ADB:Corvinus, Antonius

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Artikel „Corvinus, Anton“ von Adolf Brecher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 508–509, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Corvinus,_Antonius&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 06:33 Uhr UTC)
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Corvinus: Anton C., d. i. Rabe, Räbener, erster Generalsuperintendent des Fürstenthums Calenberg, geb. zu Warburg 27. Febr. 1501, † 5. April 1553, erscheint zuerst als Mönch (1522) der Klöster Riddagshausen und Loccum, in denen er auch seine wissenschaftliche Ausbildung gefunden hatte. Wegen seiner Hinneigung zur Lehre Luther’s aus dem letzteren ausgeschlossen, wandte er sich nach Wittenberg, um Luther zu hören und seine Studien zu vollenden. 1526 befand er sich in Marburg, nach seinen Briefen zu urtheilen, sowol als Geistlicher, als auch als Lehrer der im Entstehen begriffenen Universität. Auf Amsdorf’s Betrieb wurde er 1528 als Prediger an die Stephanskirche in Goslar und nach einer einjährigen Wirksamkeit daselbst vom Landgrafen Philipp von Hessen nach Witzenhausen berufen. Im Auftrage dieses Fürsten nahm er an dem Convent zu Ziegenhain 1532, dem Gespräch Melanchthon’s mit Bucer zu Cassel 1535 und an dem Convent von Schmalkalden 1537 Theil. Der Versuch Corvinus’, in Gemeinschaft mit dem hessischen Prediger Joh. Kymeus im Januar 1536, die gefangenen münster’schen Aufrührer Johann von Leyden, Knipperdolling und Krechting zu bekehren, ging ebenfalls von Philipp aus. Wir verdanken C. über die dabei abgehaltenen Disputationen einen immerhin wichtigen Bericht. Corvinus’ Thätigkeit erstreckte sich nicht blos auf das hessische Gebiet: wie man ihm die Ordnung der kirchlichen Verhältnisse in der Grafschaft Lippe verdankte, so bewirkte sein Einfluß und Eifer in Schrift und Wort die Verbreitung der evangelischen Lehre auch in den an Hessen angrenzenden Landesgebieten. Seine Hauptthätigkeit in dieser Richtung entfaltete er in den braunschweigischen Fürstenthümern Göttingen und Calenberg. Als die Herzogin Elisabeth, eine Schwester des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg, ergriffen von der Predigt Corvinus’, 1538 zur evangelischen Kirche übergetreten war und 1540 die vormundschaftliche Regierung für ihren Sohn Erich II. übernommen hatte, berief sie C., der auch Nordheim 1539 reformirt und mit einer Kirchenordnung versehen hatte, zu sich, um die Reformation in ihren Landen durch ihn einführen zu lassen. Anfangs noch von Witzenhausen, später (1542) von seinem neuen Wohnsitze Pattensen aus bewirkte C. die Umwandlung mit Geschick und Erfolg. Er wurde der erste evangelische Superintendent des Fürstenthums. Durch die Einführung einer Kirchen- und einer Klosterordnung (beide 1542 verfaßt, die erstere später auch ins Niederdeutsche übertragen), durch Visitationen und Synoden zu Pattensen 1544, Münden 1545 vollendete und befestigte er sein Werk. Gleichzeitig (1542) führte er unter dem Schutze der schmalkaldischen Bundesfürsten in Gemeinschaft mit Bugenhagen und Winkel die Reformation in Hildesheim und im Braunschweig-Lüneburgischen ein, so daß ihm die Evangelisirung der braunschweigischen Lande wesentlich zu danken ist. Als jedoch Herzog Erich II. wieder zur katholischen Kirche übertrat und die Annahme des Interims von den evangelischen Geistlichen seines Landes forderte, verfaßte C. einen von der gesammten evangelischen Geistlichkeit unterschriebenen Protest gegen diese Zumuthung. Er büßte diesen Schritt mit dreijähriger harter Gefangenschaft auf dem Calenberge (1549–53). Seine Bibliothek wurde zum größten Theile von den spanischen und brabantischen Soldaten, die den jungen Herzog begleiteten, zerstreut und verbrannt; sein Gefängniß war „ein so garstiger Thurm, daß ihm die Kleider vom Leibe fauleten“. Erst auf Fürbitten des Herzogs Albrecht von Preußen wurde C. freigelassen. Aber er starb sehr bald an den Folgen der Haft zu Hannover. – Ein Verzeichniß seiner Schriften, sowie sein Bildniß findet sich bei seinem Biographen D. E. Baring, Leben des berühmten M. Antonii Corvini etc., Hannover 1749. Elf Briefe des C. an Justus Jonas geben die Neuen Mittheilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen, Bd. III. Heft 1, 1836, S. 120 ff.

[509] Vgl. sonst: Havemann, Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg, Bd. I, Lüneburg, 1837, S. 373 ff.; und desselben Elisabeth, Fürstin etc., S. 49 f. Uhlhorn, Ein Sendbrief von Ant. Corvinus mit einer biogr. Einleitung, Göttingen 1853 und denselben in seinem Artikel in Herzog’s Real-Encyklopädie.