ADB:Bol, Ferdinand

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Bol, Ferdinand“ von Wilhelm Schmidt (Kunsthistoriker) in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 794–795, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bol,_Ferdinand&oldid=- (Version vom 19. Mai 2019, 21:49 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
[[ADB:|]]
Nächster>>>
[[ADB:|]]
Band 3 (1876), S. 794–795 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Ferdinand Bol in der Wikipedia
GND-Nummer 118659278
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|794|795|Bol, Ferdinand|Wilhelm Schmidt (Kunsthistoriker)|ADB:Bol, Ferdinand}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118659278}}    

WS: Bei den Zusätzen und Berichtigungen nachgetragen, in Band 3 auf Seite 94 einzuschalten.

Bol: Ferdinand B., berühmter Maler. Leider sind nur sehr wenige Lebensumstände dieses ausgezeichneten Künstlers bekannt. Als seinen Geburtsort gibt man Dordrecht, als sein Geburtsjahr 1611 an; doch scheint das letztere nicht verbürgt, wenigstens Houbraken konnte es nicht in Erfahrung bringen. Schon sehr früh, nach Houbraken mit zwei oder drei Jahren, kam B. nach Amsterdam. Hier ging er zu dem berühmten Rembrandt in die Schule, wahrscheinlich im Anfange der dreißiger Jahre, als sich ein glänzendes Gestirn: Flinck, Eeckhout, Dou u. a. um den Meister sammelte. Im J. 1653 heirathete er zu Amsterdam Elisabeth Dell. Er starb daselbst hochbetagt im Juli 1680, nachdem er sich Ruhm und Vermögen durch seine Kunst erworben hatte. B. ragt vornehmlich durch seine Portraits hervor. Ich glaube nicht, daß, mit Ausnahme von Rembrandt und Fr. Hals, selbst nicht von van der Helst, ihn ein anderer Holländer in der Naturwahrheit, dem sicheren Behagen am Dasein, der meisterhaften warmen Farbe und dem eigenthümlich geistreichen Vortrage übertrifft. Feinere, vornehmere Auffassung fehlt ihm allerdings, er ist der echte Repräsentant holländischer Derbheit und holländischen Phlegma’s. Im Leprozenhuis zu Amsterdam zeigt man ein Bild von 1649, ein sogenanntes Regentenstück, wie sie in Holland an der Tagesordnung waren. Es sind vier Vorsteher, welchen der Arzt einen aussätzigen Knaben zur Aufnahme vorstellt, alle in vollen, lebensgroßen Figuren. Waagen nennt es wol das ausgezeichnetste Bild, das von B. vorhanden, preist namentlich am Kopf des ersten Vorstehers die edlen Züge und überhaupt die „meisterlich gezeichneten“ Hände. Im Huiszittenhuis zu Amsterdam befindet sich ein kaum minder treffliches Regentenstück, von sechs Figuren. Ein anderes großes Werk sieht man in der Kriegsrathskammer zu Gouda, ein Schützenstück in lebensgroßen Figuren, vom J. 1653. Ein vorzügliches Portraitstück, ein Mann mit seiner Frau, von 1649, ist in der Sammlung von Thomas Baring zu London. Vortreffliche Bildnisse von ihm besitzt das Museum des Trippenhuis zu Amsterdam. Interessant darunter ist namentlich sein Selbstbildniß mit langer blonder Perrücke; er lehnt sich mit dem linken Arm auf ein Amorfigürchen, in der rechten Hand hält er einen Spazierstock; im Hintergrund sieht man eine Säule. Das Bild ist noch mit dem in Holz geschnitzten, mit Blumen- und Laubwerk verzierten Rahmen geschmückt. Ferner bewahrt diese kostbare Gallerie das Portrait des Bildhauers Arthur Quellinus, von 1663, das des Admirals Michel Adr. de Ruyter, von 1677, und einer Mutter mit zwei Kindern. Die k. Gallerie im Haag schmücken die [795] beiden Bildnisse des genannten Seehelden und seines Sohnes Engel de Ruyter, letzteres von 1669, das Louvre ein männliches Portrait in schwarzer Kleidung, von 1659 etc. Minder erfreulich ist unser Maler in seinen Historien, der Ausdruck seiner Köpfe ist doch zu unbedeutend, seine Compositionsgabe recht schwach. Von schönen Linien, Vertiefung der Auffassung, feinerem Geschmack überhaupt sieht man hier sehr wenig. Seine meisterhafte Farbe, sein zartes Helldunkel allerdings verleugnet er hier nicht, doch ist auch darin der Abstand von seinem großen Meister sichtbarer als bei seinen Portraits. Wir nennen darunter: Allegorie auf den Frieden auf dem Rathhause zu Leiden, vom J. 1664; Joseph, der dem Pharao seinen Vater Jakob vorführt, den Uriasbrief und Jakobs Traum von der Himmelsleiter, sämmtlich im Dresdener Museum; Fabricius im Lager des Pyrrhos, Wahl der siebenzig Aeltesten im Lager von Israel und Moses zum zweiten Mal mit dem Gesetz vom Berg Sinai kommend, sämmtlich im alten Stadthaus, dem jetzigen „Paleis“, zu Amsterdam. B. war übrigens, wie sein Lehrer Rembrandt, nicht blos ausgezeichneter Maler, sondern auch Radirer und auch hier von namhaftem Verdienst. Man zählt 17 Blätter von ihm; drei derselben tragen die Jahreszahl 1642, je eines 1644, 1645, 1649, 1651, zehn sind ohne Datum. Man ersieht übrigens hieraus, daß er vielleicht blos in den vierziger und fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts radirt hat. Seine Manier ist ganz die Rembrandt’sche: das Helldunkel, die Lichtwirkung sind magisch, die Figuren aber ordinär und schlecht gezeichnet. Man betrachte nur sein Opfer Abrahams, sein Opfer Gideons, den heil. Hieronymus, die heil. Familie, um sich von dem Gesagten zu überzeugen. Von magischer Lichtwirkung, märchenhaftem Eindruck ist namentlich das Opfer Gideons; an Kraft des durchs Fenster einfallenden Lichtes und des mächtigen Gegensatzes von Hell und Dunkel, sowie hervorragend durch breitere Behandlung als gewöhnlich ist die heilige Familie (1649). Seine radirten Bildnisse sind nur etwas kleinlicher in der Behandlung, sonst aber fast des Rembrandt in ihrer natürlichen Auffassung, ihrer weichen, malerischen Erscheinung würdig. – Gestochen hat man nach ihm sehr wenig.