolkomene oder [10v] nahe verzweiuelung / vnd sicherheit / von einander vnterscheiden sind.

17. Es scheint / als müsse im Fegfewer / gleich wie die angst vnd schrecken an den Seelen abnimpt / Also auch die liebe an jnen wachsen vnd zunemen.

18. Es scheinet auch vnbeweiset sein / weder durch gute Vrsachen / noch durch Schrifft / das die Seelen im Fegfewer ausser dem stand des verdiensts / oder des zünemens an der Lieb seien.

19. Es scheinet auch dis vnerweiset sein / Das die Seelen im Fegfewer / zum wenigsten alle / jrer seligkeit gewis vnd vnbekümmert seien / ob wir schon des gantz gewis sind.

20. Derhalben meinet noch verstehet der Bapst nicht / durch diese wort (volkomene vergebung aller pein) das in gemein allerley pein vergeben werde / Sondern meinet die pein allein / die er selbs hat auffgelegt.

21. Derhalben jrren die Ablasprediger / die da sagen / Das durch des Bapsts Ablas der Mensch von aller pein los vnd selig werde.

22. Ja / der Bapst erlesset kein pein den Seelen im Fegfewer / die sie hetten in diesem leben / laut der Canonum / sollen büssen vnd bezalen.

23. Ja / so jrgend ein vergebung aller pein jemand kan gegeben werden / ists gewis / das die allein den volkomenesten / das ist / den gar wenigen / gegeben werde.

24. Darumb mus der grösser teil vnter den Leuten betrogen werden / durch die prechtige Verheissung on alle vnterscheide / dem gemeinen Man eingebildet von bezalter pein.

25. Gleichen gewalt / wie der Bapst hat vber das Fegfewer / durchaus vnd in gemein / So haben auch ein jeder Bischoff vnd Seelsorger / in seinem Bisthumb vnd Pfarr / in sonderheit / oder bey den seinen.

26. Der Bapst thut sehr wol dran / das er nicht aus gewalt des Schlüssels (den Er nicht hat) sondern durch hülffe / oder fürbitt weise / den Seelen vergebung schencket.

27. Die predigen Menschentand / die da fürgeben / das / so bald der Grosschen in den kasten geworffen / klinget / von stund an die Seele aus dem Fegfewer fare.

28. Das ist gewis / als bald der Grosschen im kasten klinget / das gewinst vnd Geitz kome / zunemen vnd grösser werden / Die hülffe aber / oder die fürbitt der Kirchen stehet allein in Gottes willen vnd wolgefallen.

29. Wer weis / ob auch alle Seelen im Fegfewer wollen erlöset sein / wie man sagt / das es mit S. Seuerino vnd Paschalio sey zugangen.

30. Niemand ist des gewis / das Er ware rew vnd leid gnug [11r] habe / viel weniger kan Er gewis sein / ob Er vollkome vergebung der Sünden bekomen habe.

31. Wie selten einer ist / der warhafftige rew vnd leid hab / So selten ist auch der / der warhafftig Ablas löset / das ist / es ist gar selten einer zu finden.

32. Die werden sampt jren Meistern zum Teuffel faren / die vermeinen durch Ablasbrieue jrer seligkeit gewis zu sein.

33. Fur denen sol man sich sehr wol hüten vnd fursehen / die da sagen / des Bapsts Ablas sey die höchste vnd werdeste GOTtes gnade oder geschenck / dadurch der Mensch mit GOTT versünet wird.

34. Denn die Ablas gnade sihet allein auff die pein der Gnugthuung / welche von Menschen auffgesetzt ist worden.

35. Die leren vnchristlich / die furgeben / das die / so da Seelen aus dem Fegfewer / oder Beichtbrieue wollen lösen / keiner rew noch leides bedürffen.

36. Ein jeder Christ / der ware rew vnd leid hat vber seinen sünden / der hat vollige vergebung von pein vnd schuld / die jm auch one Ablasbrieue gehöret.

