ADB:Duttenhofer, Christian Friedrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Duttenhofer, Christian Friedrich“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 497–498, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Duttenhofer,_Christian_Friedrich&oldid=- (Version vom 22. November 2019, 04:44 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Düsterwald, Johann
Band 5 (1877), S. 497–498 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Christian Friedrich Duttenhofer in der Wikipedia
GND-Nummer 116258306
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|5|497|498|Duttenhofer, Christian Friedrich|Julius August Wagenmann|ADB:Duttenhofer, Christian Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116258306}}    

Duttenhofer: Christian Friedrich D., protestantischer Theolog des 18. Jahrhunderts, geb. den 3. Febr. 1742 zu Nürtingen in Würtemberg, † den 18. März 1814 als Prälat und Generalsuperintendent in Heilbronn. Sein Vater, Bürger und Spitalmeister einer altwürtembergischen Kleinstadt, auch Landschafts- und Hofgerichtsassessor, war ein verständiger, ruhig denkender Mann, aller Frömmelei abgeneigt, seine Mutter gehörte der pietistischen Richtung an: ein Verhältniß, das auf des Sohnes geistige Entwicklung nicht ohne Einfluß blieb. Vorgebildet in der Lateinschule seiner Vaterstadt, dann in der Klosterschule zu Denkendorf 1756 ff., bezog er 1758 die Universität Tübingen, zum Studium der Theologie bestimmt. Während er in den philosophischen Wissenschaften unter Lehrern wie Plouquet, Schott etc. erfreuliche Fortschritte machte, auch durch Lectüre alter und neuer Classiker seinen Geschmack bildete, fand er an den theologischen Studien, wie sie damals unter Reuß, Cotta, Sartorius, Faber in Tübingen betrieben wurden, weniger Gefallen. Nach erstandenem theologischen Examen wird er Hauslehrer bei seinem Bruder, einem Kaufmann in Leipzig, wo er die Vorlesungen und den Umgang von Ernesti, Crusius, Gellert benutzt. Nachdem er sodann noch in verschiedenen Orten – bei Prof. Meier in Greifswald, einem Herrn v. Schimmelmann in Hamburg – Hauslehrer gewesen, auch England und Frankreich bereist hatte, kehrt er in seine schwäbische Heimath zurück, wird Diakonus in Beilstein 1771, Pfarrer in Gronau 1777, Prediger in der Reichsstadt Heilbronn 1780, Senior minist. daselbst 1800, später nach der würtembergischen Annexion Prälat, Generalsuperintendent der Diöcesen Hall und Heilbronn, und Oberconsistorialrath. Obgleich so sein auf eine akademische Laufbahn gerichteter Wunsch unerfüllt blieb, widmete er [498] sich doch zeitlebens wissenschaftlichen Studien und litterarischen Arbeiten, besonders aus dem Fach der Religions- und Kirchengeschichte, erhielt auch 1806 von der Universität Helmstädt einen der letzten, von dort verliehenen theologischen Doctorhüte. Seine theologische Richtung war die der damals herrschenden Aufklärung, mit zum Theil sehr schroffer Opposition gegen Orthodoxie und Pietismus. So zeigt er sich in seinen Schriften, z. B.: „Freimüthige Untersuchung über Orthodoxie und Pietismus“, 1787; „Predigten zur Beförderung eines vernünftigen und rechtschaffenen Christenthums“, 1792; „Versuch über den letzten Grundsatz der christlichen Sittenlehre“, 1801; „Betrachtungen über die Geschichte des Christenthums“, 1813; besonders aber seine „Geschichte der Religionsschwärmerei“ in 3 Bänden, Heilbronn 1796–99, oder wie das Werk in der zweiten Auflage hieß: „Geschichte der christlichen Religion, ihrer Entstellung, Verfälschung, Wiederherstellung“, Heilbronn 1802, 3 Bde. – eine Darstellung der ganzen Kirchengeschichte vom einseitigsten Aufklärungsstandpunkt aus, eine aus sehr secundären Quellen geschöpfte Spott- und Lästerchronik, worin die ganze Geschichte des Christenthums erscheint als eine Kette von Abgeschmacktheiten, wahnsinnigen Andächteleien, erdichteten Visionen, Wundern, Heuchelei und Bubenstücken, wodurch die von Jesus der Menschheit verkündigte Religion der reinen Vernunft entstellt worden sei.

Beyer, Allg. Magazin f. Prediger, Bd. XI. 1795. Allg. deutsche Bibl. Bd. LXI. Meusel, Gel. Teutschl. Bd. II. IX. XI ff. Döring, Gel. Theol. I. 349. und in Ersch und Gruber’s Encykl. Frank, Gesch. d. prot. Theol. III. S. 85.