ADB:Eggers, Joachim Gerhard

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Artikel „Eggers, Joachim Gerhard“ von Otto Beneke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 673–674, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Eggers,_Joachim_Gerhard&oldid=- (Version vom 27. Januar 2020, 05:45 Uhr UTC)
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Eggers: Joachim Gerhard E., ein „armer Poet“, geb. zu Hamburg den 24. Jan. 1777 in dürftigsten Verhältnissen, eines Schneiders früh verwaistes, schlecht unterrichtetes Kind, dann Schneiderlehrling, bis seine Liebe zur Zeichenkunst – die einzige Freude seiner traurigen Jugend – ihn in andere Bahnen lenkte. Seinem Talent war jedoch der Eintritt in die Künstlerlaufbahn nicht gestattet, er mußte sich mit Rouleaux-Malerei begnügen, um sein Dasein zu fristen und in Feierstunden zu lesen, was ihm in die Hände fiel. Durch Gottsched’s Sprachlehre und Dichtkunst angeregt und eingeschult, fühlte er sich dann durch einige Musen-Almanache und Schiller’s Anthologie dergestalt begeistert für die Poesie, daß er dieselbe schöpferisch auszuüben begann, zunächst in einem epistolarischen Gedicht über die Fortdauer der Seele, das sehr lang zu werden versprach, aber zum Glück unvollendet blieb. Aus Itzehoe, wo er um 1803 Rouleaux malte und philosophirende Verse schrieb, nach Hamburg zurückgekehrt, nöthigte ihn völlige Erwerblosigkeit, einen der inferiorsten Dienste seiner Vaterstadt anzunehmen: er wurde Nachtwächter! Seine Vigilien zogen ihm jedoch im J. 1810 schwere Krankheiten zu, er mußte den Dienst aufgeben und sah sich der bittersten Noth verfallen, als zufällig einige seiner Gedichte, im Freundeskreise der Wittwe Klopstock’s vorgelesen, ihm thätige Gönner erweckten, welche auch die Herausgabe einer Sammlung seiner Poesien veranlaßten und möglich machten. Dennoch verblieb er, bei fortdauerndem Mangel einer erträglichen bürgerlichen Stellung, zu deren Erringen es ihm an Thatkraft wie an Geschick fehlte, lebenslang ein armer Poet, dessen trübes Erdenwallen am 17. Juli 1820 der Tod beendigte. – Es würde somit kaum gerechtfertigt erscheinen, das Andenken an diesen schließlich etwas verkommenen Dichter (der in Deutschland Tausende seines Gleichen hat) in diesem biographischen Werke festzuhalten, wenn er nicht als vergessener Verfasser[1] des seiner Zeit allbekannten Liedes: „Was ist der Mensch? halb Thier, halb Engel!“ einigen Anspruch darauf hätte, erwähnt zu werden. Aber der Unstern seines Lebens hat auch hier gewaltet! Dies vormals durch unzählige fliegende Blätter „gedruckt in diesem Jahr“ verbreitete, nicht nur von [674] Bänkelsängern, sondern auch in sogenannten gebildeten Kreisen viel gesungene, jetzt verklungene Lied, – es fehlt, zufällig übersehen, in der Sammlung seiner Gedichte! Und, abgedruckt im Allgem. deutschen Lieder-Lexikon (Leipzig 1846), Bd. IV. S. 30, wird daselbst als Verfasser nicht E., sondern Evers genannt. – Uebrigens s. seine Selbstbiographie vor der 2. Aufl. seiner Gedichte, Hamburg 1820 und Hamburger Schriftsteller-Lexikon Bd. II. S. 149–151.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 673. Z. 4 v. u.: Nach eingehender Forschung des Dr. F. A. Cropp ist dennoch nicht Eggers, wie das Hamb. Schriftstellerlex. berichtet, sondern ein Altonaer, Joach. Lor. Evers, geb. 20. Sept. 1785, † 2. Nov. 1807, der Verfasser des Liedes „Was ist der Mensch“. [Bd. 6, S. 795]