37. Ein jeder warhafftiger Christ / er sey lebendig oder tod / ist teilhafftig aller güter Christi vnd der Kirchen / aus Gottes geschenck / auch one Ablasbrieue.

38. Doch ist des Bapsts vergebung vnd austeilung mit nichten zu verachten / denn / wie ich gesagt habe / ist seine vergebung ein erklerung Göttlicher vergebung.

39. Es ist aus der massen schweer / auch den aller gelertesten Theologen / zugleich den grossen reichthumb des Ablas / vnd dagegen die ware rew vnd leid fur dem Volck zu rhümen.

40. Ware rew vnd leid sucht vnd liebet die straffe / Aber die mildigkeit des Ablas entbindet von der straffe / vnd das man jr gram wird / zum wenigsten / wenn dazu gelegenheit furfelt.

41. Fursichtiglich sol man von dem Bepstlichen Ablas predigen / das der gemeine Man nicht felschlich dafur halte / das Er den andern wercken der Lieb werde furgezogen oder besser geachtet.

42. Man sol die Christen leren / das es des Bapsts gemüt vnd meinung nicht sey / das Ablas lösen jrgend einem werck der barmhertzigkeit mit jchtes solte zu vergleichen sein.

43. Man sol die Christen leren / das / der dem Armen gibt / oder leihet dem Dürfftigen / besser thut / denn das er Ablas lösete.

44. Denn durch das werck der Liebe wechst die Liebe / vnd der Mensch wird frömer / Durch das Ablas aber wird er nicht besser / sondern allein sicherer vnd freier von der pein oder straffe.

45. Man sol die Christen leren / das der / so seinen Nehesten sihet [11v] darben / vnd des vngeachtet / Ablas löset / der löset nicht des Bapsts Ablas / sondern ladet auff sich Gottes vngnade.

46. Man sol die Christen leren / das sie / wo sie nicht vbrig reich sind / schüldig sind / was zur notdurfft gehöret / fur jr Haus zu behalten / vnd mit nichten fur Ablas zu verschwenden.

47. Man sol die Christen leren / das / das Ablas lösen ein frey ding sey / vnd nicht geboten.

48. Man sol die Christen leren / das der Bapst / wie mehr er eines andechtigen Gebets bedarff / Also desselben mehr begere / denn des Gelts / wenn er Ablas austeilet.

49. Man sol die Christen leren / das des Bapsts Ablas gut sey / so fern man sein vertrawen nicht darauff setzet / Dagegen aber nichts schedlichers / denn so man dadurch Gottes furcht verleuret.

50. Man sol die Christen leren / Das der Bapst / so er wüste der Ablasprediger schinderey / lieber wolte / das S. Peters Münster zu puluer verbrand würde / denn das es solt mit haut / fleisch vnd bein seiner Schaffe erbawet werden.

51. Man sol die Christen leren / das der Bapst / wie er schuldig ist / also auch seines eigen Gelts / wenn auch schon S. Peters Münster dazu solt verkaufft werden / den Leuten austeilen würde / welche doch etliche Ablasprediger jtzund selbs vmbs Gelt bringen.

52. Durch Ablasbrieue vertrawen selig zu werden / ist nichtig vnd erlogen ding / ob gleich der Commissarius (oder Ablas vogt) ja der Bapst selbs / seine Seele dafur zu pfand wolt setzen.

53. Das sind feinde Christi vnd des Bapsts / die von wegen der Ablaspredigt / das wort Gottes in andern Kirchen zupredigen gantz vnd gar verbieten.

54. Es geschiet dem wort Gottes vnrecht / wenn man in einer Predigt / gleich so viel / oder mehr zeit auffwendet / das Ablas zu verkündigen / als auff das wort Gottes.

55. Des Bapsts meinung kan nicht anders sein / denn so man das Ablas (das / das geringste ist) mit einer Glocken / einem gepreng vnd Ceremonien begehet / das man dagegen vnd viel mehr das Euangelium (welchs das gröst ist) mit hundert Glocken / hundert gepreng / vnd Ceremonien ehren vnd preisen solle.

