ADB:Billick, Eberhard

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Billick, Eberhard“ von Leonhard Ennen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 639–640, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Billick,_Eberhard&oldid=- (Version vom 14. November 2019, 10:54 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Billing, Sigismund
Band 2 (1875), S. 639–640 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Eberhard Billick in der Wikipedia
GND-Nummer 12956320X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|2|639|640|Billick, Eberhard|Leonhard Ennen|ADB:Billick, Eberhard}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=12956320X}}    

Billick: Eberhard B., Carmeliter-Provinzial in Köln, geb. zu Billick bei Düsseldorf, † 11. Jan. 1557. Sein Familienname war Steinberger. Frühe trat er in den Carmeliter-Orden und schon im J. 1526 finden wir ihn als Prior des Kölner Carmeliter-Convents. Als solcher hielt er im J. 1526 auf der Provinzial-Synode die Synodal-Rede, in welcher sich eine schwache Neigung zur Bewilligung der nöthigsten Reformen kund gibt. Am 18. November 1528 wurde er in der theologischen Facultät immatriculirt. Bald darauf wurde er in derselben Facultät öffentlicher Professor. Mit Eck und andern Theologen betheiligte er sich 1540 an dem Religionsgespräch zu Worms. Hier begann er im Auftrage des Nuntius Morone eine Widerlegung der Augsburger Confession auszuarbeiten, kam damit aber nicht zu Ende. Im J. 1542 wurde er auf dem Provinzial-Capitel zu Aachen zum Provincial seines Ordens für ganz Deutschland gewählt. In dieser Zeit, in welcher der Erzbischof Hermann von Wied entschieden in reformatorischer Richtung vorzugehen begann, trat er neben dem Official Bernhard Georgii von Paderborn, dem Propste Johann Gropper, dem Regens Heinrich Buscher von Tongern, dem Pfarrer Dietrich Hake und dem Weihbischof Johann Nopelius an die Spitze der conservativen, antireformatorischen Bewegung unter der Kölner Geistlichkeit und den Mitgliedern der Universität. Er war der Verfasser der 1543 veröffentlichten Streitschrift: „Judicium deputatorum universitatis et secundarii cleri Coloniensis de vocatione et doctrina Martini Buceri ad Bonnam“. In dieser Schrift bewährte er sich als einen gewandten und schlagfertigen Polemiker. Für die Folge trat er in den Streitigkeiten zwischen dem Erzbischof Hermann und den Freunden der alten Richtung immer in den Vordergrund, wenn es galt, durch eine Streitschrift die Grundsätze der Kölner Reformatoren zu bekämpfen. Er war es hauptsächlich, der von der Kanzel in populären Predigten den großen Haufen in seiner Anhänglichkeit an das alte Kirchenthum bestärkte und der dem jungen Jesuitenorden seinen Einzug in die Stadt Köln ermöglichte. Der Coadjutor Adolf von Schauenburg, der in dem vollständigen Siege des alten Kirchenwesens die Krönung seiner ehrgeizigen Absichten erkannte, verstand es, die Kräfte an sich heranzuziehen, welche in dem Kampfe gegen die Neuerer von durchschlagender Wirksamkeit zu sein versprachen. Zu diesen gehörte vor allen der Carmeliter-Provincial. Aus seiner Feder floß die gegen die Bestrebungen Hermanns gerichtete Streitschrift: „Judicium universitatis et cleri Coloniensis adversus calumnias Philippi Melanthonis, Martini Buceri etc.