ADB:Albert II. (Graf von Tirol)

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Artikel „Albert (III.), Graf von Tirol“ von Alfons Huber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 205–207, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Albert_II._(Graf_von_Tirol)&oldid=2485907 (Version vom 20. November 2017, 00:21 Uhr UTC)
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Albert (III.), Graf von Tirol, Urenkel des Grafen Albert I. (1128–40) und der Adelheid von Eppan, Enkel Bertholds I. († 6. März 1180), der mit seinem Bruder Albert (II.) zuerst 1141 den Titel eines Grafen von Tirol führt, Sohn Heinrichs († vor 24. Juni 1190) und der Edeln Agnes von Wanga. Schon Albert I. trug vom Bisthum Trient die diesem 1027 durch König Konrad II. verliehene Grafschaft Vintschgau zu Lehen, welche sich von der Falschauer und dem Gargazoner Bach unterhalb Meran bis Pontalt in Engadein erstreckte, seine Nachkommen hatten auch die Grafschaft Bozen gemeinschaftlich mit dem Bischof von Trient inne und erscheinen seit der Mitte des 12. Jahrhunderts auch als Vögte des Stiftes Trient.

A. war beim Tode seines Vaters noch minderjährig und tritt erst vom J. 1202 an selbständig auf. Nachdem er nach der Ermordung des Königs Philipp von Schwaben wie alle deutschen Großen den Welfen Otto als Herrscher anerkannt hatte, schloß er sich, wie sein mütterlicher Oheim, Bischof Friedrich von Trient, als einer der ersten Friedrich II. an, dessen Reichstage er wiederholt besuchte und dem er auch nach Italien öfter Zuzug leistete. Im. J. 1219 nahm er mit dem Bischof Berthold von Brixen an der Belagerung von Damiette theil.

Die eigentliche Bedeutung Alberts liegt aber darin, daß er die Vereinigung der verschiedenen Gebiete des „Landes im Gebirge“ anbahnte und der Gründer [206] der Grafschaft Tirol in dem spätern Sinne dieses Wortes ward. Zuerst gab die Aechtung des Markgrafen Heinrich von Istrien aus dem Hause Andechs, welcher der Mitschuld am Morde König Philipps angeklagt war, dem Grafen A. Gelegenheit zu einer erheblichen Erweiterung seiner Besitzungen. Denn er erhielt vom Bischof von Brixen, welcher die an die Andechser vergabten Stiftslehen eingezogen hatte, 1214 die Stiftsvogtei und (vor 1225) auch die Belehnung mit der Grafschaft im Eisackthale. Einzelne Güter erwarb er in den verschiedensten Theilen des Landes. Da A. von seiner Gemahlin Uta (Tochter des letzten Grafen von Wasserburg?) keinen Sohn, sondern nur zwei Töchter erhielt, von denen er die eine, Adelheid, um 1236 an den Grafen Meinhard von Görz, die andere, Elisabeth, bald darauf an den Herzog Otto II. von Meranien vermählte, so richtete er sein Hauptstreben dahin, seine Lehen auch seinen Töchtern und Schwiegersöhnen zu verschaffen, was ihm auch gelang. Schon 1228 erhielt er vom Bischof von Chur das Versprechen, daß dieser den Töchtern des Grafen alle Lehen, welche dieser vom Stifte innehatte, verleihen wolle. Später erhielt A. dieselbe Zusage auch vom Bischofe von Trient, freilich ohne Wissen des Capitels und setzte auch beim Kaiser die Bestätigung dieser Verfügung durch. Der dritte der Lehnsherren, der Bischof Egno von Brixen, suchte allerdings die Macht der Vasallen, der Tiroler und Andechser, zurückzudrängen. Allein er war der vereinten Macht des Grafen A. und seiner Schwiegersöhne nicht gewachsen und mußte im J. 1241 gegen eine Summe Geldes den Herzog Otto von Meranien und seinen Schwiegervater A. von Tirol mit den Stiftslehen, die jeder einzeln besaß, gemeinschaftlich belehnen, so daß die Vereinigung aller brixenischen Lehen in einer Hand vorbereitet wurde. Sie erfolgte, als am 18. (oder 19.) Juni 1248 mit dem Herzog Otto von Meranien das Geschlecht der Andechser erlosch. A. von Tirol vereinigte nun in seinen Händen die Grafschaften im Unterinnthal (bis zur Ziller), im Eisack- und im Pusterthal als Lehen der Kirche Brixen, die Grafschaft Vintschgau, einen Theil der Grafschaft Bozen und viele andere Güter als Lehen der Kirche Trient, also den größern Theil des spätern Landes Tirol, das mit Recht von ihm den Namen erhalten hat. Im J. 1253 verlieh ihm der Bischof Egno von Trient, dessen Gebiet größtentheils durch Ezzelino da Romano besetzt war, in seiner Bedrängniß auch noch die Lehen, welche Ulrich, der letzte Graf von Ulten, von seinem Stifte innegehabt hatte.

In den Kämpfen, welche nach der Absetzung König Friedrichs II. durch Papst Innocenz IV. im J. 1245 in Deutschland ausbrachen, war Graf A. mit seinem Schwiegersohne Meinhard von Görz der eifrigste Vorkämpfer der kaiserlichen Partei gegen die Anhänger des Papstes, deren Hauptstütze der Erzbischof Philipp von Salzburg, Bruder des Herzogs von Kärnthen war. In diesen wilden Kämpfen hatten die Kaiserlichen, welche nichts Geringeres als eine Säcularisation der Kirchengüter anstrebten, anfangs entschieden das Uebergewicht. Allein im October 1252 wurden die Grafen A. und Meinhard bei der Belagerung des Schlosses Greifenburg in Kärnthen durch den Erzbischof Philipp überfallen und A. selbst nach tapferer Gegenwehr mit vielen seiner Leute gefangen und nach Friesach geführt. Erst Ende December wurde er gegen Zahlung einer großen Geldsumme und Herausgabe mehrerer Schlösser in Freiheit gesetzt. A. überlebte den Frieden nur kurze Zeit. Schon am 22. Juli 1253 schied er aus dem Leben und zwar belastet mit dem Banne der Kirche, in den er wegen Beeinträchtigung der Besitzungen des Stiftes Freising gefallen war, weswegen der Papst den bestimmten Befehl gab, den Leichnam des Grafen wieder auszugraben und aus dem christlichen Friedhofe hinauszuwerfen.

P. Justinian Ladurner, Albert III. und letzte der ursprünglichen Grafen [207] von Tirol (in der Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg 3. Folge 14. Heft).