56. Die schetze der Kirchen / dauon der Bapst das Ablas austeilet / sind weder gnugsam genand noch bekand / bey der gemein Christi.

57. Denn das es nicht leibliche zeitliche Güter sind / ist daher offenbar / das viel Prediger dieselben nicht so leichtlich hingeben / sondern allein auff samlen.

58. Es sind auch nicht die verdienst Christi vnd der heiligen / denn diese wircken allezeit / on zuthun des Bapüs / gnad des innerlichen Menschen / vnd das Creutz / Tod vnd Helle / des eusserlichen Menschen.

59. S. Laurentius hat die Armen / so der Kirchen glieder [12r] sind / genant die Schetze der Kirchen / Aber er hat das wörtlin genomen / wie es zu seiner zeit im brauch war.

60. Wir sagen aus gutem grund / on freuel oder leichtfertigkeit / das dieser Schatz seien die Schlüssel der Kirchen / durch das verdienst Christi der Kirchen geschencket.

61. Denn es ist klar / das zu vergebung der pein / vnd vorbehaltener Felle / allein des Bapsts gewalt gnug ist.

62. Der rechte ware Schatz der Kirchen / ist das heilige Euangelium der herrligkeit vnd gnaden Gottes.

63. Dieser Schatz ist billich der allerfeindseligste vnd verhasseste / Denn er macht / das die ersten die letzten werden.

64. Aber der Ablas Schatz ist billich der aller angenemeste / Denn er macht aus den letzten die ersten.

65. Derhalben sind die Schetze des Euangelij / netze / da man vorzeiten die Reichen wolhabende Leute mit gefischet hat.

66. Die Schetze aber des Ablas sind die netze / damit man jtziger zeit die reichthumb der Menschen fischet.

67. Das Ablas / das die Prediger fur die grösseste gnad ausruffen / ist freilich fur grosse gnad zu halten / denn es grossen gewinst vnd genies treget.

68. Vnd ist doch solch Ablas warhafftig die aller geringste gnade / wenn mans gegen der gnaden Gottes / vnd des Creutzes Gottseligkeit helt oder vergleichet.

69. Es sind die Bischoue vnd Seelsorger schüldig / des Apostolischen Ablas Commissarien mit aller Ehrerbiethung zu zulassen.

70. Aber viel mehr sind die schüldig mit Augen vnd Ohren auffzusehen / das dieselbe[n] Commissarien nicht an stat Bepstliches befehls / jre eigen trewme Predigen.

71. Wer wider die warheit des Bepsttischen Ablas redet / der sey ein Fluch vnd vermaledeiet.

72. Wer aber wider des Ablas predigers mutwillige vnd freche wort sorge tragt / oder sich bekümmert / der sey gebenedeit.

73. Wie der Bapst die jenigen billich mit vngnad vnd dem Bann schlegt / die zu nachteil dem Ablas jrgend auff einigen weg handeln.

74. So viel mehr trachtet er auff die Leute vngnad vnd Bann zu schütten die vnter dem schein des Ablas / zu nachteil der Heiligen Lieb vnd Warheit handeln.

75. Des Bapsts Ablas so gros halten / das er einen absoluiren / oder von sünden los machen könne / wenn er gleich (vnmüglicher weise zu reden) die Mutter Gottes geschwechet hette / ist rasend vnd vnsinnig sein.

76. Dagegen sagen wir / das des Bapsts Ablas nicht die allergeringste tegliche sünde könne hinweg nemen / so viel die schuld derselben belanget.

[12v] 77. Das man saget / S. Peter / wenn er jtzt Bapst were / vermöchte nicht grössern Ablas zu geben / ist ein lesterung wider S. Peter vnd den Bapst.

78. Dawider sagen wir / Das auch dieser vnd ein jeder Bapst grössern Ablas hat / nemlich / das Euangelium / Kreffte / gaben gesund zu machen / etc. 1. Corinth 12.

79. Sagen / das / das Creutz mit des Bapsts wapen herrlich auffgericht / vermöge so viel als das Creutz Christi / ist eine Gottslesterung.

