ADB:Beer, Eduard Friedrich Ferdinand

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Artikel „Beer, Eduard Friedrich Ferdinand“ von Carl Gustav Adolf Siegfried in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 247–248, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Beer,_Eduard_Friedrich_Ferdinand&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 05:53 Uhr UTC)
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Beer: Eduard Friedrich Ferdinand B., geb. 15. Juni 1805 zu Bautzen, † 5. April 1841, Sohn eines Schneidermeisters, zeigte schon als Kind einen fast instinktartig zu nennenden Trieb zu Sprachstudien, der sich seit 1819, nachdem er zwei Jahre vorher das Gymnasium seiner Vaterstadt bezogen hatte, vorzugsweise auf das Hebräische warf. Doch dehnte er schon als Schüler seine Studien auch auf andere semitische Sprachen aus. Seit Ostern 1824 studirte er zu Leipzig vorzugsweise unter Rosenmüller’s und Seyffart’s Leitung, während eine engere Freundschaft ihn mit dem später in Petersburg wirkenden Orientalisten Dorn verband. Frühzeitig wandte sich B. in Leipzig seinem Hauptfache, der semitischen Paläographie zu. Schon 1826 war er mit den durch Major v. Humbert seit 1817 bekannt gewordenen vier karthagischen Votivinschriften beschäftigt, deren verfehlter Erklärung durch Hamaker (1822) er die seinige in manchem Betracht mit Gesenius zusammentreffende in der Leipziger Litteraturzeitung 1829 Nr. 75 entgegensetzte. Eine gleichfalls 1826 ausgearbeitete Deutung der bilinguen Inschrift von Cyrene blieb Manuscript. Obwol der Verlust des Vaters 1827 ihm jede Aussicht auf materielle Unterstützung raubte und er sich nur von Correcturen kümmerlich nährte, legte er doch mit unerschütterlicher Energie damals den Grund zu einem Gesammtwerke über die semitische Paläographie, an dessen Ausbau ihn weder Nahrungssorgen noch eine schwere 1828 ihn befallende Krankheit dauernd hindern konnten. Ein akademisches Stipendium machte es ihm endlich möglich sich 1833 mit der particula prima seiner „Inscriptiones et papyri veteres semitici quotquot in Aegypto reperti sunt“ zu habilitiren. Indessen wurde die Fortsetzung dieses Werkes durch die inzwischen erscheinenden „Monumenta scripturae linguaeque Phoeniciae“ von Gesenius, die theilsweise denselben Stoff enthielten, verhindert. – Nach längerer besonders durch die Arbeit für die Vorlesungen herbeigeführter Pause erschien 1838 in der Halleschen Litteraturzeitung Nr. 1–6 eine gründliche Recension der Keilinschriftlesungen von Burnouf[WS 1], Lassen und Grotefend, in Folge deren B. endlich außerordentlicher Professor ohne Gehalt (!) ward. Doch empfing er jetzt von Zeit zu Zeit einige geringe Gratificationen und als er den letzten Hauch seines Lebens an die 1840 erscheinende „Erklärung der sinaitischen Inschriften“ gesetzt hatte, erschien bei seinem Tode am 5. April 1841 die Aussicht auf ein jährliches Fixum von 100 Thlrn. Ein echtes deutsches Gelehrtenleben, in welchem Hunger, Fleiß und unermüdetes Wahrheitsstreben einander die Hand reichten. – Das letztgenannte Hauptwerk Beer’s, betitelt „Inscriptiones veteres literis et lingua hucusque incognitis ad montem Sinai magno numero servatae“ auch „Studia asiatica fasc. III.“ enthält eine Erklärung von 148 Inschriften nebst lithographirten Facsimile’s derselben. Die Prolegomena handeln über Ort, Beschaffenheit, bisherige Erklärung und Veröffentlichung der Inschriften, über die denselben beigegebenen Bildwerke und Kreuzeszeichen sowie über Alter und Ursprung derselben. Es ist unzweifelhaft, daß B. in diesem Werke die Grundlage für jede wissenschaftliche Erklärung dieser Inschriften geschaffen hat, auf der Tuch’s gediegene Leistung später fortbauen konnte. Auch ist bemerkenswerth, daß während Credner (Heidelb. Jahrb. 1841 Nr. 57–59) und Tuch (Zeitschr. [248] der deutsch-morgenländischen Gesellschaft 1849. Bd. 3) den Inschriften einen arabischen Sprachcharakter zuschrieben, Levy, (Zeitschr. der deutsch-morgenländischen Gesellschaft 1860, Bd. XIV. S. 363 ff.) wieder zu Beer’s Annahme eines aramäischen Dialektes zurückgekehrt ist. – Der von Fleischer’s Hand gesichtete handschriftliche Nachlaß Beer’s befindet sich zu 11 Foliobänden zusammengestellt auf der Universitätsbibliothek zu Leipzig.

N. Nekrolog XIX. (1841) S. 377 ff.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Émile Burnouf (1821–1907), französischer Orientalist