ADB:Birkmann

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Artikel „Birkmann“ von Otto Mühlbrecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 663–664, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Birkmann&oldid=2010383 (Version vom 28. April 2015, 20:39 Uhr UTC)
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Birkmann. Berühmte Buchhändler- und Buchdruckerfamilie in Köln, dort thätig in den Jahren 1510–1585. Franz B., der Gründer des Geschäftes, geb. zu Sonsbeck bei Venlo, verheirathet mit einer Tochter des Buchführers Gerhard Amerfort, gehörte zu jenen thätigen, verständigen und dabei gründlich durchgebildeten Männern, welche zur Zeit des ersten Emporblühens der Buchdruckerkunst den litterarischen Verkehr der im Westen Europa’s gelegenen Nationen durch häufig unternommene weite Reisen vermittelte, nach London, Köln, Paris und Basel, überallhin führten Franz B. seine Kreuz- und Querzüge, namentlich war England das ergiebigste Feld seiner Thätigkeit; mit den hervorragendsten Gelehrten seiner Zeit stand er fortwährend in regster Verbindung; für den Frankfurter Meßverkehr war er eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, da er ein ganz umfassendes Lager einheimischer und ausländischer Bücher vermöge seiner ausgebreiteten Handelsbeziehungen zu unterhalten vermochte, die er hier mit Froben aus Basel, Gryphius aus Lyon, Calvus aus Pavia, Koburger aus Nürnberg, Froschauer aus Zürich u. a. m. austauschte. Franz B. trat etwa 1520 zu Johann Froben als Theilhaber geschäftlich in engere Beziehung, da er für dessen Druckschriften Absatzwege in den Niederlanden und England hatte, die jenem sonst nicht zu Gebote standen, eine Verbindung, die indessen 1526 bereits wieder aufgelöst wurde. Um diese Zeit legte er eine eigene Druckerei in Köln an, jedoch hat sein eigener Verlag, der größtentheils auf fremden Pressen gedruckt ist, keine große Bedeutung, man kennt nur 26 verschiedene Werke seines Verlages aus den Jahren 1513–1529, darunter ein „Corpus juris civilis“, herausgegeben von B. Rembolt und Th. Kerver, 5 Bde. folio, und eine „Biblia latina“, 3 Bde. 8. Franz B. wird in den Jahren 1529 oder 30 in Köln gestorben sein. Sein Bruder Arnold setzte das Geschäft in Köln und Antwerpen fort, er hat jedoch nicht die Bedeutung seines Bruders, auch war seine selbständige geschäftliche Laufbahn nur eine kurze; Arnold Birkmann’s Name kommt 1532 zuerst auf einem Verlagsartikel vor, zum letzten Male 1542, zu welcher Zeit er starb; es sind zehn seiner Verlagsartikel bekannt, darunter „Appiani cosmographia, denuo restituta per Gemmam Phrysium“ 4. und Joh. Colet’s „Rudimenta grammatices“, Thomas Morus’ „Utopia“ u. a. m. Arnold B. hinterließ drei Söhne, von denen Theodor (s. d.) sich dem ärztlichen Stande widmete, während Johann das väterliche Geschäft übernahm und es zu einer Blüthe brachte, welche die früheren Jahre weit übertraf. Vermöge seiner Kenntnisse stand er in hoher Achtung bei den Gelehrten seiner Zeit, die er zuweilen selbst bei ihren Arbeiten unterstützte, Männer wie Georg Cassander, Joachim Hopper, Cornelius Walther, Molinaeus, Ximenius u. a. erwähnen des Birkmann’schen Geschäftes wiederholt in ihren Schriften. Johanns Thätigkeit als Verleger, wobei er übrigens von seinem Bruder Theodor kräftig unterstützt wurde, ist eine ganz bedeutende gewesen und hat einen großen Einfluß auf die damaligen wissenschaftlichen, namentlich die medicinischen, naturwissenschaftlichen und theologischen Studien ausgeübt; nach seinem, etwa 1575 erfolgten Tode setzte die Wittwe das Geschäft noch bis 1585 fort, zu welcher Zeit es in Arnold Mylius’ Hände überging, von welcher Familie das Haus dann später noch in größter Blüthe bis zum J. 1654 fortgeführt ist. Von der Thätigkeit Johann Birkmann’s und seiner Wittwe legt am besten der Umstand Zeugniß ab, daß innerhalb 20 Jahren, von 1566–1585, 116 verschiedene, zum Theil große, [664] Verlagsunternehmungen veröffentlicht sind, deren Titel im „codex nundinarius“ von Schwetschke genau verzeichnet sind. Das Birkmann’sche Geschäft bietet das einzige Beispiel einer Buchhandlung, die sich aus der ersten Zeit des selbständigen Buchhandels bis zur Mitte des 17. Jahrhunders erhalten hat.

Kirchhoff, Beiträge Bd. I. S. 88–131.
Mhlbr.