ADB:Fisch, Johann Georg

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Artikel „Fisch, Johann Georg“ von Albert Schumann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 30–31, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fisch,_Johann_Georg&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 15:00 Uhr UTC)
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Fisch: Joh. Georg F., Beamter der helvetischen Republik, geb. 9. Nov. 1758 in Aarau, gest. daselbst 18. März 1799. — Seine Familie, ursprünglich in Stein (Canton Appenzell Außerrhoden) ansässig, war im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts durch Hans Ulrich F. († 1546) nach Aarau verpflanzt worden. Unter dessen Nachkommen erscheinen mehrere als Pfarrer, andere als Mitglieder des städtischen Rathes. Auch der Vater unseres F. gehörte demselben an. Von seinen vier Söhnen war Joh. Georg der älteste. Er widmete sich nach dem Besuche der Aarauer Schulen auf der Berner Akademie den theologischen Studien, wurde 1785 ins Predigtamt aufgenommen und ging dann zunächst als Hauslehrer nach Montpellier im südlichen Frankreich. Diesen Aufenthalt benutzte er in den Jahren 1786—88 zu einer Reise durch die Dauphiné, das Languedoc, das Rouergue und den Comtat Venaissin und legte die dabei gemachten Beobachtungen in ausführlichen Briefen nieder, welche an seinen zweiten Bruder Emanuel (spätern hessen-philippsthal’schen Prinzenerzieher und Hofrath) gerichtet sind. Nachdem er bereits vier derselben als „Beschreibung einer Reise durch die Cevennen“ in H. H. Füßli’s „Schweizer. Museum“ (1788. 9.-12. Heft; 1789, 1. Heft) hatte abdrucken lassen, veröffentlichte er das Ganze unter dem Titel: „Briefe über die südlichen Provinzen von Frankreich“. Zürich 1790. Er vermied in diesem 636 Octavseiten zählenden Werke absichtlich „politische Untersuchungen“ und behandelte „meistens Sittengemälde, Naturscenen, historische Denkmäler und Ueberreste des Alterthums“. Seine Berichte sind noch jetzt lesbar, da er sich überall als ein scharfsichtiger, vorurtheilsloser Beobachter und ein für jene Zeit tüchtiger Stilist erweist. — Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde F. 1791 Lehrer des Lateinischen am politischen Institute in Bern, einer Bildungsstätte junger Patrizier für den Staatsdienst, und erhielt 1794 die zweite Pfarrstelle in seiner Vaterstadt. Bei seiner aufgeklärten [31] Denkungsart fühlte er sich hier mannichfach beengt, und als sich zu Anfang 1798 die französischen Freiheitsideen auch in der Schweiz zu regen anfingen, begrüßte er dieselben mit offenem Beifall. Schon war der Canton Basel dafür gewonnen; in Aarau selber schürte der französische Geschäftsträger Jos. Mengaud die Aufregung. Kaum war daher die ziemlich rathlose Tagsatzung am 1. Febr. geschlossen worden, als sich auch sofort die politische Begeisterung in der Errichtung eines Freiheitsbaumes kundgab. F. hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede an das versammelte Volk. „Er sprach“ (seine eigenen Worte in der unten angeführten „Denkschrift“) „von der Bedeutung des errichteten Baumes, vom Sinne der wahren Freiheit und Gleichheit, von der Herrschaft des Gesetzes, von Ordnung, Eintracht und wahrer Vaterlandsliebe und versicherte, daß nicht Eigennutz, nicht Unzufriedenheit, sondern der Geist der Zeit, die unwiderstehbare Kraft der wahren Freiheitsgrundsätze und der Drang der Umstände bewogen hätten, einen Schritt zu thun, den die Stadt Bern, vom guten Genius des Vaterlandes geleitet, bald selbst nachahmen werde“. Letztere Prophezeihung erfüllte sich nicht: denn schon am 4. Februar wurde Aarau von den Truppen der berner Regierung besetzt und die alte Ordnung gewaltsam wiederhergestellt. F. und andere Führer der Bewegung flüchteten nach Liestal im Canton Basel, von wo aus dann ersterer in einer vom 25. Februar datirten und im gleichen Jahre zweimal aufgelegten „Denkschrift über die letzten Begebenheiten in der bernerischen Munizipalstadt Arau im Argau“, 1798, seinen und seiner politischen Freunde Antheil an den berührten Vorgängen rechtfertigte und die gegen sie erhobenen Verdächtigungen zurückwies. – Nach dem Falle Berns (5. März 1798) kehrte F. wieder nach Aarau zurück, wo bereits am 12. März die nach französischem Muster eingerichtete helvetische Regierung ihre Wirksamkeit begann. Er legte seine Pfarrstelle nieder, übernahm zunächst das Secretariat bei der ersten Versammlung des helvetischen Großen Rathes und wurde dann Obersteuereinnehmer und Bureauchef Phil. Albr. Stapfer’s, Ministers der Künste und Wissenschaften. Als zu Anfang October die Regierung nach Luzern übersiedelte, blieb er in Aarau und verwaltete nur noch das Amt eines Obersteuereinnehmers. Bei der Leere der helvetischen Cassen gewährte ihm dieses kein hinreichendes Auskommen, so daß er sich auf das Vermögen seiner Frau angewiesen sah. Vor drohender Noth bewahrte ihn sein bald darauf erfolgendes Ende. Daß er sich aber selber die Kehle abgeschnitten habe, wie Meusel in seinem Lexikon berichtet, ist eine müssige Erfindung, die in politischem Parteihaß ihren Ursprung haben mag. – Außer den oben erwähnten Schriften gab er noch mehrere Predigten heraus. Meusel’s Angaben darüber im G. T. und im Lex. sind nicht ganz genau.

Mk. Lutz, Nekrolog denkwürdiger Schweizer aus dem 18. Jahrhundert. Aarau 1812. S. 147–148. – (J. J. Frikart), Kirchliches Zeitbuch für den reform. Theil des Cantons Aargau. 2. Ausg. Zofingen 1835. S. 30. 31. – Frz. Xav. Bronner, Der Canton Aargau. 2. Bd. St. Gallen und Bern 1844. S. 48. – Melch. Schuler, Die Thaten und Sitten der Eidgenossen. 4. Bd., 1. Abth. 3. Aufl. Zürich 1845. S. 594–595. – J. Müller, Der Aargau. 2. Bd. Zürich 1871. S. 16–17.