ADB:Franz Albrecht

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Artikel „Franz Albrecht, Herzog von Sachsen-Lauenburg“ von Julius Opel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 293–296, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Franz_Albrecht&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 14:52 Uhr UTC)
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Franz Albrecht, Herzog von Sachsen-Lauenburg, Sohn des Herzogs Franz II. von Lauenburg aus der kinderreichen Ehe mit seiner zweiten Gemahlin Maria, einer Tochter des Herzogs Julius von Braunschweig, ist am 31. October 1598 geboren. In seiner Jugend soll sich derselbe in Schweden aufgehalten haben, jedoch ist darüber sowie überhaupt über die beiden ersten Jahrzehnte seines Lebens wenig sicheres bekannt. Wahrscheinlich hat er sich indessen am böhmischen Kriege und zwar auf Seiten des Pfalzgrafen betheiligt. In späterer Zeit hielt sich F. A. am Hofe des Herzogs Friedrich Ulrich in Wolfenbüttel auf und trat hier mit der Gemahlin desselben in ein näheres Verhältniß, welches für beide Ehegatten verhängnißvoll werden sollte. Als sich nämlich F. A. darauf dem ligistischen Heere anschloß, welches unter dem Grafen Tilly den Herzog Christian von Braunschweig aus dem niedersächsischen Kreise werfen sollte, kam es zwischen dem Herzoge von Lauenburg und dem von Braunschweig nicht weit von dem Dorfe Geismar bei Göttingen (1623) zu einem Scharmützel, in welchem die Briefschaften [294] des ersteren dem letzteren in die Hände fielen. Unter diesen befanden sich auch Schreiben der jungen Herzogin von Braunschweig an F. A. Die Folge hiervon war, daß die Herzogin das Land verließ und daß trotz aller Versuche der verwandten und befreundeten Höfe, eine Wiedervereinigung herbeizuführen, die Ehe thatsächlich getrennt blieb. – Im folgenden Jahre (1624) erregte F. A. durch ein Duell mit dem Herzog Friedrich von Altenburg, welcher sich 1623 Christian dem Jüngeren angeschlossen hatte, Aufsehen. Um diese Zeit scheint der Herzog den ligistischen Dienst quittirt zu haben. Denn als Wallenstein 1625 den niedersächsischen Kreis überzog, führte auch F. A. unter seinem Oberbefehl ein Regiment Cavallerie und nahm in Gemeinschaft mit dem Croatenoberst Pechmann die Stadt Halle a. S. ein. Schon damals wurde er übrigens von Wallenstein zu Verhandlungen besonders mit dem Kurfürsten von Sachsen verwendet. So ging er kurz vor der Schlacht bei Dessau nach Dresden, um von dem Kurfürsten den Paß über die Brücke zu Wittenberg auszuwirken. Denn Wallenstein gedachte den Grafen von Mansfeld hier bei Dessau von beiden Seiten anzugreifen. Noch in demselben Jahre (1626) ist der Herzog nach Ungarn marschiert, nachdem er während des Sommers neue Werbungen in Schwaben veranstaltet hatte und bei Beginn des österreichischen Bauernaufstandes nach Böhmen geschickt worden war. Auch er bezog darauf in Schlesien Winterquartiere. Zwei Jahre später (1628) verhandelte er nebst Arnim im Auftrage des Herzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin mit Wallensteins Commissaren über die Räumung seines Landes und erscheint auch im folgenden Jahre noch in regerem Verkehr mit dem genannten Herzog von Mecklenburg. Sein Regiment wurde übrigens im Anfang des Jahres 1628 aus Pommern in das Anhaltische verlegt. Noch im J. 1629 hat er jedoch auch unter dem Grafen Gallas Dienste in Italien gethan und besonders den Feldzug gegen Mantua mitgemacht. Wann er von hier nach Oesterreich zurückgekehrt ist, steht nicht fest. Erst kurze Zeit vor der Schlacht von Lützen scheint er seinen Uebertritt zur protestantischen Partei vollzogen zu haben: er begab sich von Wien direct in das schwedische Lager. Darauf nahm er mit seinem Regiment (?) Cavallerie und einigem Fußvolk an der Schlacht von Lützen Theil und befand sich in der Todesstunde Gustav Adolphs in der unmittelbaren Nähe des Königs. Aus diesem Grunde wol hat man F. A. sogar beschuldigt Gustav Adolph erschossen zu haben, ohne daß man jedoch diese Anklage jemals ernsthaft zu begründen versucht hat. Doch ist dieselbe dem Herzog selbst zu Ohren gekommen, so daß er sich in einem Schreiben an den pfälzischen Agenten Rusdorf (Januar 1634) an den Verbreitern derselben, „diesen Galgenschwengeln“, zu rächen drohte. Unmittelbar nach der Schlacht von Lützen finden wir F. A. in Dresden. Bald trat er als Feldmarschall in sächsische Dienste. Als solcher hat er schon im Januar des Jahres 1633 mit Gallas Friedensverhandlungen anzuknüpfen versucht und, während er bei dem sächsischen Heere in Schlesien verweilte, in Gemeinschaft mit Arnim eine vierzehntägige Waffenruhe durchgesetzt, welche schließlich noch um einige Tage verlängert wurde (Juni 1633). Dieselbe sollte einen allgemeinen Frieden im Reich anbahnen, erreichte aber ihren Zweck nicht, weil Wallenstein die Einräumung der Fürstenthümer Breslau, Großglogau und Schweidnitz gefordert zu haben scheint. Auch an den Verhandlungen, welche zu einem zweiten Waffenstillstande (vom 12./22. August an) zwischen den in Schlesien kämpfenden Parteien führten, hat sich F. A. in erster Linie betheiligt. Möglicherweise scheiterte dieser Friedensversuch an der Forderung Wallensteins, daß sich die sächsischen Truppen unmittelbar nach dem Abschluß zur Vertreibung der Schweden mit den seinigen vereinigen sollten. Allein auch später setzte der Herzog im Auftrage Kursachsens und Brandenburgs seine Friedensmahnungen bei Wallenstein fort (Nov. 1633), welche von diesem auch dem Kaiser mitgetheilt wurden. [295] Ferdinand II. scheint noch am Schluß dieses Jahres mit diesen Bemühungen vollständig einverstanden gewesen zu sein.

