ADB:Burgsdorff, Konrad von

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Artikel „Burgsdorf, Konrad Alexander Magnus von“ von Bernhard Erdmannsdörffer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 615–617, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Burgsdorff,_Konrad_von&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 12:14 Uhr UTC)
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Burgsdorf: Konrad Alexander Magnus v. B., kurbrandenburgischer Militär und Staatsmann, geb. 1595, † 1. Febr. 1652. Einem alten märkischen Adelsgeschlecht entstammend, trat er früh in brandenburgischen Kriegsdienst ein, wurde 1623 Oberstlieutenant und bald darauf Oberst eines Reiterregiments. Zu hervorragenden kriegerischen Leistungen gab schon die ohnmächtige Stellung, worin Brandenburg unter dem Kurfürsten Georg Wilhelm zwischen den Parteien des dreißigjährigen Krieges stand, wenig Gelegenheit; doch wird in der kurzen Zeit, in welcher dieser Fürst an der Seite Gustav Adolfs kämpfte, der Name Konrads v. B. bisweilen mit Lob genannt. Auch als mit seinem Beitritt zu dem Prager Frieden (1635) Georg Wilhelm die Partei wechselte und sich, geleitet von seinem Minister, dem Grafen Adam v. Schwartzenberg, ganz der politischen Führung des Wiener Hofes hingab, kam es nicht zu einem militärischen Aufschwung. Im Gegentheil, der im J. 1638 unternommene Versuch, eine selbständige größere brandenburgische Armee aufzubringen und mit derselben die Vertreibung der Schweden aus Pommern bewirken zu helfen, erlitt den schmählichsten Mißerfolg: dem Feinde gegenüber ward nicht das geringste erreicht; statt dessen aber hatte man eine gewaltthätige, unbotmäßige Soldatesca im Lande, welche um so schwieriger zu behandeln war, als sie nach den Bestimmungen des Prager Friedens neben dem Landesherrn zugleich auch dem Kaiser den Fahneneid geleistet hatte und darauf gestützt der Landesregierung fast den Gehorsam weigerte; das Resultat dieses kriegerischen Anlaufs war die vollkommene militärische Anarchie in der Mark, und schlimmer als die Feinde, denen man nicht zu wehren vermochte, hausten die eigenen Truppen, während die Mehrzahl der höheren Officiere ihre uncontrolirte Allmacht im Lande zu den schnödesten Erpressungen und Veruntreuungen mißbrauchte. Im Zusammenhang mit diesen Vorgängen wird auch der Name Burgsdorf’s oft, und fast immer im übelsten Sinne genannt. Er war der geschworene Feind Schwartzenberg’s, der jetzt als Statthalter des in Königsberg residirenden Kurfürsten in den Marken waltete, und lebte mit ihm in steten heftigsten Zerwürfnissen. Es mag hierbei auf seiner Seite einigermaßen der Haß des eingeborenen Märkers gegen den fremden, noch überdies katholischen und streng kaiserlich gesinnten Günstling mitgesprochen haben, sowie anderseits zu betonen ist, daß unsere Nachrichten über B. aus dieser Zeit fast durchweg theils aus dem Munde Schwartzenberg’s, theils aus dem seiner Anhänger stammen. Trotzdem wird man einen großen Theil der gegen ihn gerichteten Anklagen für begründet halten dürfen; die gewaltthätige, stets unruhige, herrschsüchtige, habgierige und gewissenlose Natur des Durchschnitts-Kriegsmanns aus der Schule des dreißigjährigen Krieges ist in B. unverkennbar; es ist kaum zweifelhaft, daß er ebenso wie die Mehrzahl der nachmals bestraften und abgesetzten Officiere seinen militärischen Verpflichtungen in der mangelhaftesten Weise nachkam, daß er in der gröblichsten Weise sich auf Kosten der Armee und des Landes zu bereichern suchte, daß er eine wesentliche Mitschuld hatte an der allgemeinen Zerrüttung, welche die beiden letzten Jahre Georg Wilhelms in den märkischen Landen bezeichnet. Merkwürdig, daß einem Manne dieser Art doch noch eine Rolle in der Geschichte seines Landes unter dem Nachfolger beschieden war. B. hatte es von früh her verstanden, sich der Gunst des jungen Kurprinzen zu versichern; schon die gemeinsame Abneigung gegen Schwartzenberg führte sie zusammen. Als nun im J. 1640 Georg Wilhelm starb, trat B. sofort als einflußreicher Rathgeber und Helfer dem jungen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zur Seite; bei der gefahrvollen [616] inneren Krisis, von der dieser Regierungswechsel begleitet war, erwarb er sich wirkliche Verdienste durch die rücksichtslose Entschlossenheit, womit er dem neuen Landesherrn behülflich war, die seinem Vater fast entfallenen Zügel der Regierung wieder fest in die Hand zu nehmen und namentlich