80. Die Bischoue / Seelsorger vnd Theologen / die da gestatten / das man solche wort fur dem gemeinen Man reden darff / werden rechenschafft dafur müssen geben.

81. Solche freche vnd vnuerschempte Predigt vnd rhum vom Ablas / macht / das es auch den Gelerten schweer wird / des Bapsts ehre vnd wirde zu verteidingen / fur derselben verleumbdung / oder ja fur den scharffen / listigen des gemeinen Mans fragen.

82. Als nemlich / Warumb entlediget der Bapst nicht alle Seelen zu gleich aus dem Fegfewer vmb der allerbilligsten Liebe willen / vnd von wegen der höchsten not der Seelen / als der allerheiligsten vrsachen / So er doch vmb das aller vergenglichsten gelts willen / zum baw S. Peters Münster / vnzelich viel Seelen erlöset / als von wegen der lösesten vrsachen?

83. Item / Warumb bleiben die begengnis vnd jarzeit der Verstorbenen stehen / vnd warumb gibt er nicht wider / oder vergönnet wider zu nemen die Beneficia oder Pfründen / die den Todten zu gut gestifftet sind / So es nu mehr vnrecht ist / fur die Erlöseten zu beten?

84. Item / Was ist das fur ein newe heiligkeit Gottes vnd des Bapsts / das sie den Gottlosen vnd dem Feinde / vmb gelts willen vergünnen ein Gottfürchtige vnd von Gott geliebte Seele zu erlösen / vnd wollen doch nicht viel mehr vmb der grossen not derselben Gottfürchtigen vnd geliebten Seelen willen / sie aus lieb vmb sonst erlösen?

85. Item / Warumb die Canones poenitentiales / das ist / die satzunge von der Busse / nu langest in jnen selbs mit der that / ob sie schon noch im gebrauch sind / abgethan vnd Tod / noch mit Gelt gelöset werden / durch gunst des Ablas / als weren sie noch gantz krefftig vnd lebendig?

86. Item / Warumb bawet jtzt der Bapst nicht lieber S. Peters Münster / von seinem eigenen Gelde / denn von der armen Christen Geld / weil doch sein vermögen sich höher erstreckt / denn keines reichen Crassi güter?

87. Item / Was erlöset oder teilet der Bapst sein Ablas denen mit / die schon durch volkomene rew einer volkomenen vergebung vnd Ablas berechtigt sind?

[13r] 88. Item / Was künd der Kirchen mehr guts widerfaren / denn wenn der Bapst / wie ers nur ein mal thut / also hundert mal im tage je dem Gleubigen diese vergebung vnd Ablas schencket?

89. Weil auch der Bapst der Seelen seligkeit / mehr durch Ablas / denn durchs Gelt suchet / Warumb hebt er denn auff / vnd macht zu nicht die Brieue vnd Ablas / die er vormals gegeben hat / so sie doch gleich krefftig sind?

90. Diese der Leyen sehr spitzige Argument / allein mit gewalt wollen dempffen / vnd nicht durch angezeigten Grund vnd Vrsach aufflösen / heist die Kirche vnd Bapst den Feinden zu verlachen darstellen / vnd die Christen vnselig machen.

91. Derhalben / so das Ablas nach des Bapsts geist vnd meinung gepredigt würde / weren diese Einreden leichtlich zu verantworten / ja sie weren nie nicht fürgefallen.

92. Mügen derhalben alle die Prediger hinfaren / die da sagen zu der gemeine Christi / Friede / Friede / vnd ist kein fried.

93. Denen Predigern aber müsse es allein wolgehen / die da sagen zur gemein Christi / Creutz / Creutz / vnd ist kein Creutz.

94. Man sol die Christen vermanen / das sie jrem Heubt / Christo durch Creutz / Tod vnd Helle nach zufolgen sich befleissigen.

95. Vnd also mehr durch viel trübsal ins Himelreich zu gehen / Denn das sie durch vertröstung des friedes sicher werden.