Anfang Februar 1634 finden wir dann den Herzog F. A. in Pilsen. Hier ist er von der Stimmung des Kaisers und der herrschenden Kreise in Wien gegen Wallenstein in Kenntniß gesetzt worden und hat sich darauf in Wallensteins Auftrag nach Regensburg zu Herzog Bernhard von Weimar begeben, um diesen von dem wahrscheinlichen Abfall des Herzogs von Friedland zu benachrichtigen. Ferner hat er nicht nur für einen Waffenstillstand, sondern sogar für eine Vereinigung des Restes der wallensteinischen Truppen mit den Sachsen und Schweden bis zu Wallensteins Katastrophe gewirkt. Als er jedoch bei seiner Rückkehr vom Herzog von Weimar von Weiden aus Eger zog, wurde er in der Nähe von Tirschenreut (16./26. Februar 1634) aufgegriffen und mit den Leichnamen der Ermordeten von Eger nach Pilsen geführt. Ferdinand II. ließ ihn darauf in Neustadt gefangen setzen, und auch sein Bruder, der kaiserliche Oberst Julius Heinrich, wurde als der Mitwissenschaft verdächtig eingezogen. F. A. ist nebst seinem Bruder Monate lang in Oesterreich festgehalten worden (bis zum August 1635), ohne daß die Untersuchung besonders belastende Vergehen zu Tage förderte. Ob der Herzog sofort nach seiner Befreiung wieder in den österreichischen Heeresdienst eingetreten ist, muß dahingestellt bleiben. Doch scheint er sich in den Jahren 1637–40 öfter in Lauenburg und Mecklenburg aufgehalten zu haben. Im J. 1637 erhob er eine Geldforderung an den Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin, welcher sich dieser dadurch entledigte, daß er ihm den Erwerb der lauenburgischen Herrschaft Stintenburg ermöglichte. Während dieser Zeit mischte er sich auch in die Streitigkeiten des Herzogs Adolf Friedrich mit der Wittwe seines verstorbenen Bruders über die Vormundschaft und trat vollständig auf die Seite der verwittweten Herzogin, welche gleichfalls seine Schuldnerin war. Ja er fragte sogar bei dem kaiserlichen Vicekanzler, dem Grafen Kurtz, an, ob es sich nicht bei dem Kaiser verantworten lasse, „daß er sich gedachter Herzogsperson, wie er dazu wohl gelangen könne, bis zu Ihrer Kaiserl. Maj. weiterer Verordnung versichere.“ Er beschuldigte Adolf Friedrich eines besonderen geheimen Einverständnisses mit dem General Baner. Allein F. A. mußte sich sogar eine Einschränkung seiner Befugnisse als kaiserlicher General gefallen lassen, und der Herzog Adolf Friedrich erhielt durch Vermittelung des Grafen Kurtz eine kaiserliche Sauvegarde. Darauf hielt F. A. um die Tochter des verstorbenen Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg-Güstrow an, Christina Margaretha, mit welcher er sich auch am 16. (12.?) Februar 1640 vermählte. In demselben Jahre belehnte ihn Ferdinand III. mit der Herrschaft Pinneberg, ohne daß er sich freilich in den Besitz derselben setzen konnte: sie wurde ihm von Dänemark vorenthalten. Im J. 1641 nach dem Tode des auf einige Monate in österreichische Bestallung getretenen Generallieutenants Arnim übernahm der Herzog F. A. als Generalfeldmarschall den Oberbefehl über die kaiserliche Armee in der Oberlausitz, wohin er im Juli dieses Jahres abging. Er verstärkte die kaiserlichen Truppen bald durch die Errichtung mehrerer Regimenter und befreite auf kurze Zeit (Januar 1642) fast ganz Schlesien von den Schweden. Als jedoch Torstensohn anrückte, ging er unter den schwersten Besorgnissen und Anklagen, daß man ihm keinen Succurs schicke, seinem Schicksale entgegen. In einem Gefechte mit den Schweden ist er darauf bei Schweidnitz verwundet worden, in schwedische Gefangenschaft gerathen und bald nachher am 30. Mai/10. Juni 1642 gestorben. Mit den Worten „Gott sei Lob, daß er mich an dem bösen Feinde gerochen“, schließt Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin die hierauf bezügliche Bemerkung seines Tagebuches.

[296] Kobbe, Gesch. und Landesbeschreibung des Herz. Lauenburg, Bd. II, 414–418. Heine, Ueber das Leben d. Herz. F. A. zu S.-L. (Nordalb. Studien I, 41 ff.). v. Lützow, Beitrag z. Charakteristik d. Herz. Ad. Friedrich v. Mecklenb.-Schwerin (Jahrb. f. mecklenb. Gesch. 1847, S. 59 ff.). Fr. Förster, Albrecht’s v. Wallenstein Briefe. G. Droysen, Die Schlacht bei Lützen (Forsch. V). Hallwich, Zur Gesch. Wallensteins im J. 1633 (Arch. f. Sächs. Gesch. N. F. Bd. III). Opel, Der nieders.-dänische Krieg. Bd. I. II. Zeitungen, Archivalien.