“, 1545. In demselben Jahr ließ er bei Caspar Gennep eine Vertheidigung dieses von Bucer und Melanchthon so heftig angegriffenen Gutachtens drucken. Vom Rathe erhielt er für diese Arbeit ein Kerb Wein. Am Schlusse dieser defensio stellte er einen zweiten Band in Aussicht, in welchem er alle die Puncte zu behandeln versprach, die in dem ersten Bande wegen allzugroßer Eile hatten übergangen werden müssen. In derselben Sache ließ er gegen eine an allen Kirchthüren angeschlagene Satire eine scharfe Entgegnung in siebenzig Versen ankleben. In dem heißen Kampfe zwischen der alten und neuen [640] Richtung wurde er vom Coadjutor, der Universität und dem Clerus viel zu diplomatischen Sendungen an den Kaiser, auf Reichstage und Religionsgespräche verwandt: alle Kräfte bot er auf, um Hermanns Absetzung zu bewirken. Seinem Einflusse hauptsächlich ist die Conversion Theobald Thamer’s zuzuschreiben. Auf dem Religionsgespräch zu Regensburg saß er als Colloquent neben dem Spanier Malvenda und dem Theologen Johannes Cochläus. In den J. 1545 und 1546 gab er sich große Mühe um die Einführung einer neuen Inquisition, die sich als gefügiges Rüstzeug des römischen Geistes bewähren sollte. Sein Einfluß in Köln stieg noch, als Adolf nach Hermanns Entsetzung den erzbischöflichen Stuhl bestieg. Bei der Synode des Jahres 1549 spielte er eine wichtige Rolle; er leitete die Verhandlungen wegen Reform der Universität. Als Erzbischof Adolf 1551 sich zum Concil nach Trient begab, hatte er den B. als theologischen Beirath zur Seite. In einem aus Trient an den Kölner Prior Pater Caspar Doroler geschriebenem Briefe rühmt er die Gewissenhaftigkeit und den Fleiß der Concils-Väter in Untersuchung und Prüfung der Streitpunkte. Zweimal predigte er vor den versammelten Mitgliedern des Concils. Im Jahre 1556 betrieb er mit brennendem Eifer den Proceß gegen den als Sacramentirer verschrieenen Professor Justus Velsius. In Anerkennung seiner Verdienste um die Erhaltung des alten kirchlichen Zustandes in der Kölner Diöcese bestimmte ihn Erzbischof Adolf zu seinem Generalvicar in pontificalibus und Papst Paul IV. designirte ihn zum Bischof von Cyrene. Ehe er aber consecrirt wurde, starb er. Seine Ruhestätte fand er bei den Carmelitern. Im J. 1547 hatte er den Umgang in diesem Kloster mit Darstellungen aus dem neuen Testamente schmücken lassen. „Es waren dieß köstliche Gemälde. Barthel Brun von St. Alban ist der erste Meister gewesen, nach ihm seine Söhne, die es vollendet haben. Der Provincial Eberhard hat unter jedes Gemälde die Carmina gemacht, und der erste Buchstabe an jeder Tafel ist roth, und wenn die allerersten Lettern an allen Tafeln zu einander gestellt werden, so bilden sie seinen Namen und Titel. Er hat von vielen Kur- und Fürsten, Bischöfen, Prälaten, Grafen, Rittern, Doctoren, Bürgern viele Tafeln geschenkt bekommen. Dieser Provincial hat auch ein kostbares silbernes Marienbild in sein Kloster gegeben, welches er von goldenen Pokalen und silbernem Geschirre, was ihm von Fürsten und Herren geschenkt worden, gemacht hat.“ Von Billick’s Schriften sind außer den beiden schon genannten noch zu nennen: „Epistel Eberhardi Billiki Carmeliten zu Köln“, 1546; „Oratio habita die festo circumcisionis domini in concilio oecumenico Tridentino“. 1552. 1557; „De ratione summovendi praesentis temporis dissidia“, 1557; „De dissidiis ecclesiae componendis“, 1559. Zu einer Geschichte der Stadt Köln hatte er im Verein mit Johann Helmann vieles Material gesammelt. In Manuscript hinterließ er einen Geschichte des Trienter Concils bis auf seine Zeit; dieses Manuscript ist verloren gegangen. Ein Band handschriftlicher Predigten, Synodalreden und anderer kleiner Schriften von ihm ist vor einigen Jahren öffentlich verkauft worden. Callidius Loos bezeichnet den B. als einen klugen, humanen Mann, Allen ehrwürdig durch Sittenreinheit und Biederkeit; Melanchthon dagegen sagt von ihm, daß er dem Wein und der Liebe ergeben gewesen sei.

Hartzheim, Bibl. Col., Meshovius. Viel Handschriftliches.