dem soldatischen Gewaltwesen im Lande ein Ende zu machen. – Der bisherige Kriegsoberst wandelte sich zum Staatsmann; der Kurfürst ernannte ihn zum Mitglied des Geheimen Rathes, während ihm zugleich, neben anderen einträglichen Chargen, das Commando aller märkischen Festungen übertragen wurde; besonders aber nahm er als Oberkammerherr des Kurfürsten in dessen unmittelbarer Umgebung thatsächlich die Stellung eines vertrauten Cabinetsrathes ein, der an allen wesentlichen Entschließungen Antheil hatte und vielfach selbst zu den wichtigsten Geschäften verwandt wurde. Das ganze erste Jahrzehnt des großen Kurfürsten hindurch gelang es B., sich in dieser einflußreichen Stellung zu behaupten. Es erregte, schon bei den Zeitgenossen, Verwunderung, daß der sittenreine, sonst gegen andere, wie gegen sich selbst so strenge junge Fürst einem Manne von zweifelhaftem Ruf und gewiß nicht fleckenreinem Charakter so dauernd seine Gunst schenkte; die Erklärung wird darin liegen, daß einerseits der Kurfürst in begründeter Dankbarkeit für geleistete Dienste in gefahrvoller Zeit über manches anstößige hinwegsah, und daß anderseits B. doch jetzt in einer Stellung, die seinem Ehrgeiz genügte, auch Eigenschaften an den Tag legte, die ihn für manche Geschäfte brauchbar erscheinen ließen. In der That wurde er, neben seinen Obliegenheiten im Cabinetsdienste des Kurfürsten, mehrfach zu wichtigen diplomatischen Sendungen gebraucht. Bei den Verhandlungen über die Vermählung Friedrich Wilhelms spielte er eine bedeutende Rolle, zuletzt überbrachte er die officielle Werbung des Kurfürsten um die Hand der oranischen Prinzessin Louise Henriette nach dem Haag. Im J. 1648 führte er die Verhandlungen mit Kursachsen und den braunschweigischen Herzögen über die Bildung einer bewaffneten protestantischen Friedenspartei, die im Nothfall durch ihr Dazwischentreten den widerstrebenden Parteien des westfälischen Congresses den Frieden abzwingen sollte. Dieser Versuch scheiterte, vornehmlich an der Weigerung des Kurfürsten von Sachsen; dagegen war es B. kurz zuvor geglückt, mit dem Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm v. Neuburg, dem Mitbesitzer der jülich-clevischen Erbschaftslande, den Düsseldorfer Provisionalvergleich vom 8. April 1647 abzuschließen, der wenigstens für einige Zeit in die immer schwierigen Beziehungen zu diesem gefährlichen Nachbar eine Ruhepause der Verständigung brachte. Bei allen diesen diplomatischen Verrichtungen zeigte sich B. als einen nicht ungeschickten Unterhändler, der seine Sache wohl zu führen verstand, wie seine jüngst veröffentlichten Berichte erkennen lassen. Immerhin indeß muß in seinem ganzen Leben wie in seiner Geschäftsführung doch vieles gewesen sein, was Anstoß und Feindseligkeit erregte und endlich auch die Nachsicht des Kurfürsten zu Ende brachte. Die äußeren Anlässe, welche schließlich seinen plötzlichen Sturz herbeiführten, sind nicht ganz ersichtlich; bei Gelegenheit der kriegerischen Verwicklungen mit dem Pfalzgrafen von Neuburg im Sommer 1651 scheinen finanzielle Mißstände zu Tage getreten zu sein, die man ihm in erster Reihe zur Last legte, und wobei er vermuthlich nicht ganz reine Hände hatte; außerdem mag die ausgesprochene Abneigung der Kurfürstin, die er sich zugezogen, zu seinem Falle mitgewirkt haben. Im Januar 1652 wurde die Entlassung aus allen seinen Aemtern, sowie die Entfernung vom Hofe über ihn verhängt. Der Schlag scheint vernichtend auf ihn gewirkt zu haben; zwei Wochen darauf starb er, vermuthlich in Folge des jähen Schicksalswechsels.

Neben Konrad v. B. tritt in der brandenburgischen Specialgeschichte dieser Zeit auch sein jüngerer Bruder, Georg Ehrentreich v. B., gelegentlich hervor [617] (geb. 1603, † 1656); in den Zeiten Georg Wilhelms auch er einer von den übel berufenen Reiterführern der Armee von 1638, dann von dem Glück seines Bruders geschützt und emporgetragen, Oberstallmeister des großen Kurfürsten und von diesem mannigfach begnadet; so hat er, der eine eigentlich politische Stellung nicht einnahm, den Sturz seines Bruders überdauert.

König, Alte und neue Denkwürdigkeiten der preuß. Armee (Berlin 1787). Cosmar, Beiträge zur Untersuchung der gegen den Grafen Adam v. Schwartzenberg erhobenen Beschuldigungen (Berlin 1828). v. Mörner, Märkische Kriegsobersten des 17. Jahrhunderts (Berlin 1861). Urkunden und Actenst. z. Gesch. des Kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg (Berlin 1864 ff.).